Geht es nach dem Investor, wird der Holzwickeder Westen zum Logistikstandort. Ein Ratsvertreter macht klar, dass dies eine „skandalöse“ Entwicklung wäre.

Holzwickede

, 30.10.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Bürotrakt ist schon weg, die Werkshallen stehen ebenfalls nicht mehr lange: Nach dem Verkauf der einstigen Künstler-Gewerbefläche im Frühjahr an einen privaten Investor wird der nun aktiv: Die laufenden Abrissarbeiten sind Zeichen für neues Gewerbe im Holzwickeder Westen.

Und was hier auf mehr als 100 Jahre Künstler Bahntechnik, die seit dem Vorjahr in Hamm ansässig ist, folgen könnte – das schmeckt weiten Teilen der hiesigen Lokalpolitik nicht.

Im Planungs- und Bauausschuss am Donnerstagabend wurde auf Anfrage der SPD-Fraktion bekannt, dass ein Investor namens Hillwood HWE Germany GmbH mit Sitz in Düsseldorf das Gelände erworben hat.

Gemeinde bekam den Zuschlag für das Gelände nicht

Zur Erinnerung: Auch die Gemeinde hatte Interesse an dem rund 2,75 Hektar großen Grundstück bekundet. 1,25 Millionen Euro hatte der Eigentümer einstmals in einem Exposé für das Gelände aufgerufen. Für wie viele Euros die Fläche letztlich veräußert wurde, ist offen. Fakt ist: Für die Gemeinde dürfte es zu teuer gewesen sein.

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Abrissarbeiten auf dem einstigen Gelände von Künstler Bahntechnik

2019 ist die Firma Künstler Bahntechnik nach mehr als 100 Jahren am Standort Holzwickede nach Hamm umgezogen. In der Folge wurde das Gelände an der Schäferkampstraße an einen privaten Investor verkauft. Der lässt nun die alten Werkshallen und Gebäude abreißen und plant auf dem Gelände unter anderem zwei große Hallen, die unter anderen auch an Logistikunternehmen vermietet werden sollen.
30.10.2020
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Eindrücke von den Abrissarbeiten der einstigen Künstler-Bahnwerke an der Holzwickeder Schäferkampstraße.© Udo Hennes
Eindrücke von den Abrissarbeiten der einstigen Künstler-Bahnwerke an der Holzwickeder Schäferkampstraße.© Udo Hennes
Eindrücke von den Abrissarbeiten der einstigen Künstler-Bahnwerke an der Holzwickeder Schäferkampstraße.© Udo Hennes
Eindrücke von den Abrissarbeiten der einstigen Künstler-Bahnwerke an der Holzwickeder Schäferkampstraße.© Udo Hennes
Eindrücke von den Abrissarbeiten der einstigen Künstler-Bahnwerke an der Holzwickeder Schäferkampstraße.© Udo Hennes
Eindrücke von den Abrissarbeiten der einstigen Künstler-Bahnwerke an der Holzwickeder Schäferkampstraße.© Udo Hennes
Eindrücke von den Abrissarbeiten der einstigen Künstler-Bahnwerke an der Holzwickeder Schäferkampstraße.© Udo Hennes
Abriss bei Künstler© Udo Hennes
Eindrücke von den Abrissarbeiten der einstigen Künstler-Bahnwerke an der Holzwickeder Schäferkampstraße.© Udo Hennes
Eindrücke von den Abrissarbeiten der einstigen Künstler-Bahnwerke an der Holzwickeder Schäferkampstraße.© Udo Hennes

Hätte die Gemeinde an der Stelle gerne Kleingewerbe entwickelt, war zunächst unklar, was der neue Eigentümer plant. Durch die SPD-Anfrage offenbaren sich die Absichten. So plant der Investor laut Bauamtsleiter Uwe Nettlenbusch ein Logistikzentrum, bestehend aus zwei Logistikhallen. Nettlenbusch bezieht sich dabei auf einen entsprechenden Bauantrag, der am 23. September bei der zuständigen Bauordnungsbehörde des Kreises Unna eingegangen sei.

Flächenentwicklung

Investor bekommt keine Gemeinde-Flächen

  • Künstler Bahnwerke war nicht in Besitz der verkauften gut 2,75 Hektar. Die Fläche wurde über Gesellschafter Christian Thiemann, einst selbst Teil der Künstler-Geschäftsführung, quasi von „privat an privat“ verkauft.
  • Der Investor wollte ursprünglich auch 0,75 Hektar einer benachbarten gemeindlichen Fläche erwerben.
  • Davon hat man letztlich abgesehen, weil das Areal auf dem Öko-Konto der Gemeinde als schützenswerte Fläche verbucht ist.
  • Hier bleibt die Natur ungestört und dürfen beispielsweise seltene Orchideen wachsen.

Dieser Bauantrag sei vom Kreis wiederum am 15. Oktober an die Gemeinde weitergeleitet worden. Das ist nötig, weil sich die Kommune zu sachlichen Aspekten – beispielsweise der verkehrlichen Belastung durch etwaige Logistiker – im Rahmen einer Benehmensherstellung äußern wird. Vor dem 15. Oktober seien der Gemeinde laut Nettlenbusch die Pläne des Investors nicht bekannt gewesen.

Laut Investor gibt es noch keine konkrete Nutzung

In der Folge habe man das Unternehmen bereits kontaktiert, um Details zu erfahren. „Der Investor geht so vor, dass die Hallen errichtet werden und man parallel und im Nachgang mit potenziellen Nutzern verhandelt“, so Nettlenbusch. Aktuell sei demnach noch keine Nutzer in Sicht, denkbar sei laut dem neuen Eigentümer auch, dass sich in den Hallen produzierendes und verarbeitendes Gewerbe niederlässt.

„Wenn wir so eine Ansiedlung verhindern können, müssen wir das tun. Alles andere wäre skandalös.“
Grünen-Fraktionschef Friedhelm Klemp

Die Schäferkampstraße mit Nadelöhr Bahnunterführung sowie dem nahen Wohnpark Emscherquelle als möglicher Logistik-Standort – das trifft in den Fraktionen auf Ablehnung. „Logistiker wären für die verkehrliche Situation vor Ort suboptimal“, sagte Peter Wehlack für die SPD.

Noch deutlicher wurde der Grünen-Fraktionsvorsitzende: „Wenn es tatsächlich ein Logistiker wird, dann widerspricht das den bisherigen Verkehrsgutachten mit Blick gen Sölder Straße. Wenn wir so eine Ansiedlung verhindern können, müssen wir das tun. Alles andere wäre skandalös“, so Friedhelm Klemp.

Für Logistiker muss Investor ein Verkehrskonzept vorlegen

Uwe Nettlenbusch versicherte in dem Punkt, dass es im Rahmen des Bauantrags eine entsprechende Nachforderung seitens der Kommune an den Investor gibt. So sei eine Baugenehmigung seitens des Kreises ohne ein entsprechendes Verkehrskonzept nicht drin.

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Ebenfalls Bestandteil des Baugenehmigungsverfahrens ist zudem die Untersuchung auf Altlasten im Boden sowie in Bestandteilen der Gebäude. „Die Federführung für das Thema liegt bei der Kreisumweltbehörde“, so Nettlenbusch. Bekannt ist, dass bereits vor dem Verkauf erste Untersuchungen seitens des Kreises durchgeführt wurden. Nettlenbusch deutete im Ausschuss am Donnertagabend an, dass man dabei fündig wurde. Ein entsprechendes Sanierungsgutachten sei daher maßgeblicher Bestandteil des Baugenehmigungsverfahrens.

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