Mohammad Mohammad ist ein Beispiel für gelungene Integration

dzHilfe für Geflüchtete

Vor dem Assad-Regimes hat er sich gerettet und Syrien als Flüchtling verlassen. Mittlerweile ist Mohammad Mohammad in Holzwickede heimisch geworden. Er arbeitet daran, anderen zu helfen.

Holzwickede

, 26.12.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mohammad Mohammad ist seinem Ziel, andere Menschen zu retten schon wieder einen Schritt näher gekommen. Den Hauptschulabschluss hat er längst in der Tasche, jetzt büffelt er am Märkischen Berufskolleg für die Hochschulreife. Aus den Fängen des Assad-Regimes in Syrien hat sich der 24-Jährige vor drei Jahren selbst gerettet. Bald schon möchte er Menschen retten, ob als Mediziner oder in einem anderen medizinischen Beruf, weiß er so recht noch nicht. Beim DRK aber ist Mohammad schon aktiv, hat bereits 285 Helferstunden als Rettungshelfer absolviert. Mohammad braucht aber Hilfe – Nachhilfe. Und zwar keinesfalls in der deutschen Sprache, die beherrscht er schon sehr gut. Nein, Spanisch muss es sein, denn ohne Spanisch funktioniert es mit dem Abschluss am Berufskolleg nicht.

„Ich hätte nie gedacht, dass das so schwer ist. Sieben Mitschüler haben schon aufgegeben, aber ich will kämpfen. Ich gebe nicht auf“, hat sich der 24-Jährige geschworen, weiterzumachen. Mohammad ist beliebt: „Ich bin Klassensprecher, Schulsprecher und Schulsanitäter“, setzt er nun alle Hoffnungen darauf, jemanden zu finden, der ihm Nachhilfe gibt. „Als Gegenleistung biete ich meine handwerklichen Fähigkeiten an“, möchte Mohammad keine Almosen. In Syrien arbeitete der junge Mann als Schreiner.

Dass Nachhilfe gut ist, hat Mohammad erfahren, als er beim Nachholen seines Hauptschulabschlusses Schwierigkeiten in Mathematik hatte. Mit Karl-Heinz Göbel-Wiemers übt er seitdem. „Ich möchte keine Zeit verlieren und freue mich über jede Hilfe“, hofft der junge Mann auf Angebote.

Flüchtlingsinitiative hilft

Mohammad Mohammad hat wie viele andere Geflüchtete, die in Holzwickede unterkamen, Hilfe beim Unterstützerkreis „Willkommen in Holzwickede“ gefunden und findet sie dort heute noch. Für die Ehrenamtlichen, die sich seit 2015 um die Männer, Frauen und Kinder kümmern, die als Geflüchtete kamen, ist das nahe Ende des Jahres eine gute Gelegenheit, zurückzublicken auf das Erreichte. Roswitha Göbel-Wiemers und Friedhelm Nusch, Sprecher der Initiative, erinnern an zwei Ereignisse, die in guter Erinnerung geblieben sind: das Sommerfest mit Holzwickeder Bürgern und Geflüchteten und der Abend der Begegnung im Advent. „Hier haben alle Beteiligten erleben können, wie lebendig und fröhlich, interessant und verlockend das Miteinander sein kann“, so Göbel-Wiemers.

Die Flüchtlingsarbeit hat sich mittlerweile sehr verändert: „Es geht nicht mehr um die Notversorgung, sondern um Integration in die neue Lebenswirklichkeit hier bei uns.“ Die Geflüchteten brauchen deutsche Freunde und Freundinnen. Sie brauchen und suchen Kontakt zu Menschen, bei denen sie erfahren können, wie sie hier leben können. „Nur Beziehungen geben Halt“, appelliert Göbel-Wiemers, Kontakt aufzunehmen und damit das Fremdsein auf beiden Seiten abzubauen. Menschliche Nähe helfe auch jenen, die schon vier Jahre darauf warten, dass Frau und Kinder endlich nachkommen können „All die vielen kleinen Zeichen, Worte und Gesten sind wertvolle Graswurzelarbeit. Sie ersetzt nicht die Integrationspolitik, aber ohne sie ist Politik wirkungslos. Bauen wir weiter an einem Holzwickede, in dem alle zusammen gut leben können, in dem Herzenswärme kein Fremdwort ist, sondern gerade die erreicht, die sie brauchen. Schaffen wir gemeinsam eine Atmosphäre, die Beheimatung möglich macht.“

www.initiative-holzwickede.de

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