Übergelaufene Emscher, geflutete Tiefgarage: Das Unwetter-Ereignis, das Holzwickede und vor allem viele andere Kommunen im Westen erwischt hat, ist nun fast einen Monat her. Auf politischer Ebene hat die Diskussion über Konsequenzen angefangen. © Dagmar Hornung
Infrastruktur

Nach Unwetter in Holzwickede: Was ist die Hausaufgabe für die Politik?

Am Abend des 14. Juli hat Starkregen die Gemeinde bitter erwischt. Welche Konsequenzen müssen nach so einem Unwetter-Ereignis gezogen werden?

Fast einen Monat nach dem Unwetter, das Teile Holzwickedes unter Wasser gesetzt hat, stellt sich die Frage: Wie kann sich die Gemeinde auf derartige Regenfälle in Zukunft vorbereiten? Direkt nach dem Unwetter ist jedenfalls die erste Stimme aus der Politik laut geworden, die auch politische Konsequenzen forderte. Grünen-Ratsherr Friedhelm Klemp sieht die Haltung seiner Partei bestätigt, dass man den Klimaschutz vor Ort stärken müsse.

Ein Teil des Krummen Wegs in Holzwickede ist kaum befahrbar. Die enormen Regenmassen können an manchen Stellen der Gemeinde nur langsam von den Straßen abfließen. © Kevin Kohues © Kevin Kohues

Fraktionen tun sich mit einer ersten Bewertung schwer

Einen ausführlichen Bericht über die Ereignisse des 14. und 15. Juli erwartet die Politik allerdings erst in der nächsten Sitzung des Planungs- und Bauausschusses, die für den 29. September anberaumt ist. Die Gemeindeverwaltung hat bereits eine erste Schadensbilanz gezogen und will auch weitere Details zu den Folgen des Hochwassers nennen.

Doch wie wertet die Politik die Ereignisse? Wir haben uns schon jetzt eine erste Einschätzung eingeholt und bei allen Ratsfraktionen nachgefragt, welche Konsequenzen man aus dem Unwetter ziehen muss, um für die Zukunft vorzusorgen.

Klimziak, Fraktionschef (SPD): „Wegen der Sommerpause haben wir noch nicht in großer Runde darüber gesprochen. Wir werden aber einen Bericht haben müssen, in dem die Gefahrenlagen aufgelistet sind. Diese Schwachstellen gilt es zu wissen, um zeitnah etwas unternehmen zu können. Unser Kanalnetz haben wir als Politik immer nach den notwendigen Bestimmungen instandgesetzt. Ich glaube, man ist aber wach geworden, was die Natur dann über Nacht so anrichten kann. Vielleicht muss man Regenrückhaltebecken erweitern. Wir erwarten von der Verwaltung, dass man einen Katalog aufstellt und schaut, wie schnell man die Schwächen beheben kann.“

Frank Markowski, Fraktionschef (CDU): „Wir sind Gott sei Dank nicht so stark betroffen gewesen wie andere Kommunen und werden es wohl auch in Zukunft nicht sein. Wir warten erstmal den Schadensbericht ab. Und dann müssen wir uns von Experten erklären lassen, was sinnvoll ist. Da ist gewissermaßen auch die Emschergenossenschaft zu Rate zu ziehen. Man muss aber besonnen da ran gehen. Einen genauen Blick müssen wir auch auf das Klimaschutzkonzept richten. Die Punkte bewerten wir aber von Fall zu Fall. Es muss jedem klar sein, dass man wichtige Dinge voranbringen, aber auch andere Konsequenzen berücksichtigen muss.“

„Kein fertiges Konzept in der Tasche“

Michael Laux, Fraktionschef (BBL): „Das sind erstmal viele allgemeine Dinge. Wir sollten die Kanalnetze überprüfen, außerdem auch die Regenrückhaltebecken. Wir müssen vielleicht aber auch gucken, dass wir nicht alle Flächen versiegeln. Wo noch keine Baugenehmigung erteilt worden ist, müssen wir genau hinschauen. Es ist aber eine sehr schwierige Sache, weil wir auf der anderen Seite Wohnraum brauchen. Das ist eine Gratwanderung. Dafür habe ich kein fertiges Konzept in der Tasche. Wir sollten aber nicht warten und das auf die lange Bank schieben.“

Susanne Werbinsky, Fraktionschefin (Bündnis90/Die Grünen): „Wir haben ja in den Klimaschutzmaßnahmen alles herauskristallisiert. Klar, man kann immer reagieren auf eine Situation. Aber man kann auch agieren. Wir müssen jetzt vorausschauen und vorausplanen. Dazu gehört, dass wir nicht so viele neue Flächen versiegeln. Und auch ganz wichtig: Auf Industriebauten Gründächer installieren. Man muss den Bürgern Hilfe anbieten, wenn Häuslebauer zum Beispiel in Sachen Klimaschutz Fragen haben. Dafür haben wir ja jetzt einen Klimaschutzmanager. Wir sind alle keine Fachleute.“

„Man kann sich nur auf Fachleute verlassen“

Lars Berger, Fraktionschef (FDP): „Es ist natürlich so, dass die Holzwickeder Politik sich in den vergangenen Jahren immer intensiv mit dem Thema Abwasserbeseitigung beschäftigt hat. Aktuell soll an der Stehfenstraße ein neues Regenrückhaltebecken gebaut werden. Man kann sich dabei aber nur auf Fachleute verlassen. Man muss sich vielleicht auch andere Fragen stellen: Wo haben wir im Bereich des Emscheraufs Möglichkeiten durch eine weitere Renaturierung. Wir müssen alle betroffenen Stellen überprüfen, damit so etwas nicht noch einmal vorkommt.“

Jan Brückhändler, Vize-Fraktionschef (Die PARTEI): „Was die Politik machen kann, ist natürlich mit dem nötigen Weitblick zu handeln, zum Beispiel nicht so viele Flächen zu versiegeln. Da starke Regenfälle keine Ausnahme bleiben werden, müssen wir uns schützen. Jeder hat das Interesse, da etwas zu tun. Was wir uns von manchem unserer politischen Kollegen wünschen, ist ein ernsthafter Umgang mit dem Klimaschutzkonzept. Manche Mitstreiter haben noch eine stoische Parteibrille auf. Und das ist nicht das, was wir brauchen.“

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski

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