In Norwegen findet Ende August die wichtigste Messe Europas im Offshore-Bereich statt. Dann wird Jens Sengotta für Montanhydraulik vor Ort sein. Im Interview erklären er und sein Chef Ralf Becker, wie wichtig das ist.

Holzwickede

, 02.08.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Offshore Northern Seas (ONS, 27. bis 30. August) im norwegischen Stavanger findet alle zwei Jahre statt und gilt für Europa als wichtigste Messe im Bereich Offshore, also für Anlagen, die sich auf offener See befinden. Darunter fallen beispielsweise Bohrinseln oder Windparks. Auch die Montanhydraulik GmbH ist in dieser Sparte aktiv, entwickelt neben Zylindern für Hubplattformen, Bohr- und Konstruktionsschiffe auch die entsprechenden Steuerungssysteme und Software. Im Interview erläutern Ralf Becker, Vorsitzender der Geschäftsführung und Vertriebsmanager Jens Sengotta, warum die Präsenz auf Messen so wichtig ist.

Herr Becker, Herr Sengotta, warum ist eine Messe wie die ONS in Stavanger, die sich auf eine Sparte konzentriert, für die Geschäfte von Montanhydraulik von Bedeutung?

Becker: Wir haben grundsätzlich vor fünf Jahren die Entscheidung getroffen, dass wir uns auf Spezialmessen konzentrieren, die in unser Portfolio passen. Die Anzahl an Kunden in diesen Bereichen ist überschaubar. Deshalb ist es wichtig, vor Ort Präsenz zu zeigen. Es gibt uns die Möglichkeit innerhalb kurzer Zeit, intensiv zu netzwerken und uns über Marktentwicklungen und Neuigkeiten auszutauschen.

Sengotta: Die Messe gibt es seit 40 Jahren und ist mittlerweile ein regelmäßiger Termin für uns. Für Baumaschinen ist dann wiederum die Bauma in München die wichtigste Messe. In anderen Bereichen konzentrieren wir uns auf spezielle Messekongresse weltweit.

„Neue Lieferziele sichern die Standorte in Deutschland“

2016 fand die ONS zuletzt statt. Damals waren in Stavanger mehr als 1200 Aussteller aus über 40 Ländern zugegen. © ONS/Norheim

Werden Verträge direkt vor Ort ausgehandelt?

Sengotta: Früher war das so. Da wurde mit dem Kunden im Vorfeld alles vereinbart und auf der Messe wurde der Vertrag offiziell zum Abschluss gebracht. Heute treffen wir unser bestehendes Kundenpotenzial und knüpfen neue Kontakte.

Becker: Im Nachgang wird ein detailierter Messebericht angefertigt, ausgewertet und dann laden wir vielversprechende Kunden ein. Für uns ist es immer gut, wenn Geschäftspartner zu uns kommen, um sich von unseren Fertigungsmöglichkeiten zu überzeugen.

Wie hoch ist der Druck durch Mitbewerber im Offshore-Bereich?

Becker: Es gibt fünf größere Mitbewerber. Davon sind zwei, drei viel länger in dem Geschäftsfeld unterwegs als wir. Aber wir nähern uns hier der Augenhöhe. Wir haben Potenzial.

Sengotta: Das liegt an unseren Fertigungsmöglichkeiten in dem Bereich. Wir können über die Werke in Hamm und Gelsenkirchen große Kapazitäten abdecken und für Großprojekte entsprechende Stückzahlen an Zylindern produzieren.

Welche Anforderungen an Technik und Material stellt die offene See?

Sengotta: Die Zylinder kommen in verschiedenen Bereichen zum Einsatz, müssen auf Bohrschiffen oder auf großen Kränen beispielsweise die Wellenbewegungen auf verschiedenen Ebenen ausgleichen. Wir haben beispielsweise einen Kunden, der demnächst einen 800-Tonnen-Kran auf einem Schiff installieren wird. Da sind unsere Zylinder dann im Einsatz. Die Offshore-Anforderungen beziehen sich im Grunde auf drei Zonen: Direktkontakt mit Wasser, Feuchtbereich und auch im oberen Bereich der Schiffe ist Korrosionsbeständigkeit wichtig. Es gibt spezielle Anforderungen an die Lackierung der Zylinder, an die Kolbenstangen oder an die zu verwendenden Materialien.

