Soll die Nordschule einen neuen Namen bekommen? Darüber hat die Gemeindeverwaltung eine Debatte angestoßen, die viele Holzwickeder und Holzwickederinnen nicht kaltlässt. © Marcel Drawe
Schulen in Holzwickede

Neuer Name für Nordschule? Bürgermeisterin begrüßt „emotionale Reaktionen“

Die Gemeindeverwaltung hat im vergangenen Schulausschuss den Namen der Nordschule zur Debatte gestellt. Das sorgte für entsprechende Reaktionen in der Gemeinde. Ein Umstand, den die Bürgermeisterin begrüßt.

Noch steht nicht mehr als die Idee, der im Jahre 1890 gegründeten Nordschule einen neuen Namen zu geben. Aber schon das hat gereicht, um zahlreiche Reaktionen aus der Bürgerschaft hervorzurufen. Kein Wunder: Wie der Name andeutet, verbinden mit der nördlichsten Bildungseinrichtung in der Gemeinde viele Holzwickeder ihre Kindheitserinnerungen.

Nachdem von den politischen Ratsfraktionen zuletzt im Schulausschuss zunächst ein Meinungsbild abgefragt wurde und sich hier lediglich die CDU vorab deutlich einer möglichen Namensänderung verwehrte, sind die Reaktionen aus der Bürgerschaft mitunter recht eindeutig und verweisen auf die Tradition hinter dem Namen der Schule.

Eine Namensänderung allein würde demnach auch nicht dazu führen, dass Anmeldezahlen steigen. Die lagen in den vergangenen Jahren stets hinter den anderen drei Grundschulen – obschon die Unterschiede etwa zur Aloysiusschule in den Zahlen mitunter marginal waren.

Ursachen für Anmeldezahlen nicht beim Namen suchen

In den Meinungen der Leser sei der Grund dafür schon eher in der einst verpassten Chance zu suchen, nördlich der Bahnschienen eine Kindertagesstätte zu bauen, um Eltern samt Kinder örtlich zu binden. Dass ein Bauprojekt an der Rausinger Halle einst scheiterte und die entsprechende Kita nun am Emscherpark steht, in Rausingen eine Container-Einrichtung nur Lösung auf Zeit ist – weithin bekannt.

Das Gründungsjahr der Schule fällt natürlich hinein in die Zeit des großen industriellen Umbruchs, der auf Jahrzehnte auch Holzwickede prägte und aus einzelnen Bauernschaften einen vom Bergbau und der Metallverarbeitung geprägten Ort erwachsen ließ – mit entsprechenden Siedlungen für die Arbeiter vor allem nördlich der Bahngleise.

Als reines „Arbeiterviertel“ darf man den Norden heute wohl nicht mehr betrachten und liegt hier möglicherweise auch die Intention der Verwaltung, eine Diskussion um die Namensgebung anzustoßen. „Ich freue mich darüber, auch über die emotionalen Reaktionen. Der Fokus liegt dadurch auf der Schule, die wie alle anderen Schulen im Ort sehr gut arbeitet. Das steht ja außer Frage“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Drossel.

So grün kann Holzwickede aus der Luft wirken, dass man die Nordschule schon genau suchen muss. Als reines Arbeiterviertel, aus dem auch die Grundschule einst hervorging, ist der Ortsteil nicht mehr zu sehen. Daher stellt sich die Frage, ob der Name dem Image der Schule heute noch zuträglich ist. © www.blossey.eu © www.blossey.eu

Ob der Name aber noch zur Nordschule passt, wo die Gemeinde sich auch im Norden in jüngster Vergangenheit gewandelt hat, das dürfe man zumindest diskutieren. Schließlich ist etwa vom Bergbau nur noch der Name „Neue Caroline“ für das Wohngebiet nördlich der Gleise geblieben und verbindet viele Bewohner hier wenig mit Kohle und Stahl. „Natürlich, für die Alteingesessenen hängt an dem Namen viel Herzblut. Aber für viele Neubürger kommt er möglicherweise zu abstrakt daher“, sagt Drossel.

Bürgermeisterin bringt Friedrich Stehfen als Namenspatron ins Spiel

Ein Namenspatron, der auch das pädagogische Programm der Schule unterstreichen könne, wäre daher eine Idee. Die ersten Vorschläge, die dazu gemacht wurden, seien keinesfalls bindend und weitere Ideen willkommen. „Auch der Name Stehfen wäre diesbezüglich eine Idee“, so Drossel. Friedrich Stehfen gründete Mitte des 19. Jahrhunderts das Hellweger Erziehungshaus im Ort, an das heute noch die Rausinger Halle als einstiges Turngebäude erinnert, sowie später eine Ausbildungsstätte für Volksschullehrer.

„Die Diskussion um den Namen ist es wert, geführt zu werden“, sagt die Bürgermeisterin und werde man auch in die Schule zu Leitung und Elternschaft tragen. „Sicherlich wird dann letztlich ein politischer Beschluss fallen müssen. Und wenn unter den Vorschlägen auch Nordschule steht und es dafür eine Mehrheit gibt, dann ist das so.“

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis

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