Schon Ende Mai wollte man eigentlich die Gemeinde erreicht haben, nun werden die ersten Muenet-Glasfaserleitungen in Opherdicke unter die Erde gebracht. Dabei kommt spezielles Gerät zum Einsatz.

Holzwickede

, 24.08.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jetzt liegen die ersten Glasfaser-Meter für schnelles Internet auch in Opherdicke: Entlang der Dorfstraße arbeiten sich die Tiefbauer momentan gen Unnaer Straße und Hengsen vor. Damit hat die konkrete Bauphase begonnen, um Breitbandinternet mit Mindestgeschwindigkeiten von 30 bis 50 Mbit/s im gesamten Gemeindegebiet verfügbar zu machen.

Über die Muenet-Verbindungen, bei denen im Gegensatz etwa zur Telekom die Fiberglasanschlüsse bis zur jeweiligen Adresse reichen, sind je nach Vertrag gar bis zu 200 Mbit/s drin. Bei der Telekom enden die Fiberglasleitungen hingegen meist in den bekannten grauen Kästen und werden die Daten dann über Kupferkabel verteilt, was die maximalen Übertragungsgeschwindigkeiten limitiert.

Limitiert waren auch die Arbeiter vor Ort auf dem Weg nach Holzwickede von Fröndenberg kommend, wo Muenet ebenfalls in mehreren Ortsteilen seine Leitungen in die Böden bringt. Schon im Juni teilte Holzwickedes Wirtschaftsförderer Stefan Thiel mit, dass das Unternehmen aus dem Münsterland in Zeitverzug ist. Auch wenn die Leitungen keinen Meter unter der Erde liegen, kam es doch zu erheblichen Problemen durch Gestein im Untergrund.

Felsgestein erschwert die Tiefbauarbeiten

„Selbst mit einem Felsbohrer haben wir mitunter keine 100 Meter am Tag geschafft“, sagt Muenet-Mitgründer Patrick Nettels. Mit diesen Unwägbarkeiten müsse man eben immer rechnen. In Opherdicke wird derzeit mit einer speziellen Fräsmaschine gearbeitet. „Die fräst einen 80 Zentimeter tiefen Kanal. Da muss nicht gebaggert werden, das geht schneller und ist schonender“, so Nettels.

Gruppenbild mit Fräse (v.l.): Muenet-Gründer Patrick Nettels, Bürgermeisterin Ulrike Drossel, Bauamtsleiter Uwe Nettlenbusch und Wirtschaftsförderer Stefan Thiel vor dem Spezialgerät, das in Hengsen dafür sorgt, dass die Leitungen möglichst zügig und schonend im Erdreich verschwinden.

Gruppenbild mit Fräse (v.l.): Muenet-Gründer Patrick Nettels, Bürgermeisterin Ulrike Drossel, Bauamtsleiter Uwe Nettlenbusch und Wirtschaftsförderer Stefan Thiel vor dem Spezialgerät, das in Hengsen dafür sorgt, dass die Leitungen möglichst zügig und schonend im Erdreich verschwinden. © Greis

Um die 500 Meter an Leitungen am Tag könne der Bautrupp vor Ort so legen. Ist das Erdreich geschlossen, „wird angesät und in 14 Tagen sieht man von den Arbeiten nichts mehr“, sagt der Muenet-Chef.

Breitband-Ausbau

Fördermittel entlasten den Haushalt

  • Rund 2,6 Millionen Euro kostet es, die letzten weißen Flecken bei der Breitbandversorgung zu schließen.
  • 90 Prozent dieser Investitionssumme werden über Bundesfördermittel gestemmt. Auf die Gemeinde entfallen demnach Kosten über 260.000 Euro.
  • Ein Teil der Schulen bekommt ebenfalls über die genannten Bundesfördermittel einen Glasfaseranschluss. Dudenroth-, Aloysius- und Nordschule sowie die Karl-Brauckmann-Schule als Förderschule des Kreises kommen indes über ein Landesförderprogramm ans schnelle Netz.
  • Hier liegt die Investitionssumme bei 345.000 Euro. Nach Abzug der Fördersumme muss die Gemeinde davon 69.000 Euro beisteuern.

Das Verfahren wird allerdings nicht überall zum Einsatz kommen können. Bohrspülverfahren, Pflugverfahren oder der klassische offene Tiefbau mit Bagger sorgen je nach Ortslage dafür, dass die Glasfaserleitungen sowohl die Höfe im Süden als auch die Schulen in der Ortsmitte und die Gewerbeadressen entlang der Schäferkampstraße bis in die Gottlieb-Daimler-Straße hinein im Norden erreichen.

Entsprechend kann es im Verlauf der Arbeiten zu verkehrlichen Einschränkungen kommen. „Wir versuchen, Sperrungen stets zu vermeiden, aber da muss man mit rechnen“, so Nettels, der anfügt: „Unser aktuelles Ziel ist, dass wir den Breitband-Ausbau im ersten Quartal 2021 fertigstellen.“ Dann hätte man rund 100 Privathaushalte, 25 Gewerbetreibende sowie die Holzwickeder Schulen ans schnelle Netz angebunden.

Wer in Hengsen oder Opherdicke wohnt und dereinst einen Anschluss bestellt hatte, soll aber nicht bis dahin auf Highspeed-Internet warten müssen: „Für die Hausanschlüsse an sich kommt eine extra Kolonne. Da wird vorab ein Termin mit den Anwohnern abgestimmt und dann erfolgt der Anschluss. Dafür muss das Netz nicht erst komplett gelegt sein“, so Nettels.

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Damit es mit der Digitalisierung im Unterricht klappt, brauchen die Schulen hohe Datenübertragungsraten. Die will die Gemeinde als Schulträger durch die Glasfaseranschlüsse bis in die Gebäude gewährleisten.

Damit es mit der Digitalisierung im Unterricht klappt, brauchen die Schulen hohe Datenübertragungsraten. Die will die Gemeinde als Schulträger durch die Glasfaseranschlüsse bis in die Gebäude gewährleisten. © Marcel Drawe

Eine unkontrollierbare Variable beim Ausbau bleibt derweil das Coronavirus. „Das wird natürlich momentan oft genannt“, so Nettels. Zum Erliegen bringe das Virus die Arbeiten zwar nicht, aber auch die von Muenet beauftragten Baufirmen haben mitunter ausländische Mitarbeiter.

„Unser aktuelles Ziel ist, dass wir den Breitband-Ausbau im ersten Quartal 2021 fertigstellen.“
Muenet-Geschäftsführer Patrick Nettels

„Da sind in den vergangenen Monaten auch erstmal einige zu ihren Familien zurückgekehrt“, sagt Nettels. Und aktuell müsse man eben immer damit rechnen, dass eine Baustellen-Kolonne auch ausfallen kann, falls einer der Arbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wird.

In der Gemeindeverwaltung ist man trotz der Verzögerung guter Dinge: „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns auf der Zielgeraden eines jahrelangen Prozesses befinden. Wir befassen uns seit fünf Jahren mit dem Thema und sind glücklich, nun in der finalen Phase zu sein“, so Bürgermeisterin Ulrike Drossel.

Komplexe Förderbedingungen und zunächst ein Mangel an willigen Firmen, die den Ausbau auch praktisch umsetzen wollten, sorgten in der Vergangenheit für Aufschub. Auch wenn es 2020 nicht mehr klappen wird: Hält Muenet das genannte erste Quartal des kommenden Jahres, dann wird Holzwickede die erste Gemeinde im Kreis Unna sein, die flächendeckend eine Breitbandversorgung bietet.

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