Eigentlich sitzt Carsten Gola eher im Büro. Momentan fährt der Unternehmer aber selbst Heizöl-Lieferungen aus. Schuld ist die rasant gestiegene Nachfrage. © Privat
Wirtschaft

Öl-Preis explodiert: „Wird im Winter zu einem Luxus-Produkt“

Jede Nacht fährt Carsten Gola derzeit mit einem Lieferauto raus. Wegen des gestiegenen Ölpreises schiebt der Heizöl-Händler gerade Überstunden – und bekommt auch den Frust von Kunden ab.

Heizöl Gola ist ein Unternehmen, das noch nicht lange in Holzwickede sitzt. Vor etwas mehr als einem Jahr ist Carsten Gola mit seinem Unternehmen in die Emscherquellgemeinde gezogen – und beliefert seitdem von der Rausinger Straße aus seine Kunden mit Heizöl.

Momentan, so erläutert der Unternehmer, machen er und seine Angestellten viele Überstunden. Normalerweise sitzt er eher am Schreibtisch. Aktuell fährt er selbst Touren. Grund ist der gestiegene Ölpreis.

Entscheidend sind dabei zwei Faktoren. Wie Gola erläutert, haben im Sommer viele Menschen die Füße still gehalten und gehofft, dass der Ölpreis bis zum Herbst sinken würde. Erst dann, so die Hoffnung vieler Kunden, könnte man zu einem günstigeren Preis Heizöl kaufen.

Ölpreis explodiert: Lieferanten arbeiten eine Menge Aufträge ab

Aber es kam alles anders. Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) exportierte im Oktober weniger Öl als vorher angenommen worden ist. Der Rest ist simple Marktwirtschaft: Auf ein geringes Angebot stößt eine hohe Nachfrage. Preise explodieren. Lieferanten vor Ort kommen mit den Aufträgen kaum hinterher.

Für Gola bedeutet die Mehrarbeit aber keinen größeren Gewinn. Wie er vorrechnet, ist es bei ihm wie etwa bei Tankstellenbetreibern: „Wir haben dadurch nicht mehr Geld in der Tasche. Man hat ja eine gewisse Spanne. Wenn Preise tagesaktuell hoch gehen und wir vorher eingekauft haben, dann haben wir trotzdem eine gleichbleibende Händlermarge“, erklärt er.

Händler vor Ort machen durch höhere Preise nicht mehr Gewinn

„Wenn ich zum Beispiel für 30 Euro einkaufe und für 32 verkaufen will – und dann der Preis sagen wir mal auf 50 Euro steigt. Dann nehmen wir trotzdem nur 52 und nicht etwa 54 Euro für die gleiche Menge“, rechnet Gola exemplarisch vor, der wegen der hohen Preise durchaus den Frust mancher Kunden zu spüren bekommt.

Händler wie er seien aber immerhin das letzte Glied in der Nahrungskette: Der Ölpreis ist seit Anfang 2021 von 54 Cent pro Liter auf jetzt mehr als 70 Cent gestiegen. „Wir können da leider auch nichts für“, betont Gola. Eine konkrete Prognose für den weiteren Preisverlauf will er nicht wagen. Aber eines steht für ihn fest: Heizöl wird in diesem Winter ein Luxus-Produkt sein. Auch wenn die Versorgungslage seinen Angaben zufolge insgesamt gewährleistet ist – und also keiner frieren muss, der sich den Heizölpreis leisten kann oder will.

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski

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