Mehrkosten im Kreisjugendamt werden Kommunen auch künftig belasten

dzNachzahlungen über differenzierte Kreisumlage

Holzwickede, Fröndenberg und Bönen müssen Mehrkosten des Kreises Unna im Kinder- und Jugendbereich in Höhe von 3,4 Millionen Euro ausgleichen. Der Kostendruck auf die Kommunen wird auch künftig nicht sinken.

Holzwickede, Fröndenberg

, 25.06.2020, 14:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor rund einem Monat eröffnete der zuständige Dezernent Torsten Göpfert im Jugendhilfeausschuss des Kreises Unna, das auf Holzwickede, Fröndenberg und Bönen eine Nachzahlung über insgesamt rund 3,4 Millionen Euro zukommt.

Da diese nicht über eigene Jugendämter verfügen, übernimmt der Kreis hier die Leistungen im Bereich Familie und Jugend, stellt das den drei Kommunen über die differenzierte Kreisumlage in Rechnung. Der Jahresabschluss für 2019 hat nun die Mehrkosten im Millionenbereich offenbart.

In einer Sondersitzung des Fachausschusses äußerte sich Göpfert nun unter der Woche zu den Gründen für das negative Ergebnis. „Die Entwicklung ist bedauerlich. Wir haben im Kreis unsere selbst gesteckten Ziele nicht erreicht“, sagte Göpfert.

Hilfen zur Erziehung belasten das Budget

Maßgeblich für den Kostensprung sei demnach eine Fehlkalkulation im letztjährigen Budget bei den Hilfen zur Erziehung. Alleine im stationären Bereich, der beispielsweise gemeinsame Wohnformen für Mütter und Väter mit ihren Kindern erfasst, in denen diesen Unterstützung zusteht, belaufen sich die Mehraufwendungen auf rund 2,58 Millionen Euro.

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Mangelnde Reife, psychische Erkrankungen sowie Suchterkrankungen sind demnach die häufigsten Gründe für eine Unterbringung in betreuten Einrichtungen. Hier seien die Fallzahlen zum Jahresende gestiegen. Göpfert gab zu, dass man in dem Bereich in der Vergangenheit mit anderen, günstigeren Maßnahmen kalkuliert habe. Eine Fehleinschätzung, wie der Dezernent offen einräumte.

„Man muss aber auch sagen, dass jeder Euro in Hilfen zur Erziehung sicher gut investiertes Geld ist. Auch wenn der Bereich schwer zu planen ist, müssen wir es aber besser planbar machen“, so Göpfert.

Kommunen müssen auch im kommenden Jahr mit Mehrkosten rechnen

Für die drei Kommunen hatte der Dezernent dennoch die Hiobsbotschaft, dass sich der Kostentrend auch im laufenden Jahr fortsetzt, da der aktuelle Haushaltsansatz ebenfalls auf der genannten Fehlplanung beruht. Die Kämmerer in Holzwickede, Fröndenberg und Bönen müssen also damit rechnen, dass in einem Jahr die nächste Nachforderung bei ihnen eintrudelt.

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Hoher Kostendruck herrscht zudem im Bereich der Kinderbetreuung. Im negativen Jahresabschluss des Kreisjugendamtes stecken auch 620.000 Euro an Mehraufwendungen über Betriebskostenzuschüsse. „Und da prophezeie ich, dass wir noch nicht am Ende des Kita-Ausbaus sind“, so Göpfert. Auf die Ausführungen des Dezerneten im Jugendhilfeausschuss folgte die Forderung aus der Politik, ein Finanzcontrolling zu etablieren, um frühzeitig solchen Entwicklungen entgegenzuwirken.

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