Das Haus Opherdicke ist für den Holzwickeder Ortsteil Opherdicke prägend. Bernd Poethig wohnt nur wenige Meter entfernt, freut sich über das umfangreiche kulturelle Angebot, das hier geboten wird. © Marcel Drawe
Stadtteilcheck

Opherdicke: Kulturelles Kleinod mit Schwächen im Busverkehr

Seinen Heimatort beschreibt Bernd Poethig als „ideal“ zum Wohnen. Die Verkehrsanbindung sei gut. Negatives gebe es eigentlich nicht zu berichten. Aber eben nur eigentlich. Ein Stadtteilcheck.

Bernd Poethig (66) wohnt seit fast 30 Jahren in Opherdicke. Durch eine Freundin seien er und seine Frau damals auf ein Haus in der Fliederstraße aufmerksam geworden. Seit 1992 nennen sie es ihr Eigen, ein kleiner Garten gehört dazu, eine überdachte Terrasse.

Die Wahl sei nicht bewusst auf Opherdicke gefallen. Bernd Poethig und seine Frau hatten zuvor in der Gemeindemitte zur Miete gewohnt und wollten kaufen. Sie hätten sich sogar bei der Gemeinde auf eine Warteliste setzen lassen. Leisten konnte sich das Paar mit seinem Sohn die Grundstücke aber nicht. In Opherdicke hätten sie das Haus dann von den „Erbauern“ selbst gekauft. Das sei hier häufig zu beobachten, berichtet Poethig. Gerade in seiner Siedlung würden ältere Eigentümer jetzt vermehrt ihre Häuser an junge Familien verkaufen.

Der 66-Jährige schätzt an Opherdicke seinen dörflichen Charakter. „Obwohl wir hier schon ein großes Dorf sind.“ Der Dorf-Charakter zeichne sich durch die Bebauung aus. Ein- und Zweifamilienhäuser statt mehrstöckiger Wohnkomplexe prägen das Ortsbild.

Haus Opherdicke ist das kulturelle Herzstück des Ortes

Und es sei immer etwas los, zumindest, wenn nicht die Pandemie die Oberhand über das gesellschaftliche Leben gewonnen hat. So zum Beispiel auf Haus Opherdicke, wo nun wieder Konzerte stattfinden. Der große Konzertbesucher sei er zwar nicht, aber Poethig freue sich, dass kulturell am Haus Opherdicke viel geboten wird.

Da ist er nicht der einzige. Wenn Ortsvorsteher Frank Markowski über das Haus Opherdicke spricht, kommt er ins Schwärmen: „Das Etablissement, Open-Air-Veranstaltungen, das ganze Umfeld: ein Traum.“ Mancher Ort wäre froh, einen solchen Ort vorweisen zu können, ist er überzeugt.

Kultur und Orte zum Verweilen können zur Lebensqualität eines Ortes beitragen. In Opherdicke ist die, im Vergleich zu anderen Gemeindeteilen, besonders hoch, finden die Befragten unserer nicht-repräsentativen Umfrage zum Stadtteilcheck. Sie vergeben insgesamt die Note 9,0.

Das ist ebenfalls positiv bewertet worden

Grünflächen und Fahrradfahren: Ebenfalls spendabel mit Punkten waren die Teilnehmer in Bezug auf die Grünflächen. Der Park des Hauses Opherdicke, der nicht weit entfernte Standortübungsplatz der Bundeswehr, viele Felder: Das bringt Opherdicke die Note 9,2 ein. Und auch Fahrradfahren könne man hier gut, sagt Bernd Poethig. Radfahrer seien in kürzester Zeit im Sauerland.

Nachteil: Wer die Straße runter fährt, muss sie auch wieder rauf. Und von solchen Steigungen gebe es viele. Die Zahl der Radwege sei ebenfalls begrenzt. Wege führen beispielsweise ins Ruhrtal oder in Richtung Fröndenberg und Geisecke. Doch auch das Fahren auf der Straße sei in Opherdicke nie ein Problem gewesen, berichtet Poethig. „Ich habe mich nie unsicher gefühlt, es geht ja auch mit dem Verkehr.“

Radwege wie hier in Richtung Ruhrtal gibt es in Opherdicke nicht viele. Radfahren auf der Straße ist aber nach Einschätzung von Bernd Poethig kein Problem. Das Verkehrsaufkommen sei nicht gravierend, sagt er.
Radwege wie hier in Richtung Ruhrtal gibt es in Opherdicke nicht viele. Radfahren auf der Straße ist aber nach Einschätzung von Bernd Poethig kein Problem. Das Verkehrsaufkommen sei nicht gravierend, sagt er. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Gastronomie: In Sachen Gastronomie hat Opherdicke ein Bistro im Haus Opherdicke, die Schloßstuben sowie eine Pizzeria, die Essen liefert, zu bieten. Mit dem Angebot sind die befragten Opherdicker wie auch Bernd Poethig zufrieden. Hier gibt es die Note 7,8. Damit schneidet der Ort im Gemeindevergleich gut ab. Obwohl er gerne die Schloßstuben besucht, fehlt dem 66-Jährigen, der ursprünglich aus Dortmund kommt, etwas. „In Dortmund hatten wir eine richtige Stammkneipe. Die haben wir in Holzwickede nicht gefunden. Es mag gut sein, dass sich das nicht gelohnt hat“, vermutet Poethig.

