Nicht alle Kritiker über einen Kamm scheren

dzKommentar zur Kita-Diskussion

Die Bürgermeisterin steht für den Platz von Louviers als Kita-Standort. Fundierte Kritik und Schnellschüsse in sozialen Netzwerken warf sie zuletzt vorschnell in einen Topf. Ein Kommentar.

Holzwickede

, 10.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bürgermeisterin Ulrike Drossel hatte in der Vorwoche am Tag der Deutschen Einheit beim Jahresempfang den Umgang mit dem Kita-Thema in den sozialen Netzwerken kritisiert. Nach Aufhebung des Ratsbeschlusses im Juli, die zum aktuellen Wechselspiel zwischen Emscherpark und Platz von Louviers als Standort führte, habe eine öffentliche Diskussion begonnen, „die eine riesige Welle in Facebook-Gruppen nach sich zog“.

Was erwarten Politik und Verwaltung von den Bürgern, die in den sozialen Netzwerken aktiv sind, wenn ein Beschluss gekippt und durch einen neuen ersetzt wird, der sich schlussendlich als nicht umsetzbar erweist – sodass man im Grunde wieder auf den ursprünglichen Beschluss zurückgreift?

Der Ton macht die Musik

Natürlich macht mancher von der Möglichkeit Gebrauch, seinen Unmut über die Situation auf die einfachste Art und Weise kundzutun: Über ein paar schnell getippte Zeilen auf Facebook. Natürlich liegt die Bürgermeisterin richtig, wenn sie beim Jahresempfang von „Polemik“ und „angeheizter Stimmung“ spricht, die manch ein Kommentator schürt. Der Ton macht die Musik und in den sozialen Netzwerken wird aus Musik viel zu oft ein unsäglicher Krach, weil sich kaum jemand einen Moment nimmt, um sich selbst eine einfache Frage zu beantworten: Würde ich dem Adressaten meines Unmuts das so auch direkt ins Gesicht sagen?

Nun muss sich die Bürgermeisterin aber einen Vorwurf gefallen lassen: Sie differenziert nicht. Kommentare auf Facebook, die man übrigens auch ihrem Mann vorwerfen kann, und das Bemühen von Bürgern, eine Kita auf dem Platz von Louviers zu verhindern, werden in einen Topf geworfen und als unsachlich abgetan. Man muss mit den Familien Gerlings und Kleinjohann nicht einer Meinung sein, aber man muss respektieren, dass sie ihre Möglichkeiten – aus welchen Gründen auch immer – ausloten, um einen Kindergarten vor der Haustüre zu verhindern. Dazu gehört auch das Recht, Alternativen vorzuschlagen und eine mögliche Klage anzukündigen – was übrigens Nachrichtenwert hat und eine Berichterstattung unsererseits legitimiert.

Es ist auch Recht und Pflicht der Bürgermeisterin, dazu Stellung zu nehmen, zu begründen, warum die genannten Vorschläge nicht umsetzbar sind. Unsachlich sind sie deswegen aber nicht. Unsachlich ist es hingegen, sich in der Stellungnahme auf ein „aufwändiges, teures und im Gesamtverfahren bis zu einem Jahr dauerndes Umweltgutachten“ im Falle eines alternativen Standortes im Park zu beziehen, das für die nun vorgeschlagene Baufläche gar nicht nötig ist.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Pflaster auf der Allee

Gestürzte Postbotin: Gemeinde vertraut auf die Einschätzung des eigenen Rechtsbeistandes

Hellweger Anzeiger Arbeiten verzögern sich

Baustopp auf der Landskroner Straße in Holzwickede – Wasserleitung wird erneuert

Hellweger Anzeiger Umweltausschuss

Wegen angeblicher Störung des Handy-Funks: O2 will Bäume der Gemeinde fällen lassen

Meistgelesen