Zwar quellt die Emscher in Holzwickede, doch fließt sie aktuell nur spärlich bis gar nicht durch die Emscherquellgemeinde. Schuld daran ist auch aber nicht nur die andauernde Trockenperiode.

Holzwickede

, 24.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Emscherpark sucht sich das Wasser seinen Weg durch das gefallen Blattwerk der Bäume noch. Einige Hundert Meter weiter auf Höhe von Netto-Supermarkt und der Rossmann-Drogerie verbirgt sich unter dem Laub noch feuchter und sumpfiger Boden. Entlang der Bahngleise ist das renaturierte Flussbett bereits trocken und auch auf Höhe der Schäferkampstraße wird der Emscherradweg in Richtung Sölde derzeit von einer ausgetrockneten Emscher begleitet.

Der Pegel der Emscher ist aufgrund ausbleibender Niederschläge allgemein sehr niedrig. Selbst kurz vor dem Phoenixsee beträgt der Pegelstand laut Emschergenossenschaft aktuell nur 13 Zentimeter. „Das ist fast gar nichts“, sagt Genossenschaftssprecher Ilias Abawi. Auch danach sieht es nicht besser aus: In Dortmund-Dorstfeld beträgt der Wasserstand momentan nur zwölf Zentimeter. „Die Emscher führt derzeit allgemein wenig Wasser. In Dortmund-Mengede liegen wir aktuell bei 93 Zentimetern. Der reguläre Wasserstand liegt bei 1,31 Metern. Selbst bei Trockenwetter beträgt der durchschnittliche Pegel hier bei 1,01 Metern. Da sind wir also deutlich drunter“, sagt Abawi.

Nicht nur der fehlende Regen ist schuld am Wassermangel in der Emscher

Am Bahndamm teilt sich die Emscher: Unter den Gleisen liegt die alte Trasse unterirdisch. Der renaturierte Flusslauf folgt links entlang der Bahngleise. Hier versickert das Wasser immer wieder. Die Emschergenossenschaft vermutet Drainageleitungen der Bahn dahinter. © Greis

In Holzwickede spielt zumindest auf dem renaturierten Abschnitt zwischen Bahndamm und der Kleingartenanlage „Aschenpatt“ nicht nur die Trockenperiode beim niedrigen Wasserstand eine Rolle. Anfang des Jahrzehnts wurde im Zuge des Großprojekts zur Renaturierung der Emscher von der Quelle in Holzwickede bis zur Mündung in den Rhein bei Dinslaken auch der obere Verlauf des Flusses angepasst. Seitdem soll die Emscher eigentlich südlich der Bahngleise gen Westen fließen. Das Wasser versickerte aber. Ein Loch neben der Bahnstrecke machte die Emschergenossenschaft im Jahr 2014 dafür verantwortlich, dass in der Folge verfüllt und abgedichtet wurde. Zwei Jahre später wurde die Emscher dennoch wieder ins alte Bett gelegt, dass unter den Bahnschienen bis zum Ende der Carolinenallee und dann in ein Regenrückhaltebecken führt.

Damals wie heute: Die Emschergenosseschaft vermutet, dass Drainageleitungen der Deutschen Bahn dafür sorgen, dass das Wasser versickert. Die seien zwar zum Teil verfüllt, „aber wir müssen untersuchen, ob noch Rohre liegen, die nicht verdichtet wurden“, sagt Abawi. Aktuell würde man die Emscher wieder ins alte Flussbett legen, damit das Wasser fließen kann. Dafür wird ein Schieber am Eingang zur renaturierten Trasse geschlossen. Das Wasser fließt dann gen Norden unter den Bahnschienen entlang, macht dann einen Knick gen Westen und läuft in eine Regenrückhaltebecken. Aktuell ist der Schieber jedoch geöffnet: Das Flussbett ist an der Stelle ausgetrocknet.

„Die Quelle hat einen vergleichsweise schwachen Zulauf. Auf den ersten Kilometern ist die Emscher eher ein Bach, der sich auf seinem Weg auch aus Niederschlag und Grundwasser speist“, erklärt Abawi. Bleibt der Regen aus, sinkt auf Dauer natürlich auch der Grundwasserspiegel. Da die Emscher in dem Bereich nicht der fischreichste Fluss sei, käme die Fauna mit der Trockenheit zurecht. „Kleine Fische wie die Emschergroppe haben damit kein Problem, suchen sich nasse Abschnitte oder Pfützen“, sagt Abawi. Auch die Flora würde die Trockenphase überstehen.

Nicht nur der fehlende Regen ist schuld am Wassermangel in der Emscher

Das renaturierte Flussbett entlang der Bahngleise ist komplett trocken. © Greis

Immer wieder kämen auch Anfragen, dass die Flussbetten zuwuchern würden. Das sei aber ein bewusster Schritt: „In den ersten sieben, acht Jahren nach der Renaturierung verfahren wir nach dem Prinzip der Sukzession“, sagt der Genossenschaftssprecher. Sukzession meint, dass die Natur sich selbst überlassen wird. „So siedeln sich erst Pionierpflanzen an und dann setzt sich durch, was am stärksten ist“, so Abawi. So würden auch Bäume besser wachsen, die Schatten spenden und das Flussbett vor praller Sonne schützen. Zu viel Sonne würde wiederum den Algenwuchs begünstigen. Erst wenn die Vegetation ihren Endzustand erreiche, beginne man mit pflegenden Maßnahmen. Dafür ist bei der Emschergenossenschaft der Fachbereich Betrieb zuständig, der die Gewässer im Blick hat.

Maßnahmen gegen die trockene Emscher im Holzwickeder Raum kann die Genossenschaft nicht ergreifen: „Wir können da nirgends Wasser einleiten, um das Flussbett zu füllen“, sagt Abawi. Helfen würde nur eine andauernde Regenperiode, die aber auch problematisch sein kann: „Die Böden sind trocken, dazu kommt die Kälte. Viel Regen auf einmal kann dann nicht abfließen. Wir sehen uns aber mit unseren Stau- und Regenrückhaltebecken hier gut aufgestellt“, sagt Abawi. In Dortmund-Mengede, wo der Pegel unter einem Meter liegt, gilt Hochwasser ab: 3,77 Metern.

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