Die Verkehrsanbindung hat positive und negative Seiten

Verkehrsanbindung: Ein großer Pluspunkt ist für den 66-Jährigen die Verkehrsanbindung. Auch, weil er ein Auto hat. „Ohne Auto ist man aufgeschmissen. Jeder, der hier hin zieht, weiß, dass er ein Auto braucht.“ Ist der fahrbare Untersatz aber da, gelange man in wenigen Minuten nach Dortmund, Unna und zum Flughafen.

Bei der Umfrage fiel das Urteil zur Verkehrsanbindung im Vergleich zu den anderen Ortsteilen ernüchternd aus. Hier wurde von den Befragten die Note 5,3 vergeben. Gemeindeweit vergaben sie die 7,0. Bernd Poethig weiß aus eigener Erfahrung, was zu dieser Bewertung geführt haben könnte. Auf den Busverkehr ist er nicht gut zu sprechen, seit er schlechte Erfahrungen gemacht hat. Er habe am Wochenende aus Dortmund-Asseln nach Hause fahren wollen. „Da stand dann, dass man das 24 Stunden vorher anmelden muss.“ Das stößt bei dem 66-Jährigen auf Unverständnis.

Bürgerbus könnte Abhilfe schaffen

Diese generelle Unzufriedenheit ist auch Frank Markowski bekannt. Die Idee eines Bürgerbusses, der den Busverkehr ergänzen könnte, steht schon länger im Raum. „Dafür muss viel ehrenamtliches Engagement geweckt werden. Herr Schütte (Anmerkung der Redaktion: Ortsvorsteher von Hengsen) und ich wollen uns diesbezüglich noch mal zusammensetzen, den Finger in die Wunde legen und klären, wo es hapert.“

Ein Bürgerbus wäre auch für Bernd Poethig interessant. Der Bus könnte dann bis in die Gemeindemitte fahren und beispielsweise Personen ohne Auto mehr Mobilität ermöglichen. Auch Fahrzeiten am Wochenende hält er für sinnvoll.

Für Fußgänger eine Nebensache, für Menschen mit Rollatoren oder Kinderwagen ein echtes Hindernis: Diese Stelle ließe sich nach Einschätzung des Ortsvorstehers und Anwohner Bernd Poethig barrierefrei gestalten.
Für Fußgänger eine Nebensache, für Menschen mit Rollatoren oder Kinderwagen ein echtes Hindernis: Diese Stelle ließe sich nach Einschätzung des Ortsvorstehers und Anwohner Bernd Poethig barrierefrei gestalten. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Das Thema Verkehr hat in Opherdicke viele Seiten – positive und negative. So bringen sowohl Poethig als auch Markowski die Barrierefreiheit für den Fußgängerverkehr ins Spiel, die an einigen Stellen ausbaufähig sei. Zum Beispiel im Bereich der ehemaligen Sparkasse. Hier führen vier Treppenstufen hinunter zur Hauptstraße. „Wenn man nicht eingeschränkt ist oder Kinder an der Hand hat, fällt einem das gar nicht auf“, weiß Frank Markowski. Er habe die Gemeinde bereits kontaktiert und um schnelle Abhilfe gebeten.

Das ist negativ bewertet worden

Nahversorgung: Besonders schlechte Noten gab es beim Stadtteilcheck für die Nahversorgung. In Opherdicke gibt es weder einen Bäcker noch einen Lebensmittelmarkt. An dieser Situation tragen die Anwohner selbst eine gewisse Schuld, wie Markowski berichtet. Es habe Versuche gegeben, einen Lebensmittelhändler sowie einen Kiosk zu etablieren. „Die haben sich alle nicht tragen können“, erklärt er. Zum Einkaufen fuhren die Opherdicker lieber zu den großen Märkten in die Gemeindemitte oder nach Geisecke. „Ich hoffe inständig, dass durch die Entwicklung der ehemaligen alten Schule wieder Bewegung in die Sache kommt.“

Versorgungsproblem könnte durch Neubau gelöst werden

Das Grundstück, auf dem ehemals der Awo-Kindergarten Sonnenblume zuhause war, ist an die UKBS verkauft worden. Hier sollen seniorengerechte Wohnungen entstehen. In dem Neubau soll es auch Platz für andere Serviceangebote geben. Markowski würde sich freuen, wenn auch ein Bäcker dort seinen Platz finden könnte und ein Ort der Begegnung geschaffen werden könnte.

Bernd Poethig freut das Neubauprojekt noch in anderer Weise. Er kenne Menschen, die versucht hatten, ihr Haus in Opherdicke zu verkaufen und sich zu verkleinern. Das sei in einem bezahlbaren Rahmen aber nicht möglich, berichtet er. Daher sei das seniorengerechte Wohnen vielleicht für einige eine Möglichkeit, in Opherdicke alt zu werden.

Der Stadtteilcheck ist das Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage unserer Redaktion für die Städte und Gemeinden Holzwickede, Unna, Fröndenberg, Kamen und Bergkamen. Eine Übersicht über die Ergebnisse anderer Ortsteile sehen Sie auf www.hellwegeranzeiger.de/stadtteilcheck.

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