Im vergangenen Jahr kandidierte der CDU-Vorsitzende Frank Lausmann für das Amt des Bürgermeisters. Das hat nicht geklappt, aber dafür haben die Christdemokraten bei den Kommunalwahlen mit sieben Direktmandaten stark abgeschnitten. © Udo Hennes
Politik in Holzwickede

„Müssen keine Angst haben“: CDU-Chef über die Zukunft seiner Partei

Die CDU-Spitze soll nach der Schlappe bei der Bundestagswahl erneuert werden. Der Holzwickeder CDU-Chef äußert sich dazu – und kann sich einen kleinen Seitenhieb gegen die Ampel-Parteien nicht verkneifen.

Bei der CDU gibt es auf Bundesebene momentan viel Dynamik. Gleich mehrere Führungskräfte ziehen nach dem schlechtesten Wahlergebnis ihrer Partei seit Gründung der Bundesrepublik persönliche Konsequenzen. Prominente Gesichter wie Armin Laschet, Wolfgang Schäuble, Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmeier werden sich wohl aus der ersten Reihe zurückziehen.

Frisches Blut soll dann in den Bundesvorstand nachrücken. Im Holzwickeder Ortsverband der Christdemokraten findet man das insgesamt gut. Ein Umbruch, so findet CDU-Chef Frank Lausmann, ist jetzt notwendig – auch ohne die Erkenntnisse aus der Bundestagswahl. Im Gespräch verrät er, wen er gerne künftig in vorderster Front sehen würde und wie er die Bundestagswahl fast drei Wochen danach beurteilt.

Wie beurteilen Sie die angekündigte Erneuerung ihrer Partei auf Bundesebene?

Lausmann:

„Also, eine stetige Erneuerung ist ja immer positiv. Das haben wir auf kommunaler Ebene vorgelebt. Wir in Holzwickede haben zur Kommunalwahl zum Beispiel ein paar junge Leute aufgestellt und ihnen gute Listenplätze ermöglicht. Leider sind nicht alle in den Gemeinderat eingezogen, weil die Wählerinnen und Wähler in diesen Wahlkreisen andere Kandidaten gewählt haben.

Aber wir haben unseren Ortsvorstand erweitert und mit Nele Buckemüller und Marcal Zilian zwei jüngere Mitglieder dazu geholt. Außerdem haben wir mit der Benennung unseres Landtagskandidaten (Marcal Zilian, Anm. d. R.) für den südlichen Wahlkreis im Kreis Unna ein starkes Signal der Erneuerung gesetzt.“

Haben Sie schonmal eine vergleichbare Bundestagswahl erlebt?

Lausmann: „Für mich ging es viel zu wenig um Inhalte. Der Wahlkampf war für mich noch stark geprägt von Corona, auch wenn sich das Thema eher im Ausklang befand. Die Leute waren sich aber trotzdem unsicher, was jetzt gerade geht und was nicht geht und waren verunsichert. Und es ging wie gesagt kaum um Inhalte, dafür aber mehr um Personen. Wenn dann waren es die Themen Klima, soziale Gerechtigkeit und ähnliche, die eher emotional betrachtet werden.“

Der aus Holzwickede stammende Marcal Zilian ist nun jüngstes Mitglied im Deutschlandrat der Jungen Union. Zilian ist zudem Vorsitzender der JU im Kreis Unna. © CDU/Biesenbach © CDU/Biesenbach

Mit Wolfgang Schäuble, Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmeier haben schon mehrere prominente Gesichter ihren Rückzug aus der ersten Reihe verkündet: Finden Sie gut, dass sie Platz machen?

Lausman: „Ja, das finde ich sehr gut. Wenn man sagt, dass man junge Leute nach vorne bringen will, dann muss man das auch selbst einleiten und den ersten Schritt gehen. Wolfgang Schäuble hat große Verdienste erworben und kann sich mit 79 Jahren jetzt mit einem ruhigen Gewissen zurückziehen.“

Den Lacher ausgenommen: Laschet „hat nichts falsch gemacht“

Wir müssen keine Angst haben vor der Erneuerung. Dass man kritisch streitet ist okay, aber nach außen hin sollte man sich einig sein. Wer sich streitet, der wird nicht gewählt. Das hat die Wahl jedenfalls gezeigt. Ich persönlich war mit meinem Kanzlerkandidaten sehr zufrieden. Er hat aus meiner Sicht nichts falsch gemacht, wenn wir mal den Lacher außen vor lassen.“

Wenn Sie eine Person nennen könnten, die derzeit nicht im CDU-Bundesvorstand sitzt, wen würden Sie dort hineinwählen?

Lausmann: „Da sehe ich auf jeden Fall Silvia Bär, die Verantwortung übernehmen kann. Das ist eine, die man zuerst nennen sollte. Aber auch andere junge Leute wie Jens Spahn gehören dazu.“

Und wer soll den Vorsitz übernehmen?

Lausmann: „Nach dem was vorausgegangen ist, würde es uns gut zu Gesicht stehen, wenn wir eine Mitgliederbefragung machen würden. Zuletzt fehlte bei vielen Mitgliedern die Akzeptanz. Namen nennen würde ich aber nicht. Ich finde es jedenfalls gut, dass Laschet noch moderiert und einen geordneten Übergang ermöglicht.“

Wie groß schätzen Sie die Chance, dass die CDU vielleicht doch noch regiert?

Lausmann: „Die Chance gibt es natürlich, so lange bis der neue Koalitionsvertrag unterschrieben wird. Ich finde es auch gut, dass wir keine Türen zuschlagen und die Bereitschaft zeigen, Verantwortung zu übernehmen, wenn es notwendig sein sollte und die Koalitionsverhandlungen für eine Ampel doch scheitern sollten. Aber ich halte die Wahrscheinlichkeit für gering. Die Ampel-Parteien können es sich gar nicht erlauben, dass das scheitert.“

Einigkeit bei der Legalisierung von Cannabis, bei anderen wichtigen Themen weniger

Ich habe vernommen, dass es bisher eine breite Übereinstimmung gibt bei Themen wie der Legalisierung von Cannabis. Bei anderen wichtigen Punkten eher weniger. Ich fände es gut, wenn es am Ende klappt, auch wenn wir nicht gerade gerne in die Opposition gehen. Das gehört als Demokrat aber auch dazu, dass man so etwas akzeptiert und der Regierung viel Erfolg wünscht. Es geht um unser Land.“

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski

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