Als zarte Pflänzchen sprießen Eichen auch im Sand eines Spielplatzes vor Ort – auch ein Kritikpunkt der Anwohner. Die viel älteren und um ein Vielfaches größeren Artgenossen samt ihrer Nussfrüchte sind für sie aber die eigentlichen Störenfriede. © Udo Hennes
Düsseldorfer Weg

Nuss nicht geknackt: Weiter keine Lösung im Zwist um fallende Eicheln

Seit Monaten ringen alle Beteiligten um eine Lösung, wie mit fallenden Eicheln am Düsseldorfer Weg umzugehen ist. Das Problem soll nun eine Anwohner-Befragung lösen – es ist nicht die erste.

Die Trockenperioden der vergangenen Jahre stressen die hiesigen Bäume. Bildlich ausgedrückt fürchten etwa Eichen, dass durch den Wassermangel ihre letzte Stunde schlägt. Das führt dazu, dass die Bäume enorm viele Samen ausbilden. Der vergangene Herbst war schon der dritte in Folge, in dem viele Eichen der Region unter Vollmast standen, also enorm viele Eicheln gen Boden schickten.

Masse an Eicheln überfordert Anwohner

Straßenreinigung

Satzung regelt Pflichten der Bürger

  • Rund 230 Einträge einzelner Straßen und Plätze umfasst die gemeindliche Straßenreinigungssatzung.
  • Straßen sind hierbei in die Kategorien Anlieger-, Haupterschließungs- und Hauptverkehrsstraßen eingeordnet und werden per se in zwei Reinigungsklassen unterteilt.
  • Entweder die Gemeinde reinigt einmal wöchentlich gegen Gebühr einen ausgewiesenen Abschnitt oder die Anlieger sind selbst verantwortlich. Letzteres betrifft rund 100 Straßen.
  • Wie und wann etwa auch im Winter Schnee geräumt werden muss und weitere Sonderregelungen stehen ebenfalls in der Satzung.
  • Der Düsseldorfer Weg fällt derzeit komplett in die Anliegerreinigung. Würde die Gemeinde die Reinigung übernehmen, müsste sich ein Anlieger, der beispielweise 25 Meter Grundstück mit der Straße teilt, auf eine jährliche Reinigungsgebühr von 40,25 Euro einstellen.

Für einen Teil der Anwohner am Düsseldorfer Weg ist diese Stressreaktion im vergangenen Jahr unzumutbar geworden. Knapp 30 Holzwickeder liegen im westlichen Teil des Düsseldorfer Weges im Einzugsgebiet der über Jahrzehnte großgewachsenen Bäume. Gut zwei Drittel von ihnen stellten zu Jahresbeginn einen Antrag, den kompletten und rund 300 Meter langen Düsseldorfer Weg in der Straßenreinigungssatzung der Gemeinde als öffentlich zu reinigende Straße aufzunehmen.

Das hätte zur Folge, dass die Gemeinde einmal wöchentlich die Straße reinigt, die Anlieger im Gegenzug eine jährliche Gebühr entrichten. Daraufhin fragte die Verwaltung diejenigen Anwohner der Straße per Postkarte ab, die den Bürgerantrag nicht unterzeichnet hatten, wer für eine entsprechende Änderung ist. Eine knappe Mehrheit der „Düsseldorfer“ wollte letztlich weiterhin seinen Straßenbereich in Eigenregie säubern und keine Gebühr zahlen.

Von einer Bürgerbefragung zur nächsten

Die politische Debatte über die Problematik führte im März dazu, dass die Verwaltung einen Vorschlag der Bürgermeisterin rechtlich prüfen ließ: Während der Abwurfzeiten sollte der Baubetriebshof zeitlich begrenzt bis zu zweimal wöchentlich den betroffenen Bereich von den Nussfrüchten befreien, dafür würden im Gegenzug je 50 Euro an Sondergebühr pro Anlieger angesetzt.

Auch hierüber folgte wieder eine Befragung, dieses Mal aber nur unter den betroffenen Anliegern. Eine knappe Mehrheit lehnte den Vorschlag ab. Warum, wurde am Montagabend im Umweltausschuss deutlich, als Anwohner Patrick Keiser das Wort ergriff. Demnach sei die Gebühr für die vergleichsweise kurze Reinigungsperiode aufs Jahr gerechnet ungerechtfertigt.

Bei einem Gespräch tauschte sich Bürgermeisterin Ulrike Drossel (BBL) am Mittwoch mit verärgerten Anwohnern des Düsseldorfer Wegs aus. Dort gibt es Ärger um gemeindeeigene Bäume, deren Eicheln auf den privaten Grundstücken landen. © Carlo Czichowski © Carlo Czichowski

Wäre es nach der Verwaltung gegangen, wäre das Thema Eicheln am Düsseldorfer Weg am Montagabend ad acta gelegt worden, weil die entsprechenden Befragungen eine andere Lösung nicht legitimierten. Insbesondere CDU-Fraktionschef Frank Markowski kritisierte aber eben jene Postkarten-Abfragen. Dass ein Großteil der Straße gegen eine Änderung der Reinigungssatzung votieren würde, weil sie das Problem nicht betrifft, sei erwartbar gewesen.

Düsseldorfer Weg

Weiterer Bürger-Antrag abgelehnt

  • In einem weiteren Antrag forderten Anwohner unter anderen Punkten, dass die Eichen im Westteil des Düsseldorfer Weges nicht nur straßen- sondern auch grundstücksseitig professionell zurückgeschnitten werden.
  • Da manche Exemplare zudem mit ihren Wurzeln Pflaster anheben und Einfassungen tangieren würden, strebte der Antrag im Einzelfall auch Fällungen an.
  • Mit neun zu fünf Stimmen folgte hier der Ausschuss den Erläuterungen der Verwaltung, die Maßnahmen abzulehnen. Lediglich die CDU und kurioserweise zwei von drei Grünen im Ausschuss stimmten für den Bürgerantrag (bei einer grünen Enthaltung).

Letztlich erreichte er eine Beratungspause, damit die sechs Fraktionen jeweils intern über einen spontanen Beschlussvorschlag abstimmen konnten: Nämlich nochmals eine Befragung der Anwohner über eine geänderte Straßenreinigungssatzung. Dieses Mal aber nur für den Teil der Straße, der von den Eicheln tangiert wird.

Der Vorschlag fand letztlich 14 Ja-Stimmen. Nur die Vertreterin der FDP votierte dagegen. Für die Verwaltung heißt das nun: Neue Postkarten erstellen und nur die vom Eichel-Abwurf betroffenen Adressen am Düsseldorfer Weg fragen, ob die Bürger künftig eine öffentliche Straßenreinigung ganzjährig gegen Gebühr befürworten.

Die Eicheln werden im Herbst wieder Thema

Wobei der Erste Beigeordnete Bernd Kasischke auch klarmachte, dass die Satzung sich grundsätzlich auf die Straßen konzentriert und Gehwege weiter in der Verantwortung der Bürger liegen. Im Gespräch mit dieser Redaktion verwies er zudem darauf: „Die Ferienzeit steht an und wenn wir jedem Gelegenheit zur Antwort geben wollen, wird das Zeit brauchen. Ein Ergebnis wird bis zu den Sommerferien nicht da sein.“ Er geht davon aus, dass die Nuss-Problematik am Düsseldorfer Weg im September wieder auf die Tagesordnung kommt. Pünktlich zur Eichel-Zeit.

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis

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