Wenn Obst am Wegesrand hängt oder liegt, dann sind das keinesfalls verbotene Früchte. Im Gegenteil: Jeder darf zugreifen und wenn ein paar Regeln beachtet werden, ist das Obst gesund.

Holzwickede

, 08.08.2019, 15:52 Uhr / Lesedauer: 3 min

Obst in allen Formen und Farben, heimische und exotische Sorten, glänzend und ohne Macken oder braune Stellen: Wer Früchte liebt, erhält im Supermarkt alles was das Herz begeht – einfach und bequem. Doch Obst kann auch anders in die Schale wandern.

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Im Zuge des weiter wachsenden Nachhaltigkeitstrends wurde vor einigen Jahren die Internetplattform Mundraub.org gegründet. Kern der Seite ist eine interaktive Karte, in die jeder Bürger Standorte von frei zugänglichen, öffentlichen Obstbäumen und -sträuchern eintragen kann. Die Idee: Obst, das im Sommer tonnenweise in Feld, Wald und Wiese verrottet, landet im Kuchen, in der Marmelade oder der Pausenbrotdose der Menschen.

Das ist Mundraub

  • Wer sich über die Mundraub-Aktion informieren möchte, kann sich im Internet informieren unter www.mundraub.org.
  • Die Obst-Standorte für Holzwickede sind bei weitem nicht vollzählig. Wer sie ergänzen möchte kann sich auf der Mundraum-Seite kostenlos registrieren.
  • Mundräubern basiert für die Community auf gesundem Menschenverstand: Eigentumsrechte müssen beachtet, mit der Natur muss behutsam umgegangen werden. Die Früchte sollten geteilt werden und Menschen sollten sich an der Pflege von Obstbäumen beteiligen.

Davon hat jeder was: Der Bildungsbürger denkt an Herrn Ribbeck im Havelland und unternimmt einen romantischen Obstspaziergang, der Jäger und Sammler begibt sich auf die abenteuerliche Suche nach dem schönsten wurmfreien Exemplar – und der Sparfuchs kann kistenweise Gratisfrüchte in den Keller schleppen.

Acht Standorte meldet die Mundräuber-Karte für Holzwickede

Für Holzwickede meldet die Karte von Mundraub.org acht Standorte mit frei zugänglichem Obst. Brombeeren, Äpfel und Birnen, Pflaumen und Mirabellen können direkt am Feldweg oder von der Straße geerntet werden. Wer etwas abbekommen möchte, sollte sich beeilen. Denn das Obst ist größtenteils reif – fällt bereits vom Baum.

Mundraub in Holzwickede: An diesen Orten ist kostenlos Naschen erlaubt

Am Lünschermannsweg in Holzwickede reiht sich ein schöner Obstbaum an den nächsten. © Hornung

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Besonders ergiebig für Sammler ist der Feldweg als Verlängerung der Steinstraße, der in den Lünschermannsweg mündet. Bürgerinnen und Bürger melden auf Mundraub.org zwei Obstbäume. Der Wegesrand ist allerdings voll davon. Und das Obst liegt zum Teil bereits auf dem Weg. „Da muss man im Sommer ganz schön aufpassen“, weiß eine Holzwickederin, die regelmäßig mit ihrem Hund dort spazieren geht. Denn das Fallobst ist ein gefundenes Fressen für Bienen und Wespen.

Mundraub in Holzwickede: An diesen Orten ist kostenlos Naschen erlaubt

Das Fallobst auf den Wegen zieht Insekten an und sieht nicht unbedingt schön aus. Besser: Die Äpfel ernten, solange sie noch frisch und knackig sind. © Hornung

Einige der Bäume sind noch reichlich mit Obst bestückt. Wer dort ernten möchte, findet auf jeden Fall Pflaumen, Äpfel und Birnen.

Reife Mirabelle an der Emscherquelle – eine Leiter wäre sinnvoll

In der Nähe des Lünschermannswegs befindet sich der Luftschachtweg, der zum idyllischen Emscherquellhof führt. Hier meldet ein Holzwickeder Mundräuber einen Mirabellenbaum, der immer kräftig Früchte trägt. Er hat recht. Die Mirabellen sind reif und leuchten goldgelb in der Sonne. Wer das süße Obst ernten möchte, braucht allerdings lange Arme – oder eine Leiter. Die Mirabellen hängen ziemlich hoch...

