2,8 Milliarden Einwegbecher verbrauchen die Deutschen jährlich laut einer Studie des Bundesumweltamtes. Das entspricht rund 28.000 Tonnen Abfall. Ein Test in Holzwickede zeigt: Die Menge ließe sich reduzieren.

Holzwickede

, 26.09.2019, 18:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Mai dieses Jahres hat das Bundesumweltamt eine Studie mit dem schönen Titel „Untersuchung der ökologischen Bedeutung von Einweggetränkebechern im Außer-Haus-Verzehr und mögliche Maßnahmen zur Verringerung des Verbrauchs“ veröffentlicht. Kurzum beantwortet die Studie, wie viele Einwegbecher die Deutschen im Jahr verbrauchen und bietet verschiedene Lösungsansätze, um den Verbrauch zu verringern.

Neben verschiedenen Pfandsystemen geht die Studie auch auf kundeneigene Mehrwegbecher ein. Wenn einige hygienische Anforderungen berücksichtigt werden, befürwortet das Bundesumweltamt auch die Möglichkeit, den eigenen Becher beispielsweise beim Bäcker vor Ort auffüllen zu lassen.

In Holzwickede wird der Mehrwegbecher anstandslos gefüllt

Ein Test vor Ort zeigt: In Holzwickede kann man gut gerne auf den Pappbecher inklusive Plastikdeckel verzichten. Egal ob man die Filialen der Bäckereien Grobe, Malzers, Höltermann oder Hosselmann besucht: Überall wurde anstandslos unser Hellweger-Mehrwegbecher mit Kaffee gefüllt.

Heimat to go

Hier gibt es den Hellweger-Mehrwegbecher

Mehrwert durch Mehrweg: Das bietet auch der Becher des Hellweger Anzeigers. Den gibt es in unseren Geschäftststellen in Unna, Wasserstraße 20, sowie in Kamen, Am Markt 17, für 9,90 Euro zu kaufen.
An den Unternehmen liegt es nicht: Der Mehrwegbecher ist flächendeckend willkommen

© Stefan Milk

Und nicht nur hier: Auch in den Kiosken „Howi‘s Lädchen“ an der Jahnstraße sowie im „Kiosk und mehr“ an der Chaussee gibt es Heißgetränke auf Anfrage auch in der nachhaltigen Lösung. „Was Müll vermeidet, ist gut. Wenn Sie das wollen, fülle ich Ihnen auch ein Bier in den Mehrwegbecher“, scherzt Grazyna Frentzel beim Besuch an der Chaussee. Nur im kleinen Kiosk an der Parkstraße wiegelt man ab. Wenn der Mehrwegbecher nicht unter den Automaten passt, bleibt nur die Einwegoption.

Mit dem eigenen Becher gibt es mitunter Preisnachlass

Selbst an der Kaffeetheke des McDonald‘s-Schnellrestaurants neben der B1 ist der Mehrwegbecher willkommen. Hier und auch bei den Bäckern gibt es dann mitunter sogar Rabatt: Mal sind es 10, mal 20 Cent. Oder aber es gibt einen prozentualen Preisnachlass. „Das nutzen aber noch zu wenige Kunden“, sagt die Angestellte im Schnellrestaurant.

Unterschiede gibt es jedoch beim Umgang mit Kunden, die ihre Heißgetränke lieber im Thermo- denn im Pappbecher bevorzugen. Wo es möglich ist, bitten die Angestellten der Bäckereien, dass man das eigene Trinkgefäß seitlich an den Verkaufstheken vorbei übergibt. Auch müssen die Becher sauber sein.

Passt das Gefäß im Schnellrestaurant nicht unter die Siebträgermaschinen, dann wird über ein Edelstahlkännchen umgefüllt. Bei Bäcker Hosselmann verweist die Fachverkäuferin darauf, dass sie lediglich in einen Pappbecher einfüllen und diesen aushändigen kann, der Kunde dann vor der Theke selbst umfüllen müsse. Am Ende landet so natürlich wieder ein Pappbecher zusätzlich im Müll.

