Sie wird wohl nicht zu retten sein: Die mächtige Eiche im Zentrum der Kleingartenanlage am Oelpfad ist gebrochen. Noch steht ein Teil des Baumes, dass er stehen bleiben kann, ist unwahrscheinlich.

Holzwickede

, 28.09.2020, 15:26 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es muss ein unheimliches Geräusch gewesen sein, das einige der Kleingärtner am vergangenen Freitag wahrgenommen haben. Die alte und mächtige Eiche auf einer Wiese in der Mitte der Kleingartenanlage am Oelpfad knirschte und knarzte. „Drei Mal hatten Anlieger auch ein richtiges Knacken gehört“, sagt KGV-Sprecher Karl-Heinz Lauer.

Die Kleingärtner bemerkten zudem einen Spalt in einer Astgabel etwa drei Meter über dem Boden, der langsam aber kontinuierlich größer wurde. „Wenn der Wind in die Krone fuhr, hat man gesehen, wie sich die Stelle aufspaltete. Nach einer Stunde war klar, dass der Baum auseinandergeht. Da haben wir die Feuerwehr gerufen“, so Lauer.

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Massive Eiche im KGV am Oelpfad nach Bruch nicht zu retten

Die war am Freitagabend noch mit einem Unfall auf der Goethestraße befasst, unterstützte hier die Rettungs- und Polizeikräfte. Als die Kameraden von Zug I gegen 19 Uhr in der Anlage eintrafen, war schnell klar: Den Bereich weiträumig absichern und die umliegenden Zellen evakuieren. „Wir haben zwar Kameraden, die für solche Einsätze besonders geschult sind. Aber die Eiche war zu groß, die Äste verdreht. Das wäre zu heikel gewesen. Da riskieren wir nicht die Gesundheit der Einsatzkräfte“, so Einsatzleiter Jens Preetz.

Gefahr im Verzug ruft Baumexperten auf den Plan

Stattdessen war die Expertise des Baumsachverständigen Gerrit Hermes gefragt, der denn auch gleich dazu riet, eine Baumpflegefirma zu verständigen – Gefahr im Verzug. „Bei Eichen baut sich in solchen Fällen langsam immer mehr Druck auf. Da reißt Faser für Faser“, sagt Hermes. Die ausladende Krone, Stress für den Baum durch Trockenheit und dazu ein enormes Gewicht durch zahlreiche Eicheln – das war dann zu viel.

Die Wege rund um den Baum waren am Montag übersät mit Eicheln. Eichen stehen derzeit unter Vollmast, müssen ein enormes Gewicht durch die vielen Früchte tragen.

Die Wege rund um den Baum waren am Montag übersät mit Eicheln. Eichen stehen derzeit unter Vollmast, müssen ein enormes Gewicht durch die vielen Früchte tragen. © Greis

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„Da konnten wir auch niemanden mehr per Hubsteiger in den Baum schicken. Wir haben per Teleskopgabler und Harvesteraufsatz versucht, ein paar Äste aus der Krone zu nehmen, aber es war zu spät“, sagt Stefan Beukelmann, Chef der angeforderten Firma Taxus aus Lünen. Hätte sich der Gabler gar einen der dicken Äste gegriffen – die Kraft des brechenden Baumes hätte den Radlader wohl umgeworfen.

„Wir haben eine Not-Hotline für solche Fälle, die nicht unüblich sind. Das Problem taucht bei vielen Bäumen mit großen Kronen auf, deren Starkäste nah am Boden vergabeln. Die Äste wollen ins Licht und bieten dem Wind dann eine Angriffsfläche“, so Beukelmann.

Beim Bruch wurde ein benachbarter Kleingarten in Mitleidenschaft gezogen. Davon abgesehen verlief der Einsatz glimpflich – auch weil alle Anlieger frühzeitig den Gefahrenbereich verlassen mussten.

Beim Bruch wurde ein benachbarter Kleingarten in Mitleidenschaft gezogen. Davon abgesehen verlief der Einsatz glimpflich – auch weil alle Anlieger frühzeitig den Gefahrenbereich verlassen mussten. © Greis

Feuerwehr und Baumpfleger bis Mitternacht im Einsatz

Zusammen mit der Feuerwehr war man am Freitag letztlich bis Mitternacht im Einsatz, um die gebrochenen Äste klein zu sägen und den Teil der Eiche, der aktuell noch steht, durch Entlastungsschnitte so zu sichern, dass ein Umkippen verhindert wird.

Der Baumsachverständige Gerrit Hermes glaubt, dass auch dieser Teil der Eiche noch abgetragen werden muss. „Die Entlastungsschnitte haben kurzfristig geholfen, aber eigentlich grenzt es schon an ein Wunder, dass die Seite nicht auch noch runtergekommen ist.“

Hätte man den Bruch verhindern können? „Eine Sicherung mit Gurten hätte sicher geholfen. Aber: Zu erkennen, ob und wann man eingreifen muss – das durchaus schwer zu erkennen“, sagt Hermes. Er verweist zudem auf eine Faulstelle im Stamm, die Ausgangspunkt für den jetzigen Bruch gewesen sein könnte – aber nicht zwingend gewesen sein muss. „Die Fasern sehen bis auf diese kleine Stelle alle in Ordnung aus. Gerade bei einem Naturdenkmal ist man eher zurückhaltend“, so Hermes.

Eine Hälfte der Eiche steht noch, ist laut den Baumexperten, die vor Ort im Einsatz waren, aber eher nicht zu retten.

Eine Hälfte der Eiche steht noch, ist laut den Baumexperten, die vor Ort im Einsatz waren, aber eher nicht zu retten. © Greis

Als Naturdenkmal ist die Eiche beim Kreis Unna gelistet. Und steht damit eigentlich unter Aufsicht der Unteren Landschaftsbehörde. Wie man sich hier zu dem Bruch und dem Einsatz am Freitag verhält, interessiert auch die Kleingärtner, die laut Karl-Heinz Lauer bereits um Stellungnahme gebeten haben.

Schließlich müsse geklärt werden, wer die Kosten für den abendlichen Einsatz übernimmt und wie es mit der Eiche nun weitergeht. Der KGV sieht sich jedenfalls nicht in der Pflicht: „Die Eiche steht ja quasi auf öffentlichem Grund und stand auch schon, als der KGV 1974 den Garten gepachtet hat.“

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Sowohl Lauer als auch Hermes taxieren das Alter des Baumes auf etwa 100 Jahre. Gewissheit über das Alter hätte man beim Blick auf die Ringe des Stammes, sollte die Eiche komplett gekappt werden. „Es ist schade, dass es so gekommen ist. Es war ein mächtiger und imposanter Baum“, so Hermes.

Die Kleingärtner um Karl-Heinz Lauer trifft der Bruch ins Mark: „Das war ein absolutes Wahrzeichen und ein Anziehungspunkt im Garten.“ Die Eiche war als Mittelpunkt der Anlage regelmäßiger Ort für Feste oder auch Freiluft-Gottesdienste. Am Montag war der Bereich weiterhin weitläufig abgesperrt. Antworten auf Anfragen dieser Redaktion beim Kreis Unna standen zunächst noch aus.

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