Mit Video: „Hoppy's Treff“ hat Corona-Pause überstanden

dzWiedereröffnung

Das Personal ist geschult, die Theke eingeschweißt – „Hoppy's Treff“ öffnet wieder. Wirt Karsten Hönes hat das Gedenken an seinen Vorgänger, den legendären BVB- Rechtsaußen Hoppy Kurat, bewahrt.

von Martin Krehl

Holzwickede

, 07.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sanft umschmeicheln seine Hände genau den Zapfhahn, den dermaleinst... Nein, ganz so ist es nicht. In „Hoppy's Treff“ bewahrt Wirt Karsten Hönes das Gedenken an den legendären Fußballer schon, aber trotzdem ist er Realist im gastronomischen Hier und Jetzt: „Mit einer schummrigen Spelunke mit Sky-Monitor überm Tresen ist heute nichts mehr zu verdienen.“ Was Karsten Hönes in der Corona-Pause aus „Hoppy's Treff“ gemacht hat – ab dem 8. Juni kann es jeder sehen.

Video
"Hoppys Treff" beendet die Corona-Pause

Dann öffnet das Traditionslokal wieder täglich ab 17 Uhr, mittwochs ist Ruhetag. Hell ist es, freundlich, nett dekoriert, ohne überladen zu sein. Es gibt keine überkandidelte Speisekarte, aber auch nicht bloß Frikadelle-Spezial und „Schni-Po-Sa“, also Schnitzel-Pommes-Salat.

Wimpel mit den Originalunterschriften – zum Beispiel der Europacup-Sieger von 1966 in Glasgow – zieren die Lounge.

Wimpel mit den Originalunterschriften – zum Beispiel der Europacup-Sieger von 1966 in Glasgow – zieren die Lounge. © Marcel Drawe

Und eine schummrige Spelunke war „Hoppy's Treff“ ja längst nicht mehr. Vor zwei Jahren war schon grundrenoviert worden. „Wir haben die Pause jetzt genutzt, nochmal richtig aufzuhübschen und unser Konzept zu überdenken“, sagt Karten Hönes.

Die Kicker-Devotionalien mit Fotos, Trikots und Pokalen des legendären BVB-Rechtsaußen füllen den langen Flur zur Küche. Ein kleines Hoppy-Kurrat-Museum, der Eintritt kostet mindestens ein Pils.

Die Kicker-Devotionalien mit Fotos, Trikots und Pokalen des legendären BVB-Rechtsaußen füllen den langen Flur zur Küche. Ein kleines Hoppy-Kurrat-Museum, der Eintritt kostet mindestens ein Pils. © Marcel Drawe

Dass es so gar keine Beratung und Begleitung bei der unglaublich aufwändigen Umrüstung zur virussicheren Gaststätte gab, das hat den Wirt schon gewundert. Nützte aber nichts, wochenlang wurden Baumärkte abgeklappert und geguckt, wie es denn die anderen machen. Denn jeder Wirt hat jetzt dasselbe Problem: „Wir mussten einen Hygieneplan schreiben und bautechnische Zeichnungen vorlegen“, erzählt Wirt Karsten.

Kunststoff-Stegplatten aus dem Baumarkt zwischen den Sitzbänken und vier Meter Plexiglasfolie an weißgetrichenen Dachlatten um die Theke herum – so können Karsten Hönes' Gäste sich sicher fühlen.

Kunststoff-Stegplatten aus dem Baumarkt zwischen den Sitzbänken und vier Meter Plexiglasfolie an weißgetrichenen Dachlatten um die Theke herum – so können Karsten Hönes' Gäste sich sicher fühlen. © Marcel Drawe

Er hat darauf bestanden, dass zur Eröffnung auch die Abnahme durch das Ordnungsamt erfolgt: „Damit ich dann in Ruhe weiterarbeiten kann.“ Unklar blieb die Frage, ob denn am Tresen bewirtet werden darf: „Ich kann da ja keine Plexiglas-Kabinen abteilen.“ Das ging aber an den Tischen, weil in einem Baumarkt günstige Kunststoffplatten auf Maß zugeschnitten wurden, mit denen man sonst Wintergärten oder Gewächshäuser abdeckt.

Die Höhe der Abtrennung zwischen den Sitzgruppen hat der Freund seiner Schwester bestimmt: „Der ist zwei Meter groß, der durfte da nicht drüber husten können.“ Mit Glasrahmenhaltern passt die lichte Konstruktion, wackelt nicht und Luft haben die Gäste genug.

