Wer in der Öffentlichkeit auf die Toilette muss, der hat wegen des Corona-Lockdowns momentan weniger Möglichkeiten. (Symbolbild) © picture alliance / Inga Kjer/dpa
Corona-Pandemie

Mit praller Blase in Unnas Innenstadt: Für eine Holzwickederin endete die Suche im Gebüsch

Eine Frau aus Holzwickede berichtet von einer unangenehmen Situation. Weil sie in der Unnaer Innenstadt keine Toilette gefunden hat, hat sie ein Bußgeld riskiert – und ihre Notdurft in der Natur verrichtet.

Momentan ist im Großteil der Zentren von Städten und Gemeinden ohnehin weniger los als sonst. Wenn man bestimmte Probleme hat, gibt es dort momentan meist weniger Lösungen. Die Holzwickederin Jasmin H. war zum Ende der vorigen Woche in der Innenstadt von Unna unterwegs und musste plötzlich ein spezielles Bedürfnis befriedigen. Sie musste dringend auf die Toilette.

Momentan ist das in der Öffentlichkeit aber nicht ganz so einfach. In den geschlossenen Geschäften und Lokalen geht sowieso meist gar nichts. Und auch was geöffnet ist, lässt in der Regel keine Kunden oder Besucher aufs „stille Örtchen“.

Die Corona-Pandemie hat Unna weiter im Griff. Am Donnerstag meldete das Kreisgesundheitsamt zwölf neue Fälle für die Kreisstadt.
Die Corona-Pandemie hat Unna weiter im Griff. Am Donnerstag meldete das Kreisgesundheitsamt zwölf neue Fälle für die Kreisstadt. © Dirk Becker © Dirk Becker

Die 42-jährige Holzwickederin, die ausgerechnet zuvor am selben Tag noch einen Corona-Schnelltest im Testzentrum am Dortmunder Flughafen gemacht hatte und nach eigenen Angaben das Ergebnis mit sich trug, suchte eine Zeit lang eine Möglichkeit, irgendwo in der Unnaer Innenstadt ihre Blase zu leeren.

Ein Bußgeld wäre kein Problem

Ihre Suche entwickelte sich mit der Zeit zu einer regelrechten Odyssee. In ihrer „Not“, so berichtet die Frau aus der Emscherquellgemeinde, habe sie unter anderem das Corona-Testzentrum am Unnaer Kino aufgesucht und sich dort Zutritt zur Toilette erhofft. Aber auch dort gab es keine Chance.

Anschließend sei sie gezwungen gewesen, sich ein ruhiges Plätzchen in der Natur zu suchen und dort zu urinieren. Ihr Schamgefühl hält sich in Grenzen. Ein Bußgeld, so erklärt die Holzwickederin, würde sie angesichts der Umstände „mit einem Lächeln zur Kenntnis nehmen“, weil sie sich keiner Schuld bewusst ist. Sie ist jedenfalls der Meinung, dass so etwas nicht vorkommen dürfte. Sie hält es für „menschenunwürdig, jemandem zu verwehren die Notdurft zu verrichten“.

„Deshalb können wir die Toilette nicht freigeben“

Guido Rottstegge, Chef im Kinorama in Unna, erklärte auf Anfrage, dass er bei solchen Sachverhalten kaum Handlungsspielraum hat. Es gebe entsprechende Vorgaben aus der Politik, die er als Unternehmer schlichtweg umzusetzen hat: „Deshalb können wir die Toiletten für die Öffentlichkeit nicht freigeben“, sagte er. Ausnahmen könne man dabei nicht machen.

Etwas Aufmerksamkeit für den täglichen Besuchsort: Am 19. November ist Welttoilettentag. © picture alliance / dpa © picture alliance / dpa

Außerdem gebe es vor Ort ohnehin nicht die personellen Kapazitäten, um die Toiletten häufiger zu reinigen. „Das tut mir natürlich leid für die Frau“, betonte Rottstegge, „aber das machen wir auch nicht gerne. Uns sind da die Hände gebunden.“

Er selbst würde es begrüßen, wenn sich an den Vorgaben etwas ändern würde, damit er Menschen mit voller Blase in Zukunft nicht mehr abweisen muss. Einfluss habe er darauf aber nicht.

Die Verhältnismäßigkeit stimmt nicht

Jasmin H. zweifelt zumindest vor allem an der Verhältnismäßigkeit der Corona-Regeln, die in den Verordnungen stehen. „So darf man quasi ungetestet in einem großen Lebensmittelgeschäft mit vielen Menschen einkaufen und auch die dort befindlichen Toiletten benutzen“, sagt sie.

Mit einem negativen Coronatest und der Bereitschaft persönliche Daten anzugeben, „darf ich aber eine Toilette in einem Coronatestzentrum nicht benutzen?“ Für sie ist das ein Widerspruch.

Das Thema Toilettensuche in der Innenstadt ist ihrer Auffassung nach eines, das seit einem Jahr viele Menschen beschäftigt: „Ich bin diesbezüglich auch schon mit anderen ins Gespräch gekommen. Gerade Frauen teilen meine Meinung. Für eine Frau ist es schwer mit Toilettengängen in der Öffentlichkeit. Gerade Ältere und Schwangere sind in so einer Situation wirklich in Not.“

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski
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