Täglich bekommt fast jeder Internet-User tückische E-Mails mit scheinbar verlockenden Angeboten. Für einen Mann aus Holzwickede wurde aus einem Klick in die Mail ein regelrechter Albtraum.

Holzwickede

, 21.11.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Was die meisten Menschen in ihrem Mail-Postfach einfach überlesen, übte auf Peter Müller (Name geändert) einen großen Reiz aus. Er habe im Lotto gewonnen, hieß es in der Betreffzeile einer seiner E-Mails. Vor knapp einem Jahr ahnte er noch nicht, was dieser eine Klick am Computer für Folgen haben würde.

Aus Scham möchte er anonym bleiben. Außerdem fürchtet er weitere Konsequenzen. Er fiel nämlich auf eine gemeine Masche von Internet-Betrügern herein. Versprochen wurde ihm die beachtliche Summe von 10 Millionen Euro. Ein vermeintlicher Gewinnspiel-Anbieter aus Spanien stellte aber ungewöhnliche Forderungen, die er zu erfüllen hatte, ehe er das Geld ausgezahlt bekommen sollte.

„Der kam unfassbar glaubwürdig rüber“

Skeptisch war der 55-Jährige nicht. Zu verlockend schien das Angebot zu sein. Nachdem er auf die Mail geantwortet hatte, bekam er kurz darauf einen Anruf: „Ich habe lange mit einem Mann gesprochen. Der kam unfassbar glaubwürdig rüber“, erinnert er sich.

Im Telefonat erklärte der mutmaßliche Betrüger, der nur gebrochen deutsch sprach, dass Müller zunächst eine Bearbeitungsgebühren in Höhe von 22.000 Dollar überweisen müsse, um seinen Millionengewinn ausgezahlt zu bekommen.

Scheck über 22.000 Dollar ausgestellt

Als er erklärte, dass er über so viel Geld nicht verfüge, schlug ihm der vermeintliche Mitarbeiter des Gewinnspielanbieters vor, dass es noch eine andere Alternative geben würde. Unter dem Namen einer us-amerikanischen Bank, die seit 2001 nicht mehr existiert, schickte ihm der mysteriöse Fremde einen Scheck über 22.000 Dollar zu.

Dieses Geld sollte Müller auf sein Bank-Konto einzahlen. Nach dem Eingang sollte er das Geld wieder zurück bezahlen. Anschließend würden die 10 Millionen Euro fließen. Heute ist klar: Der Gewinn wäre sicher nicht auf seinem Konto eingegangen. Und noch schlimmer: Die Masche sah vermutlich vor, dass der Scheck der fiktiven Bank über 22.000 Dollar platzt, Müllers Geld hingegen wäre dann schon längst weg gewesen.

Bankangestellte weigerte sich, das Geld einzuzahlen

Durch eine aufmerksame Bankangestellte hatte Müller aber Glück im Unglück. Ihr war aufgefallen, dass es sich dabei um einen Betrugsversuch handeln muss. Sie weigerte sich, das Geld für 55-Jährigen einzuzahlen. In die Falle ist er auch dank der Bank-Mitarbeiterin nicht hineingetappt.

Anschließend hat er bei der Polizei eine Anzeige erstattet. „Da ist aber nichts bei rum gekommen“, erzählt er. Und als sei es damit nicht genug: Das war nicht die einzige Mail, auf die Müller mit der Zeit geantwortet hatte.

„10 Millionen Euro ist eine Menge Geld“

Zwischendurch hatte er regelmäßig immer wieder telefonisch Kontakt zu mehreren Betrügern. Als sie merkten, dass er auf die Masche ansprang, witterten sie sicher leichtes Spiel und unterbreiteten ihm neue Angebote. Die Frage, weshalb er so gutgläubig auf diese Tricks hereingefallen ist, kann er schlecht beantworten. „10 Millionen Euro ist eine Menge Geld“, sagt er und zuckt mit den Schultern.

Mit Lottogewinn gelockt: Mann (55) aus Holzwickede fällt auf fiese Internet-Masche rein

Peter Müller bekam einen Scheck (hier eine Kopie) in Höhe von 22.000 Dollar zugeschickt. Den sollte er bei seiner Bank einzahlen und das Geld zurück überweisen. © Carlo Czichowski

Was möglicherweise auch mit für für sein Verhalten verantwortlich war, ist seine persönliche Leidensgeschichte. Müller ist nämlich chronisch krank. Als Selbstständiger in einem Ein-Mann-Handwerksbetrieb musste er deshalb 2015 Insolvenz anmelden.

Trotz schwerer Krankheit berufstätig

Trotz seiner Krankheit arbeitet er bis heute weiter, auch wenn er nicht weiß, wie lange das noch gehen wird. „Für dieses Jahr habe ich noch viele Aufträge“, erklärt er. Das Geschäft laufe gut. Geldsorgen habe er nicht.

Mit Blick auf seine unheilbare Krankheit sah er in dem Millionengewinn eine Möglichkeit, mit einem Schlag ausgesorgt zu haben. Stattdessen hat er seit dem Betrugsversuch nur Scherereien: „Meine Bank hat inzwischen beide Konten gekündigt“, sagt er. Neben seinem privaten ist auch sein geschäftliches davon betroffen.

Bank hat zwei Konten geschlossen

Dass das mit seiner Insolvenz zu tun haben könnte, hält er für unwahrscheinlich. Das Kündigungsschreiben habe er nämlich kurz nach dem Vorfall erhalten, wie er berichtet. Für sein Geschäft hat das vorerst jedenfalls schlimme Konsequenzen. Bis er ein neues Konto eröffnet hat, hat er keine Möglichkeit, Geld zu überweisen oder zu empfangen.

Mit seiner Frau hat er über den Betrugsversuch offen gesprochen. Dass die Konten geschlossen wurden, weiß sie bisher noch nicht. „Die kriegt einen Anfall“, sagt er mit sorgenvoller Miene. „Meine Frau hat mich angefleht, nicht mehr mit denen zu sprechen.“

Er wendet sich an die Öffentlichkeit, weil er andere davor bewahren möchte, dass sie auf so eine Masche hereinfallen. Mails mit verlockenden Angeboten klickt er seitdem nicht mehr an. Mit den Betrügern spricht er auch nicht mehr, auch wenn sie mit der Zeit immer wieder versucht haben, ihn anzurufen. „Aber das ist jetzt vorbei“, sagt er.

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