Im Haus Opherdicke hängen Tragik und Glück manchmal dicht nebeneinander. Sonntag startet die neue Ausstellung „Nach Norden“ und porträtiert das Leben von 14 deutschen Künstlern.

Holzwickede

, 06.03.2020, 14:44 Uhr / Lesedauer: 3 min

Landschaften am Wasser, Boote, die darauf dümpeln oder an Land auf ihren Einsatz warten. Daneben Schwedenzäune, Ausschnitte aus dem täglichen Leben und Porträts, in deren Gesichtern man lesen kann, dass ihre Menschen schon viel erlebt haben. Unter anderem eine Flucht aus ihrer Heimat. Denn das Thema der neuen Ausstellung im Haus Opherdicke lautet „Nach Norden“ und beschäftigt sich mit deutschen Künstlern, die nach Skandinavien ins Exil geflohen sind.

Eintrittspreise

Ausstellung „Nach Norden“

Das Museum auf Haus Opherdicke ist dienstags bis sonntags von 10.30 bis 17.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene 4, ermäßigt 3 Euro.

Die Stile sind dabei so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Mal schlicht auf wenige aussagekräftige Striche beschränkt, mal bis ins kleine Detail gearbeitet. Tuschezeichnungen, Aquarelle und Leinwände teilen sich die Wände.

Lebenswerke von 14 Künstlern ausgestellt

Bilder von insgesamt vierzehn Künstlerinnen und Künstlern hängen hier. Die meisten von ihnen sind in der Zeit des Nationalsozialismus in Schweden gelandet, viele mussten flüchten, weil sie Juden waren.

Angereichert werden die Bilder durch Fotos und Chroniken der Künstler. „Wir haben alle Vitrinen, die wir hatten, bestückt“, erzählt Sally Müller, Kuratorin der Ausstellung, und lacht. Auch neue Wände gibt es derweil im Haus Opherdicke, damit noch mehr Bilder aufgehängt werden können.

Der deutsche Künstler Eric Johannson mit seinem Bild "Uti min hage III Täby".

Der deutsche Künstler Eric Johannson mit seinem Bild "Uti min hage III Täby". © Thomas Kersten

Haus Opherdicke möchte sich mit dieser Ausstellung etwas mehr vom Schulklassenprogramm lösen, wie Stefanie Kettler erzählt, Leiterin des Kulturbereichs. Dafür soll diese Ausstellung mehr auf Erwachsene und Senioren zugeschnitten sein, auch wenn die anderen Altersschichten dabei nicht zu kurz kommen sollen.

Unbekannte Künstler aus der Versenkung holen

Für die offizielle Ausstellungseröffnung am Sonntag „kratzen wir an den 400 Gästen“, sagt Arne Reimann, ebenfalls Kurator der Ausstellung. Zu den Künstlern und ihren Geschichten gibt es viel zu erzählen, doch Reimann verspricht: „Keine Angst, wir werden uns am Sonntag kurz halten.“

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Viele der Werke stammen aus der Sammlung von Thomas Schumann, sind jedoch von Haus Opherdicke mit zusätzlichem Material noch angereichert worden, sodass es zu einer „größer angelegten Gruppenausstellung“ wurde, wie Müller es formuliert.

Es sind vorrangig unbekannte Künstler, die hier wieder „aus der Versenkung geholt werden“, wie die Kuratoren es formulieren. Namen wie Hugo Steiner-Prag, Lotte Laserstein, Bruno Krauskopf, Paul Wieghardt oder Otto Ehrich sind in der deutschen Kunst eher unbekannt, auch wenn Laserstein in den vergangenen zehn Jahren wiederentdeckt wurde und sich größer werdender Beliebtheit erfreut.

Ein namenloses Werk vom deutschen Künstler Hugo Steiner-Prag aus dem Jahr 1939, das derzeit im Haus Opherdicke zu sehen ist.

Ein namenloses Werk vom deutschen Künstler Hugo Steiner-Prag aus dem Jahr 1939, das derzeit im Haus Opherdicke zu sehen ist. © Thomas Kersten

Viele tragische Geschichten, aber auch ein Happy End

Was sich bereits auf den Bildern abzeichnet, bekommt durch die Erzählungen der Kuratoren noch weiter an Tiefe. Viele der Künstler, die im Haus Opherdicke ausgestellt werden, haben keine einfache Zeit hinter sich. Die Kuratoren holen die Themen Rassismus, Flucht und Exil in die heutige Zeit, in der das alles noch immer aktuell ist, wie Reimann erklärt. Mit dabei steht die Frage: „Was gibt die Region den Künstlern zurück?“

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Viele der ausgestellten Künstler haben „eine Abfolge von Tragödien“, hinter sich, wie Schumann erklärt. Auch wenn es immer Ausnahmen gibt, wie das Schicksal Helga Leiser-Fejne zeigt. Die Künstlerin verliebte sich in einen Schweden, gründete eine Familie und konnte Zeit ihres Lebens Malen.

Hans Tombrock: Ärmliches Leben bis zum Tod

Anders verlief die Geschichte von Hans Tombrock: Der gebürtige Dortmunder war ein Vagabund. Es folgte etwas, was Reimann als eine „Irrfahrt durch Europa“ beschreibt, bevor Tombrock schlussendlich in Schweden landete und dort unter anderem auch Berthold Brecht kennenlernte. Für die schwedische und deutsche Presse schrieb er Texte, erzählte immer wieder von seiner Freundschaft mit Brecht und führte doch bis zu seinem Tod ein eher ärmliches Leben.

Vom Fritz-Hüser-Institut hat das Haus Opherdicke Zeitungsausschnitte, Fotos und auch wie hier zu sehen Notizbücher von Hans Tombrock geliehen bekommen.

Vom Fritz-Hüser-Institut hat das Haus Opherdicke Zeitungsausschnitte, Fotos und auch wie hier zu sehen Notizbücher von Hans Tombrock geliehen bekommen. © Lisa Dröttboom

Vom Fritz-Hüser-Institut in Dortmund hat Haus Opherdicke hier einige archivarische Aufzeichnungen geliehen bekommen, die sie in den Vitrinen ausstellen können. Zeichnungen, Notizbücher, Zeitungsausschnitte - auf deutsch wie auf schwedisch -, aber auch Fotos, die mehr über Tombrock erzählen, als es seine Bilder alleine können.

Ausstellung läuft bis zum 9. August

Postkarten in jedem Raum halten dabei für die Besucher eine minimierte Biografie der Künstler bereit. Sie zeigen zudem auch die Wege, denen die Künstler in ihrem Leben gefolgt sind, in welche Länder sie gereist und wo sie schlussendlich geblieben sind. Damit hält das Museum auch dieses Mal an den beliebten Postkarten fest.

Die Ausstellung „Nach Norden“ wird vom 8. März bis zum 9. August 2020 im Museum Haus Opherdicke zu sehen sein. Die Eröffnung ist am Sonntag, 8. März, um 11.30 Uhr in der Scheune. Danach wird es regelmäßig Mittwochsführungen geben, in denen sich unter anderem nur einem Künstler gewidmet wird, oder Sonntagsführungen mit skandinavischer Kaffeetafel, wie Reimann verspricht.

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