Mit den diversen Tochterunternehmen ist Montanhydraulik an zwölf Standorten weltweit vertreten. Wo werden die Zylinder für den Offshore-Bereich produziert?

Becker: Reine Offshore-Anwendungen werden in Deutschland und Italien produziert. Die großen Produktionen finden aber hierzulande statt, weil hier die großen Anlagen stehen. Das ist ein Benefit für den Absatz in Nordamerika. Das weltweite Operieren konnte durch die Übernahme der Hyco-Gesellschaften in den USA und Kanada weiter vertieft werden. Dadurch sind wir nah an den Endkunden, denn das zweite Zentrum aller Offshore-Aktivitäten liegt, neben Norwegen, in Houston, Texas. Das bietet uns neue Lieferziele und sichert wiederum die Standorte in Deutschland.

Wo werden die Zylinder getestet?

Becker: Dafür haben wir hier in Holzwickede einen speziellen Prüfstand, der uns ermöglicht, die Zylinder senkrecht aufzustellen, auszufahren und zu messen, ob der Zylinder sich so verhält, wie der Kunde das verlangt. Dafür wird dann das Hallendach entsprechend geöffnet.

Welche Höhen muss man sich dabei vorstellen?

Sengotta: Der längste Zylinder für den Offshore-Bereich, den wir je gebaut haben, hatte einen Hub von 21 Metern, eine Gesamtlänge von 23,5 Metern und ein Gewicht von 38 Tonnen.

„Neue Lieferziele sichern die Standorte in Deutschland“

Vertriebsmanager Jens Sengotta (l.) vertritt Montanhydraulik in Norwegen. Ralf Becker, Vorsitzender der Geschäftsführung der Montanhydraulik GmbH sieht das Unternehmen im Bereich Offshore fast auf Augenhöhe mit den stärksten Mitbewerbern. © Montanhydraulik

Welchen Anteil am Gesamtumsatz hat der Offshore-Bereich?

Becker: Der liegt momentan bei zwei Prozent. Was daran liegt, dass der Markt vor drei Jahren durch den Verfall des Ölpreises in die Knie gegangen ist. Wir gehen davon aus, dass der Markt 2019/20 zurückkommt und für uns dann fünf Prozent vom Gesamtumsatz einnimmt.

Worin liegt das größte Geschäftsfeld und von welchem Gesamtumsatz für das laufende Jahr darf Montanhydraulik ausgehen?

Becker: Das größte Geschäftsfeld liegt im Mobilkranbau. Wir gehen von einem Umsatz um die 250 Millionen Euro aus.

Bezogen auf die Aktivitäten in Nordamerika und die von Präsident Trump angestoßenen Zölle: Wie wirkt sich das für Sie aus?

Becker: Die Produktpalette im Allgemeinen wird teurer.

Herr Sengotta, Sie vertreten mit einem Kollegen Montanhydraulik in Norwegen. Auf der ONS wird unter anderen auch König Haakon sprechen. Haben Sie Zeit für einzelne Vorträge oder ist man vor Ort permanent am Stand beschäftigt?

Sengotta (lacht): Wir fahren nicht zum Urlaub dahin, aber klar: Wenn gerade keine Stoßzeit ist, dann darf sich einer von uns beiden auch mal umschauen, Kontakte knüpfen und sicherlich auch den einen oder anderen interessanten Vortrag mitnehmen.

Die Montanhydraulik GmbH wurde 1952 in Holzwickede gegründet. Zum Unternehmen gehören heute diverse Tochterunternehmen. Montanhydraulik ist vor allem für die Produktion von Zylindern bekannt, die in Baumaschinen, Kränen, im On- und Offshorebereich, in Staudämmen und vielen weiteren Industriezweigen zum Einsatz kommen. Rund 1200 Beschäftigte weltweit erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von gut 250 Millionen Euro.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Treffpunkt Villa
Workshop für Produkte zum Selbermachen: Umweltschutz ist eine Frage der Haltung
Hellweger Anzeiger Bezahlbarer Wohnraum
Flüchtlingshäuser an der Bahnhofstraße abreißen – dafür mehr zentrumsnahe Wohnungen
Hellweger Anzeiger Happy End für die Liebe
Die erste Hochzeit in der Freien Evangelischen Gemeinde ist eine ganz besondere
Hellweger Anzeiger Tag der offenen Tür
Josef-Reding-Schüler gehen ausnahmsweise auch an einem Samstag gerne zur Schule