Bon-Pflicht: Holzwickede zwischen Papierbergen und dem digitalen eBon

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Die einen ärgern sich, für jede Packung Zigaretten einen Bon zu bekommen, die anderen haben neue Wege gefunden, Papiermüll zu vermeiden. In der Bäckerei Grobe gibt es jetzt den eBon.

Holzwickede

, 13.02.2020, 14:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als das Gesetz zum 1. Januar 2020 in Kraft trat, waren die Empörung und das Geschrei groß. Ein Bon für jedes Brötchen oder jede Packung Zigaretten? Muss das sein? Auch anderthalb Monate nach Einführung der Bon-Pflicht hat sich der Ärger noch nicht gelegt. „In Frankreich wurde die Bon-Pflicht gerade erst abgeschafft und wir führen sie ein.“ Michael Voss schüttelt den Kopf.

Nur drei von 150 Kunden wollen Bon

Der Inhaber des Kiosks Howis Lädchen ärgert sich über die Einführung der Bon-Pflicht. „90 Prozent der Kunden wollen keinen Bon haben.“ Von 150 Kunden, die er am Tag bedient, würden vielleicht drei Leute einen Bon haben wollen - für die Haushaltskasse oder, um den Betrag für den Einkauf für Kollegen später aufdröseln zu können.

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„Wer will schon einen Bon für ein zehn Cent Kaugummi oder eine Bildzeitung?“ Er zuckt mit den Schultern. „Keiner.“ Trotzdem muss er den Bon erstellen. „Das ist noch immer ein Gesprächsthema. Die Leute sind aufgebracht, auch wegen des Umweltschutzes.

„Die großen Ketten können bei den Bon vielleicht auch eine umweltfreundliche Variante nehmen, wir können das nicht“, sagt Voss. Seiner Meinung nach nutzt die Bon-Pflicht keinem. „Sie ärgert nur. Sie nutzt keinem. Höchstens der Papierindustrie.“

Digitaler Bon fürs Handy

Um dem Papierwahn zu entgehen, hat die Bäckerei-Kette Grobe einen anderen Weg im Kampf gegen die Bon-Verschwendung gefunden. „Wir haben am Tag in allen Filialen zwischen 200 und 250 Kassenrollen verbraucht“, fasst Inhaber Jürgen Hinkelmann den Papier-Wahnsinn zusammen. „Dabei wollen nur ein bis zwei Prozent der Kunden einen Bon.“

Bon-Pflicht: Holzwickede zwischen Papierbergen und dem digitalen eBon

In der Bäckerei Grobe in Holzwickede bekommt man sogenannte eBons. Digitale Belege per QR, die nur eingescannt werden müssen. © Lisa Dröttboom

Deshalb hat sich der Grobe-Chef etwas anderes einfallen lassen: Den eBon. Eine elektronische Variante des Bons, der den Kunden über die Kassenbildschirme angezeigt wird.

Wer ein Brötchen kauft, zahlt und bekommt auf dem Kassenbildschirm einen QR-Code angezeigt. Wer einen Bon haben möchte, scannt den einfach mit dem Handy ein und hat einen digitalen Bon auf seinem Smartphone.

Bangen um Zulässigkeit

Das Programm für die Generierung der digitalen Bons hat der Grobe-Chef bereits im Oktober 2019 in Auftrag gegeben. „Bis vorgestern gab es allerdings noch die Unsicherheit, ob der eBon den Richtlinien entspricht“, erklärt Hinkelmann. Erst jetzt habe er von einer Abgeordneten die Nachricht aus Berlin bekommen, dass der eBon so zulässig ist.

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Seit Ende Januar sind seine Kassen umgerüstet und die eBons im Einsatz. „Ich bin erleichtert, dass ich mir da kein Ei ins Nest gelegt habe“, sagt Hinkelmann. Dadurch, dass aus jedem Einkauf ein QR-Code generiert würde und die Kunden die Gelegenheit haben, diesen zu bekommen, entspricht das Programm den Richtlinien für die Bon-Pflicht.

Möglichkeit für Papierbon besteht weiter

Nach Bon-Pflicht auch Kassen-Pflicht

  • Für Grobe-Chef Hinkelmann müsste nach der Bon-Pflicht nun auch die Kassen-Pflicht folgen.
  • Denn wer eine offene Kasse führt, ist nicht verpflichtet, seinen Kunden einen Bon auszudrucken.
  • Es gibt auch kein Gesetz, auf technische Kassen umzurüsten.
  • „Das ist dann die Frage, ob die schwarzen Schafe mit der Bon-Pflicht wirklich erwischt werden“, sagt Hinkelmann.
Was aber, wenn die ältere Dame ohne Handy einen Bon haben möchte? Oder jemand den Bon für sein Haushaltsbuch braucht. „Keine Sorge. Wenn einer unserer Kunden einen Papierbon haben möchte, dann bekommt er ihn auch“, versichert Hinkelmann.

Von den Kunden habe Grobe bislang durchweg positive Resonanz erhalten. „Die Kunden sind zufrieden.“ Es gäbe nur wenige, die sich den Bon abfotografieren, aber viele seien nichtsdestotrotz froh, auf den Papierbon verzichten zu können. So, wie auch Grobe-Chef Hinkelmann selbst. „Für mich bleibt nur die Frage, ob das alles hätte sein müssen“, sagt er. „Das ist jetzt wieder mehr Aufwand und Bürokratie für alle.“

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