An den Unternehmen liegt es nicht: Der Mehrwegbecher ist flächendeckend willkommen

Becher passt, Kaffeemaschine läuft: Bei Bäcker Höltermann am Landweg kann der Mehrwegbecher seitlich an der Verkaufstheke vorbei problemlos an die Verkäuferin zum Auffüllen übergeben werden. © Marcel Drawe

Bei Bäcker Höltermann am Landweg kennt Verkäuferin Marlena Notzon indes einige Stammkunden, die mit ihren Bechern regelmäßig hier ihren Kaffee holen. „Vor allem die Taxifahrer machen das. Ich finde das sinnvoll. Wir sollten alle ein bisschen darüber nachdenken, wie wir Müll vermeiden können“, sagt sie.

Der Mehrwegbecher ist erst seit kurzem in gastronomischen Betrieben erlaubt. „2016 kam die Diskussion über die Einwegbecher auf, an der wir uns beteiligt haben“, sagt Malzers-Sprecher Oliver Hein. Bis dato hätten die Ordnungsämter bei der Mehrweglösung nicht mitgespielt. „Im engen Dialog mit der deutschen Umwelthilfe, die wiederum in Berlin im Austausch mit Politikern stand, wurde die Praxis schließlich von den Ordnungsämtern geduldet“, sagt Hein.

Zur Sache

34 Einwegbecher pro Kopf

  • Auf 2,8 Milliarden verbrauchte Einwegbecher jährlich kommt eine Studie des Bundesumweltamtes für das Jahr 2016 in Deutschland. Das macht einen Verbrauch von 34 Bechern pro Kopf.
  • Hinzu kommen 1,3 Milliarden Deckel aus Kunststoff. Die umgerechnet rund 28.000 Tonnen an Abfall nehmen am gesamten Müllaufkommen im Land zwar nur einen kleinen Teil ein, sind subjektiv aber vielerorts wahrnehmbar: An überfüllten Mülleimern oder achtlos weggeworfen in Grünanlagen.
  • Laut Studie reduzieren Mehrwegbecher das Müllaufkommen, wenn sie mindestens zehn Mal genutzt werden.

Klare rechtliche Vorgabe zum Umgang mit Mehrwegbechern fehlt

Diese Duldung sorgt mitunter aber auch für Verwirrung. In puncto Hygiene gelten aus rechtlicher Sicht die Deutsche Lebensmittelhygiene-Verordnung sowie die EG-Verordnung über Lebensmittelhygiene. Die enthalten aber keinen genauen Passus zum Umgang mit von Kunden mitgebrachten Mehrwegbechern.

Das sieht man in den Unternehmen durchaus problematisch. „Müll vermeiden, Ressourcen schonen – das wollen wir auch“, sagt Grobe-Geschäftsführer Jürgen Hinkelmann. Im Zweifel aber auf Umfüll-Lösungen wie im Schnellrestaurant zurückgreifen, das hält er für nicht sinnvoll. „Uns geht es ja auch um Kundenfreundlichkeit. Wenn ich den Latte Macchiato erst in eine Kanne fülle, ist die Hälfte des Schaums schon mal weg“, sagt Hinkelmann.

Tatsächlich gibt es im Umgang zu mitgebrachten Mehrwegbechern lediglich ein Merkblatt des Lebensmittelverbandes zur Orientierung für Unternehmen. Immerhin: Das enthält auch einige Punkte, die Kunden beachten sollten, wenn sie den Kaffee im eigenen Becher wünschen: Sauberer Becher, Deckel vorab abnehmen und während des Füllens verwahren. Sollten Mitarbeiter hygienische Bedenken haben, steht es ihnen jederzeit zu, den Kundenwunsch auch abzulehnen.

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