Mit T-Shirts: Holzwickeder Modemarke will das Coronavirus „sichtbar machen“

dzWirtschaft

Die Corona-Vorschriften werden immer weiter gelockert. Eine Holzwickeder Modemarke hat das Team einer Arztpraxis mit T-Shirts ausgestattet, deren Aufdrucke zur Vorsicht aufrufen sollen.

Holzwickede

, 02.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

T-Shirts, Sweatshirts, und auch das ein oder andere Accessoire kann man bei „Zapatita“ kaufen. Das Holzwickeder Mode-Start-Up ist noch recht unbekannt. Mit einer Aktion will Geschäftsführer Dirk Dresselhaus seine Marke vorantreiben – und gleichzeitig ein aktuelles Thema aufgreifen.

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Dresselhaus hat T-Shirts mit Durchhalte-Parolen für die restliche Corona-Zeit gefertigt, die er nach und nach unter die Leute bringen möchte. Denn: Nach seiner Auffassung sind die Menschen in vielen Bereichen verfrüht zur Normalität übergegangen. Volle Strände in mehreren europäischen Ländern, überfüllte Kneipen in Großstädten: All das kann man in diesen Tagen auf Bildern im Internet oder im Fernsehen beobachten.

Menschen benehmen sich so, als gäbe es keine Pandemie mehr

Zapatita

Mode aus Holzwickede

  • „Zapatita“ verkauft Mode für Frauen im Alter zwischen 25 und 55 Jahren. Im Sortiment gibt es neben T-Shirts und Sweatshirts auch das ein oder andere Accessoire.
  • Inhaber Dirk Dresselhaus setzt auf einen reinen Online-Handel, den er aus einem Lager in Holzwickede betreibt. Wie er erzählt, findet die komplette Produktion in Deutschland statt.
  • Sein Unternehmen besteht aus einem ziemlich kleinen Team. Dazu zählen neben einer Designerin auch eine Hand voll Mitarbeiter, die nicht alle fest angestellt sind. „Wie bei einem typischen Start-Up eben“, sagt Dresselhaus.

Es sei fast so, als gäbe es keine Pandemie mehr, so seine These. Aus seiner Sicht einer Trugschluss: „Wir haben vorher schon geahnt, dass sich die Leute recht schnell nicht mehr an die Regeln halten würden und etwa keinen Abstand mehr halten“, sagt der Modemacher. Er mahnt zur Vorsicht: „Das ist ein wahnsinnig gefährliches Ding, dass da gerade stattfindet. Wenn es schlimm läuft, dann fliegt uns das früher oder später noch um die Ohren.“

Gemeint sind damit teils dramatische Auswirkungen von steigenden Infektionszahlen auf das Gesundheitssystem, wie man sie unter anderem in Italien und den USA beobachten kann. In Deutschland habe man die Pandemie zwar bisher insgesamt ganz gut im Griff gehabt. Das könne sich aber ändern. Dresselhaus sieht daher auch die Modebranche in einer neuen Verantwortung.

Corona-Shirts sollen das Virus wieder in die Köpfe bringen

Unter dem Motto „Es ist noch nicht vorbei – Mode und Medizin gegen Corona“ hat er eine Kooperation mit der Arztpraxis von Dr. Udo Pappert geschlossen. Das gesamte Praxis-Team ist mit T-Shirts ausgestattet worden, die sie in den kommenden Wochen ihren Patienten präsentieren werden. Die Oberteile sind in einem schlichten, hellen Ton gehalten, unterscheiden sich optisch nur wenig von der praxisüblichen Kleidung.

Corona-Chronik

Der mahnende Aufruf des Mediziners Dr. Udo Pappert

  • Dass die Kooperation ausgerechnet mit dem Mediziner Dr. Udo Pappert geschlossen wurde, ist kein Zufall. Erstens ist Modemacher Dirk Dresselhaus Patient in seiner Praxis, zweitens hat Pappert schon zu Beginn der Corona-Krise bezüglich dieses Themas auf sich aufmerksam gemacht.
  • Ende Februar kritisierte er in einem selbst aufgezeichneten Video die Engpässe an Hygiene-Artikeln in seiner Praxis. Nach Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland ist die Versorgung für mehrere Wochen regelrecht zusammengebrochen. Pappert drohte in dem Video, das im Internet viral gegangen ist, seine Praxis zu schließen, wenn er eine angemessene Behandlung seiner Patienten nicht mehr gewährleisten könne.

Der Unterschied liegt im Design, besonders in den Aufdrucken: Auf ihnen stehen Parolen, die etwa zur Einhaltung des Abstands auffordern. Er und Dr. Pappert wollten damit das „Coronavirus sichtbar machen, es wieder in die Köpfe bringen“.

Die Aktion, so erklärt Dresselhaus, sei aber nicht nur auf die Praxis von Dr. Pappert beschränkt. Sollte es Interessenten geben, so könne er auch Privatpersonen oder Unternehmen damit ausstatten. Wieviel Interessierte dafür bezahlen müssten, habe er noch nicht geplant. Denkbar sei aber, dass die Kunden „nur“ einen kleinen Teil der Kosten für die T-Shirts tragen, der die Kosten zur Produktion deckt. Profit will Zapatita mit der Aktion jedenfalls nicht machen.

„Die Party des einen ist der Tod des anderen“

Dresselhaus, der hauptamtlich als Professor an der Fachhochschule in Münster tätig ist, macht aber keinen Hehl daraus, dass es ihm auch um die Vermarktung seines Mode-Start-Ups geht. In der Modebranche ist er erst seit wenigen Jahren tätig, sein Unternehmen befinde sich noch in der Aufbauphase.

Designerin Birgit Döhr gehört zum kleinen Team der Marke „Zapatita“, die mit ihrer Mode Holzwickeder zum vorsichtigen Verhalten in der Corona-Krise aufrufen will.

Designerin Birgit Döhr gehört zum kleinen Team der Marke „Zapatita“, die mit ihrer Mode Holzwickeder zum vorsichtigen Verhalten in der Corona-Krise aufrufen will. © arctricon GmbH

Die Zahl der Aufträge halte sich noch in Grenzen: „Wir sind sicherlich noch nicht da, wo wir sein möchten. Kunden kann man nie genug haben“, sagt Dresselhaus. Dass er mit seiner Aktion etwas Gutes tun kann, ist eine positive Begleiterscheinung, „denn die Party des einen ist der Tod des anderen“, sagt er und hofft, dass er die Menschen zur Vorsicht bewegen kann.

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