Heimleiter Bernhard Pendzialek verlässt nach 27 Jahren das Perthes-Haus. © Carlo Czichowski
Interview

Nach 27 Jahren im Altenheim: Bernhard Pendzialek und sein demütiger Abschied

Entscheidung gut durchdacht: Bernhard Pendzialek ist zum 1. April in den vorzeitigen Ruhestand gegangen. Der langjährige Leiter des Perthes-Hauses verlässt die Einrichtung in unruhigen Zeiten.

Gesundheit und Pflege sind zwei gesellschaftliche Bereiche, die durch die Corona-Pandemie einen völlig anderen Stellenwert bekommen haben. Am 1. April verabschiedete sich Bernhard Pendzialek, nun ehemaliger Heimleiter des Perthes-Hauses in den vorzeitigen Ruhestand.

Im Gespräch mit dieser Redaktion spricht er über die Herausforderungen, die auf seine Nachfolgerin warten – und wie er die Corona-Krise im Altenheim bisher erlebt hat.

Wie lange waren Sie der Leiter des Perthes-Hauses?

Bernhard Pendzialek: „Im Jahr 1993 wurde ich bei der evangelischen Perthes-Stiftung zum Heimleiter berufen. Zunächst leitete ich für ein halbes Jahr kommissarisch das Ernst-Wilm-Haus in Arnsberg, bevor ich dann ab April 1994 nach Holzwickede versetzt wurde. Seit 27 Jahren leite ich das Perthes-Haus und konnte es von Anfang an gestalten und prägen.“

Auf welche Dinge, die sie als Heimleiter angestoßen haben, sind sie besonders stolz?

Pendzialek: „Wir konnten in Holzwickede innerhalb kurzer Zeit das Haus zu einem festen Bestandteil in der Gemeinde etablieren. Es ist bis heute eine offene Einrichtung, in der Gemeindeleben stattfindet. Neben der pflegerischen Versorgung durch die Mitarbeiterschaft waren wir stets stolz auf die sehr gute Küche, die auch oft in der Gemeinde für private Feiern nachgefragt wurde. Viele Veranstaltungen im Perthes-Haus waren offen auch für externe Gäste. Dadurch konnten wir im Haus ein Begegnungs- und Kommunikationszentrum schaffen. Die hohe Fachkompetenz der Pflegekräfte, die stets bestrebt sind, sich weiter zu bilden und in vielen Fachbereichen zu qualifizieren, sorgte für einen guten Ruf in der Gemeinde. Beide Kirchengemeinden waren von Anfang an an der guten Zusammenarbeit beteiligt. Neben regelmäßigen Gottesdiensten werden über die Kirchengemeinden auch besuche organisiert. Sie sind ein wichtiger Baustein in der Erfolgsgeschichte der Einrichtung.“

Mit Blick auf Corona: Wie stark hat sich die Einrichtung in den letzten Monaten verändert?

Pendzialek: „Die Corona-Pandemie hat das aktive Leben sehr stark zum Wanken gebracht. Von jetzt auf gleich wurden Veranstaltungen und Angebote heruntergefahren und reduziert. Kontaktbeschränkungen und Besuchsverbote, Ausgangsgebote führten zu einer hohen psychischen Belastung der Bewohner. Es wurde sehr ruhig im Haus. Die Mitarbeiter waren und sind immer noch einem erheblichem Mehraufwand ausgesetzt. Zusätzlich zu den täglichen pflegerischen Tätigkeiten kommen nun ein hoher Aufwand an Dokumentation, Erfassung von Vitalwerten, und die zusätzliche persönliche Begleitung der Bewohner. Seit einem Jahr werden alle Besucher schriftlich erfasst und aufgenommen. Sie werden einem Kurzscreening unterzogen und können dann die Bewohner besuchen. Diese Aufgaben werden seitdem zusätzlich erbracht. Wöchentlich wechselnde Verordnungen müssen umgesetzt werden – und ein Ende ist nicht absehbar.“

Was waren die größten Herausforderungen?

Pendzialek: „Meine größten Herausforderungen in den vergangenen 27 Jahren waren die ständigen Veränderungen im Pflegeversicherungsgesetz, die Prüfverordnungen der Medizinischen Dienste, der WTG Behörde, und den vielen anderen Prüfbehörden. Ich hatte immer sehr starke Mitstreiter an meiner Seite, die aber Sorge dafür trugen, dass auch die gesetzlichen Vorgaben stets bestens gelebt und erfüllt wurden. An dieser Stelle gilt mein Dank allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in allen Funktionsbereichen und nicht zuletzt auch im Ehrenamt. Ohne sie wäre meine Arbeit nicht so erfolgreich gewesen. Ihnen habe ich es zu verdanken, dass das Perthes-Haus zu dem wurde, was es nun ist. Verglichen mit einer Fußballmannschaft, bin ich nur der Trainer einer Mannschaft. Die gute Leistung erbringen die Spieler auf dem Feld. Nach 27 Jahren wird es nun Zeit für den Trainer zu gehen, damit die Mannschaft mit neuen Impulsen neue Erfolge und weiterhin gute Arbeit leisten kann.“

Was erwartet Ihre Nachfolgerin?

Pendzialek: „Die Nachfolgerin erwartet ein gutes, selbstbewusstes und starkes Team. Sie wird mit offen Händen aufgenommen. Ihre Herausforderungen werden weiterhin die Bekämpfung und der Umgang mit der Pandemie sein. Doch auch die neue Einrichtung der Perthes-Stiftung, das Katharina-von-Bora-Haus in der Wichernstraße, muss aufgebaut und begleitet werden. Die Bewohner und Mitarbeiter sehnen sich nach Normalität im Alltag. Diesen zu gestalten und mit neuen Impulsen zu besetzen wird sicher eine der schönsten Aufgaben für sie sein.“

Was wünschen Sie ihr und der gesamten Einrichtung?

Pendzialek: „Ich wünsche allen in der Einrichtung lebenden und arbeitenden Personen, ob im Hauptamt oder im Ehrenamt, weiterhin viel Zuversicht und Kraft der Pandemie zu trotzen und wünsche mir für das Perthes-Haus auch weiterhin schöne erfolgreiche Jahre. Möge es weiterhin ein Ort der Begegnung bleiben. Eine offene Einrichtung in der nicht nur gepflegt, sondern auch gelebt wird.“

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski

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