Der Aufführungsmarathon neigt sich dem Ende zu: Nach fünf Spieltagen stehen den Darstellern aus „Natürlich Blond“ noch drei Abende bevor. Anstrengend ist es, aber überspielt fühlt sich das Ensemble noch nicht.

Holzwickede

, 01.10.2019, 16:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwei Vorstellungen am Premierenwochenende, drei am Wochenende darauf und nun nochmals drei Abende auf der Bühne am Tag der Deutschen Einheit sowie am Freitag und am Samstag: Dann hat der Musicalverein „Vorhang auf, Holzwickede“ seine erste Spielzeit hinter sich und das Musical „Natürlich Blond“ in drei Wochen acht Mal auf die Bühne der Kinderglückhalle gebracht.

Am Samstagabend enden nicht allein drei intensive Wochen, dann endet ein intensives Jahr. In dem hat sich der Verein gegründet, ein erstes Musical geplant, um die 35 Darstellerinnen und Darsteller gecastet sowie zahlreiche weitere Mitglieder gewonnen, die sich für Technik, Kostüme, Maske, Musik, Regie oder Öffentlichkeits- und Sponsorenarbeit einsetzen – mitunter auch in doppelten Funktionen.

Vom zusammengewürfelten Haufen zum eingeschworenen Team

Dass der Verein dabei mit der ersten Aufführung seinem professionellen Anspruch gerecht wurde, ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt: Viele Aktive, ob auf oder hinter der Bühne, hatten zuvor kaum praktische Bezüge zu Musicals. Zudem ist der Verein ein zusammengewürfelter Haufen im besten Sinne – mit Mitgliedern aus Holzwickede, Unna, Schwerte oder Dortmund, die sich zunächst nicht oder kaum kannten.

Darsteller aus „Natürlich Blond“: „Es pusht uns total, wenn das Publikum mitgeht“

Jessica Petranca (35), Simon Klemp (21), Lisa Petter (25) und Jonah Gall (20) haben sich durch die Arbeit im Musicalverein kennen und schätzen gelernt. © Greis

„Ich kenne das Musical, habe die Songs früher auf und ab gesungen. Dann war ich mit meinem Freund Joel auf einem Geburtstag und habe ‚Schwul oder Franzose‘ angestimmt. Kim (Friehs, Musikalischer Leiter, Anm. d. Red.) war auch da und dann kam eines zum anderen“, sagt der Dortmunder Jonah Gall, der im Musical den Nico und einen Professor mimt. „Joel und ich waren aber fast immer bei den Proben, selbst wenn wir nicht dran waren. Wir können überall einspringen“, sagt der 20-Jährige.

Angespannt vor der Premiere

Der Auftritt seiner Nebenrolle zusammen mit seinem Freund Joel Krause, der im Stück dessen Liebhaber Carlo spielt, gehört innerhalb des Ensembles zu den Favoriten. Ein Kuss der beiden überrascht zudem regelmäßig das Publikum. „In der Stadt scheut man sich, Händchen zu halten und dann küsse ich meinen Freund vor 300 Leuten und alle feiern das“, sagt Gall, der vor allem vor der Premiere angespannt war, wie das Publikum die Szene aufnehmen würde.

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Wie er es überhaupt schafft, vor Publikum aufzutreten, hat sich anfangs Simon Klemp gefragt. Der Königsborner hatte null Erfahrungen als Darsteller. Nun steht er als arroganter Professor Callahan auf der Bühne und überzeugt mit seiner tiefen Stimme. „Bis dahin war es mir unangenehm vor Menschen zu singen. Aber durch Kim und die anderen bin ich ermutigt worden“, sagt Klemp.

Im echten Leben viel jünger als auf der Bühne

Zudem stiftet er als Professor ordentlich Verwirrung: Dank Schminke und seines Spiels werde er regelmäßig in die Kategorie Ü40 gesteckt. „Wenn man Freunden dann sagt, dass Simon erst 21 ist, glaubt das keiner“, sagt Lisa Petter lachend. Die 25-jährige Holzwickederin spielt die aufgedrehte Frisörin Paulette. „Ich wollte eigentlich die Hauptrolle der Elle spielen, aber jetzt bin ich super zufrieden mit meiner Rolle. Zumal Annika die Elle super spielt“, sagt Petter über die Unnaer Hauptdarstellerin Annika Schneider.