Mundraub in Holzwickede: An diesen Orten ist kostenlos Naschen erlaubt

In der Nähe des Emscherquellhofs gibt es einen tollen Mirabellenbaum. Ein Holzwickeder hat den Standort im Internet auf der Plattform Mundraub.org veröffentlicht. © Hornung

Mundraub in Holzwickede: An diesen Orten ist kostenlos Naschen erlaubt

Der Mirabellenbaum am Luftschachtweg trägt jede Menge schöne goldgelbe Früchte. © Hornung

Holzwickeder, die an der Feldstraße in Hengsen spazieren gehen, können nicht nur einen tollen Ausblick, sondern auch viele kleine Äpfel genießen. In der Karte der Mundräuber sind Apfelbäume eingezeichnet, die rechts und links die Straße säumen. Wer eine schönen Apfel sucht, braucht aber ein gutes Auge. Denn anders als das meiste Obst im Supermarkt, sind die wilden Äpfel nicht gespritzt oder anderweitig geschützt. Insekten, Vögel und die Witterung haben vielen Exemplaren bereits zu schaffen gemacht. An der Feldstraße wachsen übrigens nicht nur Äpfel, sondern auch Pflaumen.

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Noch hängen wie hier an der Feldstraße viele Äpfel an den Bäumen am Straßenrand. Wer schöne Exemplare ohne Löcher und Druckstellen finden möchte, muss in der Natur allerdings etwas länger suchen, als beim Discounter. © Hornung

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Neben vielen kleinen Apfelbäumen finden Obstsammler an der Feldstraße in Holzwickede auch Pflaumen. © Hornung

Laut Mundraub-Karte gibt’s in Opherdicke, in der kleinen Straße Im Ostendorf, einen Apfelbaum. Das stimmt. Allerdings ist er entweder abgeerntet – oder hat in diesem Jahr gar keine Früchte getragen. Auch wenn das kleine Dörfchen einen Ausflug lohnt, der Apfelbaum tut es nicht. Sein Standort am Rande einer malerischen Weide ist neben größeren Bäumen vielleicht auch ein wenig zu schattig.

Die wilden Brombeeren sehen nicht so gut aus

Nicht so gut wie Äpfel, Pflaumen und Birnen, sehen in diesem Jahr die wilden Brombeeren aus: Eine große „Brombeerwand“ finden Mundräuber, wenn sie dem Emscherradweg vom Gewerbegebiet aus ein Stück in Richtung Sölde folgen. Im dichten Gestrüpp rechts und links wachsen auch Holunder und kleinere Brombeersträucher. Die große, mehrere Meter hohe Brombeerhecke steht auf der rechten Seite. Ob es die Hitze war, oder ob der Strauch einfach zu groß und zu alt ist – die Beeren sehen auf jeden Fall sehr mitgenommen aus. Viele sind bereits vertrocknet.

Gleiches gilt für die Brombeeren, die im Bahnhofsumfeld wachsen und ebenfalls einst von Mundräubern empfohlen wurden.

Mundraub in Holzwickede: An diesen Orten ist kostenlos Naschen erlaubt

Ob am Bahnhof oder entlang der Emscher: Besonders gut sehen die Brombeeren in Holzwickede nicht mehr aus. © Hornung

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Im Umfeld des Bahnhofs finden Holzwickeder viele wilde Brombeersträucher. © Hornung

Fürs gesamte Gemeindegebiet findet sich auf der Mundraub-Karte nur ein einziger Nussbaum. Und dort hängen momentan tatsächlich verbotene Früchte. Denn er stet auf dem ehemaligen Gelände der Wasserversorgung hinter einem Bauzaun.

Mundraub in Holzwickede: An diesen Orten ist kostenlos Naschen erlaubt

So nah und doch so fern: Auf dem Baugelände am Marktplatz steht der Haselnussbaum inzwischen hinter dem Zaun. © Hornung

Tipps vom Nabu

  • Das Obst von Streuobstwiesen ist unbedenklich und zum Verzehr gedacht. Es sollte wie jedes andere Obst auch gewaschen, zusätzlich aber gegebenenfalls auch mal geschält werden, rät Jörn Raffel, Leiter der Nabu-Ortsgruppe Holzwickede.
  • Selbst Brombeeren vom Straßenrand seien, obwohl sie nicht unbedingt schön aussehen, unbedenklich. Beim Pflücken an stark befahrenen Straßen und Bahnanlagen sollte Bürgerinnen und Bürger allerdings aufpassen, nur auf den Gehwegen blieben.
  • Vorsicht ist im Wald geboten. In Holzwickede gibt es derzeit eine Überpopulation an Füchsen. Wenn es überhaupt sein muss, sollten aus dem Wald nur höher hängende Beeren gegessen werden.
  • Nach dem Pflücken – und bei allem, was derzeit im Wald angefasst wird – sollten sich vor allen Kinder gründlich die Hände waschen.

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