Die Rhenus Logistikgruppe ist einer der größten Arbeitgeber in Holzwickede. Wird hier der Coronaschutz am Arbeitsplatz missachtet? So lautet ein Vorwurf aus der Belegschaft. Das Unternehmen reagiert.

Holzwickede

, 09.07.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Vorwürfe eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin, die diese Redaktion anonym unter der Woche erreicht haben, sind deutlich. Am Holzwickeder Hauptsitz des weltweit agierenden Logistikdienstleisters komme es im Umgang mit dem Coronavirus zu Missständen und niemand in Führungsposition scheint das zu kümmern.

So zählt der unbekannte Hinweisgeber auf, dass

  • der Unternehmensvorstand das Virus verdrängen würde. Mitarbeiter würden aus dem Home Office ins Büro beordert – obwohl die Arbeit für viele Mitarbeiter von zu Hause jederzeit möglich sei.
  • Mitarbeiter-Kontrolle und Außenwirkung demnach die maßgeblichen Gründe für die Rückbeorderung an die Büro-Arbeitsplätze seien.
  • dies problematisch sei, da die Sicherheitsabstände in den Gebäuden am Rhenus-Platz nicht einzuhalten seien.
  • es zur „Rudelbildung“ in den Teeküchen komme. Mitarbeiter ohne Masken würden Kollegen an ihren Arbeitsplätzen zu nahe kommen.
  • mittlerweile wieder alle Plätze belegt würden. Am Platz herrsche keine Maskenpflicht.
  • Kollegen mit Erkältungssymptomen nicht nach Hause geschickt würden.

Der anonyme Hinweis beinhaltet auch konkrete Erfahrungen aus Sicht der betroffenen Person: „Mitarbeiter kommen ohne Maske an meinen Arbeitsplatz. Belehrungen sind wirkungslos.“ Vorgesetzte würden nicht einschreiten, Fehlverhalten bleibe ohne Konsequenzen. Das alles vor dem Hintergrund, dass zum familiären Umfeld des Hinweisgebers Risiko-Patienten gehören würden.

Im Dezember 2018 hat die Rhenus-Gruppe den firmeneigenen Campus am Rhenus-Platz eröffnet. Dieses Foto ist im Vorjahr bei einem Besuch dieser Redaktion entstanden. Für die offenen Arbeitsbereiche gelten momentan noch gesonderte Regeln: So arbeitet die Belegschaft hier laut Rhenus weiter in separaten Teams. Büros wurden so belegt, dass der empfohlene Mindestabstand von 1,50 Meter stets eingehalten werden kann.

Im Dezember 2018 hat die Rhenus-Gruppe den firmeneigenen Campus am Rhenus-Platz eröffnet. Dieses Foto ist im Vorjahr bei einem Besuch dieser Redaktion entstanden. Für die offenen Arbeitsbereiche gelten momentan noch gesonderte Regeln: So arbeitet die Belegschaft hier laut Rhenus weiter in separaten Teams. Büros wurden so belegt, dass der empfohlene Mindestabstand von 1,50 Meter stets eingehalten werden kann. © Udo Hennes

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Coronaschutz

Hygiene- und Abstandsregeln bei der Rhenus

Nach eigenen Angaben hat die Rhenus Gruppe mit Beginn der Covid-19-Pandemie ein Krisenmanagement aktiviert und folgende Maßnahmen eingeführt:
  • Corona-Koordinationsstelle als zentraler Ansprechpartner für Mitarbeiter, Kunden und Partner; kontinuierliche Anpassung des Notfallplans.
  • Verteilung von Masken an die Mitarbeiter und Einführung einer Maskenpflicht bei Verlassen des eigenen Büros, wenn Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.
  • Handdesinfektionsmitteln an neuralgischen Punkten wie Kantine, Empfang, Teeküchen, Flure; Desinfektion von Handläufen, Snack-/Getränkeautomaten, Toiletten etc.
  • Kantine: Ein Teil der Mitarbeiter wird am Arbeitsplatz bewirtet. Essen in der Kantine erfolgt über Anmeldung mit Uhrzeit. Laufwege sind markiert. Besteck und Tablett stehen nicht frei zur Entnahme. Sicherheitsabstände werden kontrolliert, reduzierte Zahl der Sitzplätze.
  • Tägliche Desinfektion der Schreibtische, gemeinsam genutzter Fahrzeuge nach Nutzung, Spritzschutz am Empfang.
  • Weniger Stühle in Besprechungsräumen zur Einhaltung der Abstandsregeln.
  • Aushänge und Vorgesetze informieren über Maßnahmen. Rhenus appelliert an alle Mitarbeiter, sich bei Fehlverhalten gegenseitig darauf aufmerksam zu machen.

