Angeklagt wegen Mordversuchs: Mutter ließ Kinder nach Brandstiftung in Wohnung zurück

dzLandgericht Dortmund

Dario und Luca wären fast gestorben. Bei einem Wohnungsbrand im Mai erlitten beide Kinder Rauchvergiftungen, Luca schwebte in Lebensgefahr. Die Brandstifterin soll ihre eigene Mutter sein.

Holzwickede

, 19.11.2019, 17:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Dienstag muss sich die 27-Jährige wegen versuchten Mordes vor dem Dortmunder Schwurgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass Deborah W. den Brand in ihrer Wohnung an der Frankfurter Straße absichtlich gelegt und dabei den Tod ihrer Kinder und der acht weiteren Hausbewohner wissentlich in Kauf genommen hat. Der Nachweis eines solchen bedingten Tötungsvorsatzes dürfte jedoch nicht einfach werden.

Angeklagte trank viel

Gleich nach der Verlesung der Anklageschrift ergriff Deborah W. am Dienstag selbst das Wort. Und das, was sie erzählte, klang mehr nach einer absoluten Verzweiflungsaktion einer jungen trinkgewohnten Frau. Und eben nicht nach einem Mordversuch.

Der 18. Mai dürfte vielen Fußballfans aus der Region noch als letzter Spieltag der vergangenen Bundesliga-Saison in Erinnerung sein. Auch Deborah W. wollte an diesem Nachmittag das Spiel des BVB in einer Dortmunder Kneipe schauen. Ihr Lebensgefährte hatte sich mit Freunden in einer anderen Kneipe verabredet.

Während der Partie floss reichlich Bier und noch mehr Schnaps. Knapp 20 kleine Fläschchen Hochprozentiges will die 27-Jährige getrunken haben. Warum? „Einen Grund hatte ich nicht, aber den brauchte ich auch nicht, ich habe ja immer viel getrunken“, sagte sie den Richtern.

Am Nachmittag Fußball geguckt

Am Abend holte Deborah W. dann Luca und Dario von ihrer Mutter ab, ließ sich von einem Taxi nach Hause fahren und wartete dort auf ihren Freund. Doch der kam nicht. Am Telefon soll er ihr mitgeteilt haben, er würde noch weiter feiern gehen.

Deborah W. erinnert sich an die folgenden Stunden so: Immer wieder habe sie versucht, ihren Partner anzurufen, immer wieder habe der sie abblitzen lassen. Schließlich habe sie einen Live-Video-Chat mit dem Cousin ihres Freundes begonnen - in der sicheren Erwartung, dass ihr Lebensgefährte mit diesem zusammen abhänge. „Viele heftige Beleidigungen“ seien dabei ausgetauscht worden, so die 27-Jährige am Dienstag. Und schließlich habe sie Klamotten ihres Freundes aus dem Kleiderschrank geholt, diese auf der Couch ausgebreitet und angezündet. „Ich wollte ihm Druck machen, dass er deshalb vielleicht doch nach Hause kommt“, sagte sie.

Deborah W. wollte angeblich Hilfe holen

Dass das Feuer außer Kontrolle geraten könnte, will W. nicht bedacht haben. Erst viel zu spät habe sie deshalb registriert, dass sie Hilfe alarmieren müsse. Die Angeklagte sagt nun, sie sei in Panik aus der Wohnung gerannt, um Wasser zu holen oder Nachbarn aufmerksam zu machen. Die Kinder habe sie bewusst nicht geweckt. „Da waren drei geschlossene Türen zwischen den Jungen und dem Feuer“, sagte W. den Richtern. „Ich war sicher, dass ich das Feuer mit den Nachbarn unter Kontrolle bringen würde. Deshalb wollte ich sie nicht aus ihrem Zimmer holen.“ Luca und Dario schliefen nämlich bereits.

Feuerwehr rettete Kinder

Tatsache ist, dass erst die Feuerwehr es schaffte, die Jungen aus der bereits total verqualmten Wohnung zu retten. Ein Nachbar, der zuvor zwei erfolglose Versuche unternommen hatte, erlitt dabei ebenfalls eine Rauchvergiftung. Auch damit will Deborah W. niemals gerechnet haben.

Das Sorgerecht für die beiden Kinder ist seit der Tat allein auf den Lebensgefährten der Angeklagten und Vater der Kinder übergegangen. „Ihnen geht es soweit gut“, sagte der 29-Jährige am Dienstag als Zeuge.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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