Viele Ensemblemitglieder sind noch Teenager. In Jessica Petranca ist aber auch eine Darstellerin zum Verein gestoßen, die erst mit 35 Jahren zum Musical gekommen ist. „Ich bin damals spontan zum Casting und wollte direkt wieder raus. Dann habe ich es doch gemacht. Ich weiß, dass wir gesanglich ganz andere Kaliber haben. Also habe ich einfach gesagt: Packt mich irgendwo rein“, sagt die Holzwickederin, die ihre Szenen als Boutiquebesitzerin und Staatsanwältin hat. „Ich bin aber definitiv nicht der Mutter-Typ in der Gruppe, auch wenn ich mal schimpfe, wenn es zu wuselig wird“, sagt Petranca und lacht.

Darsteller aus „Natürlich Blond“: „Es pusht uns total, wenn das Publikum mitgeht“

Wer Professor Callahan (M.) auf der Bühne erlebt, würde nicht glauben, dass Simon Klemp, der Darsteller hinter der Rolle, erst 21 Jahre jung ist. © Greis

Wie sehr man im Laufe des vergangenen Jahres als Team gewachsen ist, merken die Vereinsmitglieder nun während der Spielzeit. Weil alle Rollen ohne Doppelbesetzung auskommen, muss mitunter improvisiert werden. Eine Erkältung, ein verdrehter Rücken, gebrochene Zehen: Manchmal muss wenige Stunden vor einer Vorstellung noch die Choreografie angepasst werden.

„Die Moral der Mitglieder, dann trotzdem durchzuziehen und auch von Regisseurin Anja, die spontan reagiert, das ist schon wahnsinnig toll“, sagt Vereinssprecherin Ramona Birkenfeld.

„NATÜRLICH BLOND“

Die letzten drei Vorstellungen

„Natürlich Blond“ wird in der Kinderglückhalle an der Gottlieb-Daimler-Straße noch gespielt am
  • Donnerstag, 3. Oktober, 17 Uhr (Einlass 16.15 Uhr)
  • Freitag, 4. Oktober, 19 Uhr (Einlass 18.15 Uhr)
  • Samstag, 5. Oktober, 19 Uhr (Einlass 18.15 Uhr)
Karten gibt es in Holzwickede bei Schreibwaren Lohenstein und in Howi‘s Lädchen, in Unna im Café Honey. Online können Tickets über Eventim geordert werden. Karten kosten 15 Euro (ermäßigt 10 Euro). Beim Onlinekauf fallen 2 Euro Gebühr an. Tipp: Sind am Spieltag im Internet noch Karten zu haben, gibt es auch eine Abendkasse vor Ort.

Und auch wenn es anstrengt, so sagt Lisa Petter doch: „Ich finde es gut, dass ich keine Zweitbesetzung habe. Wenn man so viel übt, will man auch spielen. Auch wenn es da einen besonders hohen und langen Ton gibt, der mich vorab immer ins Schwitzen bringt“, sagt die Holzwickederin lachend.

Auch das Publikum darf aus sich rausgehen

Den Lohn für ihre Mühen bekommen die vier Darsteller und ihre Vereinskameraden mitunter schon während der Vorstellungen: Mal wird das Ensemble nach der Pause schon mit Applaus empfangen, mal springt das Publikum direkt nach dem Finale klatschend auf. Gut besucht bis ausverkauft waren die Vorstellungen bislang. „Es pusht uns auf der Bühne total, wenn das Publikum mitgeht, lacht und klatscht“, sagt Lisa Petter.

Wenn die Stimmbänder durchhalten, dürfen sich Petter und Co. auch in den verbleibenden drei Shows auf Lacher und Beifall einstellen. Und wenn am Samstagabend der Vorhang vorerst ein letztes Mal gefallen ist, wartet auf alle im Verein die wohlverdiente Abschlussparty.

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