Home Office war für viele Arbeitnehmer zwischen März und Mai eher die Regel denn Ausnahme. Viele Unternehmen haben ihre Mitarbeiter in den vergangenen Wochen an ihre angestammten Arbeitsplätze zurückbeordert, entsprechende Hyiene- und Abstandskonzepte hierfür erarbeitet. Das ist bei Rhenus nicht anders, wo man „die übermittelten Vorwürfe sehr ernst“ nehme.

„Die Gesundheit der Mitarbeiter, Partner, Kunden sowie von ihren Familien hat für den Unternehmensvorstand oberste Priorität und steht vor allen wirtschaftlichen Aspekten“, heißt es auf Anfrage dieser Redaktion seitens des Unternehmens.

Seit dem 8. Juni sind die Mitarbeiter am Holzwickeder Hauptsitz angehalten, nach Möglichkeit in ihre Büros zurückzukehren. Wer in den Wochen zuvor entlang der Gottlieb-Daimler-Straße unterwegs war, konnte anhand der überwiegend freien Parkplätze nachvollziehen, dass abteilungsübergreifend ein Großteil der Belegschaft von zu Hause aus gearbeitet haben muss. Seit dem 16. März habe demnach nur ein kleiner Teil der Arbeitnehmer abwechselnd und unabhängig voneinander in Holzwickede gearbeitet.

Kontrolle oder Außenwirkung sei nicht ausschlaggebend für die Rückkehr an den Stammsitz gewesen: „Aufgrund der vorhandenen Infrastruktur können die operativen Standorte der Rhenus im Büro besser unterstützt werden“, so ein Sprecher der Rhenus-Gruppe. Die Gesundheit der Mitarbeiter würde dennoch an erster Stelle stehen.

Laut Rhenus wurden seitens der Mitarbeiter bislang keine Bedenken gegenüber der Personalabteilung oder Vorgesetzten geäußert. Eine Rückkehr an den Arbeitsplatz sei dennoch nach wie vor nicht verpflichtend: „Mitarbeiter aus Risikogruppen oder mit Angehörigen aus Risikogruppen können weiterhin aus dem Home Office arbeiten“, so der Sprecher.

Ein Covid-19-Fall bislang am Stammsitz registriert

Einen Ausbruch des Coronavirus am Stammsitz mit seinen mehr als 800 Mitarbeitern hat es nicht gegeben: Auf Anfrage gibt die Rhenus an, dass bislang ein Mitarbeiter am Standort Holzwickede an Covid-19 erkrankte. „Unmittelbar nach Bekanntwerden im April wurde der Erkrankte unter Quarantäne gestellt.

Rhenus-Gruppe

Muttergesellschaft hat ihren Sitz in Selm

  • Am Rhenus-Platz liegt der Unternehmenssitz der weltweit agierenden Rhenus-Gruppe. Zahlreiche Tochter- und Schwesterunternehmen vereint die Gruppe unter einem Dach.
  • Mit Remondis (Umwelt- und Industriedienstleistungen) und Saria (Bio-Industrie) bildet Rhenus ein Trio unter der Muttergesellschaft Rethmann SE & Co. KG mit Sitz in Selm.
  • Am Rhenus-Hauptsitz In Holzwickede finden sich Unternehmensvorstand sowie Abteilungen in den Bereichen IT, Controlling, Recht oder auch Marketing und Kommunikation. Mehr als 800 Menschen arbeiten hier.
  • Nach eigenen Angaben setzt die Rhenus jährlich rund 5,5 Milliarden Euro um. Mit rund 33.000 Mitarbeitern an 750 Standorten weltweit gehört das Unternehmen zu den größten Logistikern im Land.

In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt wurden Mitarbeiter mit engem Kontakt zum Betroffenen informiert und ebenfalls unter Quarantäne gestellt. Es gab nachfolgend keine weiteren positiven Tests unter den Mitarbeitern“, so der zuständige Sprecher.

Tests in Eigenregie führt das Unternehmen in Holzwickede nicht durch. Man halte sich an die Regularien und Rahmenbedingungen des Landes sowie des Robert Koch-Instituts. Zudem habe man nach Bedarf in Kontakt mit den örtlichen Gesundheitsbehörden gestanden und deren Vorgaben umgesetzt.

Mitarbeiter sind angehalten, zu Hause zu bleiben und ihren Vorgesetzten zu informieren, sobald sie Krankheitssymptome zeigen oder in Kontakt mit positiv getesteten Menschen standen. „Wir sind offen für den Dialog mit unseren Mitarbeitern. Wir würden uns freuen, auch mit dem Hinweisgeber ins persönliche Gespräch zu kommen, um eine zufriedenstellende Lösung zu erreichen“, so der Sprecher.

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