Was der Naturschutzbund zum Agrar-Ärger sagt

dzVerständnis für Landwirte

Oftmals sind Naturschützer Gegner der Landwirte. Zu unterschiedlich scheinen die jeweiligen Ansichten. Für die aktuellen Proteste der Bauern zeigt Jörn Raffel vom Nabu Holzwickede aber Verständnis.

Holzwickede

, 25.10.2019, 13:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Naturschützer und Landwirte kämpfen normalerweise an zwei unterschiedlichen Fronten: Die einen engagieren sich für das Wohl von Umwelt und Tieren, die anderen wollen Gewinn erzielen, auch wenn Natur und Tiere darunter leiden. Jörn Raffel, Ortsleiter vom Naturschutzbund (Nabu) Holzwickede zeigt aber Verständnis für das aktuelle Begehren der Landwirte. Er meint: Naturschützer, Regierung und Landwirte sollten an einem Strang ziehen.

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Naturschützer steht hinter den Landwirten

„Ich stehe absolut hinter ihnen“, sagt Raffel, wenn er über die Landwirte spricht. „Sie müssen Maschinen finanzieren, Versicherungen bezahlen und die Miete für den Hof aufbringen – wie sollen sie das leisten, wenn der Hahn immer weiter zugedreht wird?“ Raffel wisse aus erster Hand um die prekäre Lage der Bauern: Er ist hauptberuflich als Zusteller bei der Deutschen Post beschäftigt und komme zu Dienstzeiten viel mit ihnen in Kontakt. „Für den Liter Milch bekommen sie so wenig, dass es mich nicht wundert, wenn sie jetzt auf die Barrikaden gehen.“ Raffel frage sich, wie es manchen Landwirten überhaupt gelinge, ihre Tiere am Leben zu erhalten.

Was der Naturschutzbund zum Agrar-Ärger sagt

Jörn Raffel von der Ortsgruppe Holzwickede des Naturschutzbundes (Nabu) hat Verständnis für die Landwirte. © Marcel Drawe

Kehrseite der Landwirtschaft

Dennoch weiß der Umweltschützer auch um die Kehrseite der Landwirtschaft: Übermäßiges Düngen, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und das Anbauen von Monokulturen seien nach wie vor Faktoren, die die Umwelt belasten, wenn nicht sogar schädigen: „Wenn drei, vier Güllelaster ihren Inhalt auf den Feldern entleeren, kann von reiner Nährstoffversorgung nicht mehr die Rede sein“, sagt er. Die Gülle sickert nicht ab. Das verseucht Luft und Boden.

Trotzdem lasse sich auf der anderen Seite wiederum nicht abstreiten, dass eine gewisse Notwendigkeit besteht, zu düngen. Es sei eben eine Gratwanderung. Das selbe gelte für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln: „Nur so wird die Ernte ertragreich, nur so können die Bauern überleben“.

Existenz der Landwirte sollte Bevölkerung am Herzen liegen

Und deren finanzielle Existenz sollte der gesamten Bevölkerung am Herzen liegen, meint Raffel: „Wenn es in Deutschland kaum noch Landwirte gibt, müssen die Lebensmittel aus anderen Ländern importiert werden.“ Und das sei letztlich alles andere als klima- und umweltfreundlich. Auch da sind sich Bauern und Umweltschützer einig.

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