Mit Service und Know How gegen die Online-Konkurrenz

dzGartenbahnen aus Holzwickede

Peter Feske hat vor fünf Jahren seine Nische gefunden: Sein Laden an der Hauptstraße hat sich im Bereich Modellbau auf Gartenbahnen spezialisiert. Feske setzt nicht allein auf den Verkauf.

Holzwickede

, 23.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Eine Sache macht Peter Feske von Anfang an klar: „Müsste ich davon leben, hätte ich den Laden längst zugemacht.“ Das wird auf absehbare Zeit nicht geschehen, denn Feske hat sich mit seinem Laden vor fünf Jahren einen Traum erfüllt: „Ich hatte früher eine gute Anstellung bei Thyssen. Mit 58 Jahren habe ich eine ordentliche Abfindung bekommen und konnte hier aufmachen“, sagt Feske. So lange Miete und laufende Kosten gedeckt sind, sei er zufrieden. Zwar bietet sein Geschäft auch einige Modellbausätze abseits von Eisenbahnen, hauptsächlich richtet sich das Angebot aber an Eisenbahnfreunde und hier speziell an Menschen, die ihre Züge in Spur G durch den heimischen Garten tuckern lassen.

Feskes Leidenschaft für Eisenbahnen im Maßstab 1:22,5 begann mit einem Weihnachtsgeschenk für den Sohnemann. „Das war damals die klassische Runde um den Tannenbaum“, sagt Feske. Die Bahn sei eine für den Außenbereich gewesen, drehte dennoch ihre Runden in der damaligen Wohnung. Als die Feskes später ihr eigenes Heim gebaut hatten, musste auch eine Bahn für den Garten her.

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Die Spur H0 gilt wohl als die geläufigste Spurgröße unter Modelleisenbahnen. Der Maßstab für die Loks liegt hier bei 1:87. Bei den Gartenbahnen beträgt der Maßstab 1:22,5. © Marcel Drawe

Seinen Laden hat Feske bewusst in Holzwickede und nicht etwa in Unna in der Innenstadt angesiedelt. „Zum einen war das natürlich eine Frage der Miete. Aber hier liege ich an einer Durchgangsstraße direkt an einer Ampel. Die Autos halten, die Menschen schauen und nicht selten kommt später jemand vorbei und sagt, dass ihm der Laden im Gedächtnis geblieben ist“, sagt Feske. Dennoch hat er seinen festen Kundenstamm, darunter alleine ein gutes halbes Dutzend Bahnliebhaber aus Holzwickede.

Zu vielen Stammkunden gibt es eigene Anekdoten. Zum Beispiel über die beiden Nachbarn, die aufmerksam verfolgen, was sich der jeweils andere an Bahnen und Zubehör zulegt, um dann jeweils mit Neuanschaffungen zu kontern. Das Klientel an Kunden sei dabei meist nicht mehr ganz jung. „Familie, Haus und Beruf sind meist geregelt, bevor man damit anfängt“, sagt Feske und fügt an: „Es gibt aber auch den jungen Mann, der im kommenden Jahr eine Lehre bei der Bahn beginnt und jetzt anfängt, sich eine Bahn aufzubauen.“ Dass das Hobby kostspielig ist, verschweigt Peter Feske nicht. Eine einfache Gartenbahnanlage koste schon um die 1000 Euro. Ohne schmückendes Zubehör wie Gebäude versteht sich. Die teuersten Loks an der Hauptstraße sind für sich alleine mitunter für vierstellige Beträge zu haben.

Service geht vor Preis

Im Internet finden Modellbahnfreunde so manche Bahn günstiger, aber für den gebürtigen Dortmunder Feske ist das kein Kriterium. Es komme schon mal vor, dass jemand Probleme mit Waren aus dem Online-Handel hat und Beratung bei ihm sucht. Das lehnt Feske dankend ab. Wer bei ihm vor Ort kauft, bezahlt immer auch den Service mit. Wegwerf-Artikel sind die Miniaturen nämlich nicht. Wenn etwas kaputt geht, kann es Feske in den meisten Fällen reparieren. Der gelernte Schlosser optimiert die Produkte auch auf Wunsch und stellt Zubehör selbst her.

Straßenlaternen, Telegrammleitungen, Figuren arbeitet er in seiner Werkstatt in Dortmund-Asseln auf oder entwickelt sie selbst. Der gelernte Schlosser fertigt dafür auch sein eigenes Werkzeug an. Schienen bringt er mit einem selbstgebauten Biegegerät in die gewünschte Form. Im Handel werden die Schienen zudem meist per Steckverbindung zusammengehalten. „Auf längeren Strecken geht dabei viel Strom verloren“, sagt Feske. Seine Lösung: So wie es in früheren Zeiten im Original gemacht wurde, verbindet er einzelne Schienen mit kleinen Schrauben. Das hemmt den Energieverlust. Auch werden Waggons meist mit Plastikrädern verkauft. „Die fahren Staub und Dreck auf den Gleisen fest. Ich tausche gegen Metallräder, damit werden die Schienen blank gefahren“, sagt Feske.

Mit Service und Know How gegen die Online-Konkurrenz

Mit diesem selbstgebauten Biegegerät richtet Peter Feske verzogenen Schienen oder krümmt sie bis zum gewünschten Grad. © Greis

„Die Kunden sind sehr detailverliebt“, sagt seine Frau Sigrid Feske, die die Leidenschaft ihres Mannes mitträgt. Das sorge schon mal für die eine oder andere Diskussion zwischen Kunde und Ladeninhaber. „Im Laden oder Online kaufen – das ist auch eine Frage der Gewährleistung. Mit mir kann man diskutieren und ich kann gegebenenfalls nachbessern“, sagt Peter Feske. Die Detailversessenheit der Kunden öffnet ihm neben der Werkstatt noch eine weitere Einnahmequelle – und die entspringt ausgerechnet dem Internet. „Die Teile eines Autos bringen meist mehr als der komplette Wagen“, sagt Feske. So sei das auch im Miniaturformat. „Es gibt Loks aus 1000 Einzelteilen, die sind wie das Original. Nur eben im Maßstab 1:22,5“, weiß Feske, der Ersatzteile auch im Netz verkauft. Stationärer Fach- und Onlinehandel schließen sich nicht per se aus. Eine eigene Bahn im Garten hat Peter Feske übrigens nicht mehr: „Dafür fehlt mir einfach die Zeit.“

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