Es muss nicht immer der Kühlschrank sein, den die freiwilligen Müllsammler aus dem Graben ziehen. Jedes Bonbonpapierchen schadet der Umwelt. Ein Lerneffekt, den die Putzaktion in Holzwickede auch für Kinder hat.

von Peter Benedickt

Holzwickede

, 07.04.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit einigen Jahren treffen sich die Bürger in Hengsen und Opherdicke im Frühjahr zur Müllsammelaktion, in der Holzwickeder Innenstadt riefen zwei Bürgerinnen erstmals dazu auf für eine saubere Umwelt zu sorgen.

Oft ist es bewusster Umweltfrevel, wenn Fastfood-Plastik im Gras liegt

Mal eben das Fenster auf und raus mit der Kippe, dem Fastfood-Becher, dem Papiertaschentuch. Es ist so einfach. Manche Zeitgenossen verwechseln die Natur, Nachbars Garten, die Straßenecke in der Innenstadt mit der Mülldeponie. Oft ist es Gedankenlosigkeit, häufig aber bewusster Umweltfrevel, wenn der Unrat durch die Gegend fliegt.

Erstmals auf Sammeltour in Holzwickede: Gut ausgerüstet wurde die Innenstadt von Unrat befreit.

Erstmals auf Sammeltour in Holzwickede: Gut ausgerüstet wurde die Innenstadt von Unrat befreit. © Peter Benedickt

Aber wo es diese Menschen gibt, denen es völlig egal ist, dass Glas eine ewig lange Verrottungszeit hat und Plastik Jahre im Gras überdauert, gibt es auch die Verantwortungsbewussten, die sich zu Sammelaktionen zusammenfinden.

Christine Krämer und Beate Korinth rufen in Holzwickede zur ersten Aktion auf

So bildete sich in Holzwickede eigens eine ganz neue Initiative. Christine Krämer fiel die Unsauberkeit in der Innenstadt bei Spaziergängen mit den Enkelkindern auf. Gemeinsam mit Beate Korinth entschloss sie sich, einen Aufruf zu starten und mit Gleichgesinnten eine Sammelaktion ins Leben zu rufen. „Wir wollen nicht nur Unrat entsorgen, sondern auch das Bewusstsein für eine saubere Umwelt wecken“, hofften die beiden Initiatorinnen auf große Beteiligung.

Jeder „Einzelkämpfer“ ist bei den Müllsammelaktionen in Holzwickede, Hengsen und Opherdicke wichtig.

Jeder „Einzelkämpfer“ ist bei den Müllsammelaktionen in Holzwickede, Hengsen und Opherdicke wichtig. © Peter Benedickt

Unterstützung gab es nicht nur von der Kommune, die den Container stellte: Der BürgerBlock sorgte für Getränke und lud am Ende noch mit Frikadellen und Mettwürstchen zur Stärkung ein. Greifzangen gab es leihweise und auch die Müllsäcke waren eine Spende.

Der Nachwuchs aus den Kindergärten sammelte fleißig mit

Besonders im Fokus lagen Spielplätze und deren Umgebung. „Es muss nicht immer ein Kühlschrank sein, den wir finden“, meinte Christine Krämer. „Selbst Bonbonpapiere gehören nicht in die Hecke oder auf die Straße.“ Eines wollte die Holzwickederin noch unbedingt erwähnen: „Die Zöglinge des Kindergartens Wühlmäuse hatte am Tag vorher schon mal vorgearbeitet.“ Am Samstag kamen dann nicht nur Erwachsene, wieder war der Nachwuchs beteiligt: Der Kindergarten „Hokus Pokus“ schloss sich ebenfalls der Aktion an.

Mengen an zerbrochenen Flaschen und Plastik sind haarsträubend

„Es ist schon haarsträubend, welche Mengen an zerbrochenen Flaschen und Plastik wir entdeckten“, zogen Krämer und Korinth ein Fazit. Freuten sich aber über erlebte Solidarität: „Schön, dass uns so viele Leute unterstützten.“

Schlepper mit Schaufel unterstützten die Freiwilligen bei der Müllsammelaktion in Hengsen.

Schlepper mit Schaufel unterstützten die Freiwilligen bei der Müllsammelaktion in Hengsen. © Peter Benedickt

In Hengsen gingen die Sammler bereits zum siebten Mal auf ihre Runden. Der „Landwirtschaftliche Ortsverband“ stellte drei große Schlepper mit Schaufel zur Verfügung, zwei weitere Trecker unterstützten das Team in Opherdicke. Zudem gab es von der Vereinigung noch die leckere Erbsensuppe am Sammelplatz, dem Sportplatz. Erst herrschte großes Bangen, dass genügend Bürger sich beteiligten, aber kurz bevor es losging, zerstreuten sich die Zweifel: Alle Bezirke konnten besetzt werden.

Ortsvorsteher Friedrich-Wilhelm Schmidt kennt die Schwachstellen

Ortsvorsteher Friedrich-Wilhelm Schmidt kannte die „Schwachstellen“: „An der Schwerter Straße, der Langscheder Straße sowie an der Brauckstraße werden wir immer fündig.“ Diesmal wurde Laminat in Mengen gefunden: „Das war schon mehr als ein Kubikmeter und zudem an drei Stellen großflächig verteilt.“

Erfreut die Organisatoren: Der Nachwuchs beteiligt sich an der Reinigungsaktion. Schließlich ging es auch um Umwelterziehung.

Erfreut die Organisatoren: Der Nachwuchs beteiligt sich an der Reinigungsaktion. Schließlich ging es auch um Umwelterziehung. © Peter Benedickt

Neben den Stammkräften begrüßte der Organisator sogar mehrere Neubürger: „Diese Integration freut mich besonders.“ Intern lief eine Wette, ob diesmal mehr leere Wodka- als Kräuterschnapsflaschen gefunden werden. Leider wurde das Ergebnis verschwiegen.

Opherdicke konnte zwei Sammler nach Hengsen abordnen

Petra Kittl standen in Opherdicke so viele Teilnehmer zur Verfügung, dass zwei Sammler zur Verstärkung nach Hengsen geschickt werden konnten. Günter Dresselhaus war extra aus Holzwickede auf den „Berg“ gekommen: „Ich bin schon mehrfach hier dabei gewesen, es macht mir viel Spaß, da mache ich gerne mit.“

Zusammenarbeit ist auch bei der Entsorgung von Müll wichtig: Petra Kittl freute sich über die gute Beteiligung bei der Sammelaktion in Opherdicke.

Zusammenarbeit ist auch bei der Entsorgung von Müll wichtig: Petra Kittl freute sich über die gute Beteiligung bei der Sammelaktion in Opherdicke. © Peter Benedickt

Gerade über die „Coffee-to-Go“-Becher regte sich Petra Kittl auf: „Die finden wir in jedem Straßengraben und hinter jedem Busch.“ Sie wünschte, dass sich mehr jüngere Bürger finden würden, denn das Alter der Müllsammler lag in der Mehrzahl zwischen 40 bis etwa 60 Jahre. Ein Tatort wurde bewusst hervorgehoben: „Der Parkplatz am Haus Opherdicke war diesmal richtig schlimm.“

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