40 Gäste gleichzeitig möglich in „Hoppy‘s Treff“

Etwa 40 Leute können gleichzeitig in „Hoppy's Treff“ Matjesschnitte „Blauer Montag“, „Onkel Hoppy's Leibgericht“ – das ist ein Filetsteak – oder „Schnitzel Bundesliga“ genießen. Und frisch gezapftes Pils. Die Speisekarten will Karsten Hönes dem Geschmack der Gäste anpassen: „Wir machen auch Vegetarisches, Ofenkartoffeln, Holzwickeder Bruscetta auf Bauernbrot und so“, freut sich der gelernte Koch schon.

„Hier kocht die Chefin selbst“ steht noch an der Küchentür – Marga Kurrat hatte hier das Sagen. Ihr alter Ambassada-Gasherd (rechts) ist Karsten Hönes heute noch nach über 50 Jahren zu Diensten.

„Hier kocht die Chefin selbst“ steht noch an der Küchentür – Marga Kurrat hatte hier das Sagen. Ihr alter Ambassada-Gasherd (rechts) ist Karsten Hönes heute noch nach über 50 Jahren zu Diensten. © Marcel Drawe

In der Küche arbeitet er übrigens immer noch mit Marga Kurrats inzwischen 50 Jahre altem Ambassada-Gasherd. „Margas Frikadellen waren unerreicht in der Stadt“, weiß Karten Hönes, der einige Zeit mit dem legendären Wirte-Ehepaar zusammengearbeitet hat.

Wer war Dieter Kurrat?

  • Dass die 1942 in Dortmund geborene Rechtsaußen-Legende Hoppy Kurrat mit Vornamen Dieter hieß, wusste vermutlich nur seine Frau Marga.
  • Max Merkel holte 1960 den 15-jährigen A-Jugend-Kicker zum BVB.
  • Weil er nur knapp über 1,60 Meter groß war, traute sich Helmut Schön nicht, Hoppy in den Nationalkader aufzunehmen.
  • 247 Erstligaspiele absolvierte der treue Hoppy für seinen BVB, widerstand auch allen Abwerbeversuchen ins In- und Ausland.
  • Deutscher Meister, Vizemeister, Europapokalsieger – zwischen 1960 und 1966 gewann Hoppy Kurrat mit seinem BVB alles, was es zu gewinnen gab.
  • 1974 trainierte Hoppy seinen BVB sogar kurzzeitig.
  • Im Oktober 2017 starb Hoppy Kurrat in Holzwickede nach langer Krankheit. Bis 2012 hatte er seine typische Ruhrpott-Kneipe an der Nordstraße gegenüber der Zeche Caroline geführt.
  • Sein Spitzname stammt von dem Western-Helden Hopalong Cassidy, der mit seinen Revolvern genauso schnell schoss wie Hoppy Kurrat mit den Beinen.

Heute noch gibt sich BVB-Prominenz die Klinke in die Hand. „Klar, die können in Dortmund nicht in Ruhe ein Bier trinken, hier schon.“ Mitglieder des BVB-Ältestenrates tauchen schon mal auf, Lars Ricken ist gerne da, Norbert Dickel auch. Die Holzwickeder Fans sind gelassen und duldsam. „Da hatte auch mal Rudi Assauer seine Zigarrenrauchschwaden in den Himmel geblasen“, erinnert sich der Wirt. „Das hatte selbst ich nicht für möglich gehalten, aber der Rudi hat ja mit Hoppy beim BVB gespielt.“

Drinnen ist alles bereit, draußen gibt es nicht mal Kännchen: Die Raucher müssen vor „Hoppy's Treff“ selbst auf Einhaltung des Mindestabstands achten.

Drinnen ist alles bereit, draußen gibt es nicht mal Kännchen: Die Raucher müssen vor „Hoppy's Treff“ selbst auf Einhaltung des Mindestabstands achten. © Marcel Drawe

A propos Rauchschwaden: Wie die Raucher vor der Tür Abstand halten, weiß Karsten Hönes nicht so richtig. Es werde sich noch einiges ergeben, meint er. Außengastronomie gibt es unterm großen Plastikball an der Fassade erstmal jedenfalls nicht.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Wirtschaft
Die Fleischindustrie im Kreuzfeuer: Das sagt Metzger Thomas Weljehausen zum Tönnies-Eklat
Meistgelesen