Das Verkehrsaufkommen rund um die Nordstraße sorgt für Ärger. Was kann die Politik tun, damit „gestrandete“ Lkw-Fahrer künftig keine Menschen mehr nachts aus den Betten klingeln? Die SPD hat Anwohner gefragt.

Holzwickede

, 24.09.2019, 15:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Verkehrssituation rund um die Nordstraße, Mozartstraße und Schubertstraße ist für viele Anwohner ein Problem. Das zeigt das rege Interesse am Bürgerdialog der Sozialdemokraten, zu dem sich am Montagabend mehr als 100 Menschen in der Nordschul-Aula versammelten.

Der Ärger dreht sich um den Lkw- und Pkw-Verkehr, der unerwünschterweise durch die dortigen Wohngebiete fährt. Der daraus resultierende Lärm sorgt für Unmut. Straßenschilder, etwa mit Hinweis zur Anliegerstraße würden ignoriert, so berichten an diesem Abend einige Anwohner übereinstimmend. Eine Sackgasse an der Schubertstraße und ein Durchfahrtsverbot von der Nord- auf die Mozartstraße sollen Abhilfe schaffen.

Lkw-Lärm aus Wohnviertel verbannen: SPD und Anwohner einigen sich auf eine Lösung

Wird gerne mal ignoriert: Die Beschilderung an der Mozartstraße, wo Laster im Regelfall nicht einfahren dürfen. © Marcel Drawe

Die Erfahrungsberichte zahlreicher Gäste gaben Aufschluss über das Ausmaß des Problems. Die Kritikpunkte, die unter Nachbarn meist beiläufig diskutiert werden, fanden am Montag ihren Weg ins Plenum.

Das hohe Verkehrsaufkommen kommt vor allem durch Berufspendler und Lieferanten der Firmen aus dem benachbarten Gewerbegebiet zustande. Das erklärte Ziel, mit dem allerdings nicht alle Anwesenden einverstanden waren, lautete, den Verkehr aus den Wohngebieten auf die Stehfenstraße zu verlagern. Die derzeitige Situation ist für viele Bewohner von Schubert- und Mozartstraße jedenfalls nicht länger hinnehmbar.

Lkw-Fahrer machen „Klingelstreiche“

Fälle, die besonders viel Ärger bereiten, sind nach Aussagen der Anwohner zum Beispiel strandende Lkw-Fahrer, die in der Vergangenheit mitten in der Nacht auf der engen Schubertstraße festsaßen. In ihrer ausweglosen Situation klingelten sie teilweise bei Anwohnern, die ihre parkenden Autos umsetzen sollten. Ein Bürger machte seinem Ärger Luft: „Wenn die ihre ‚Klingelstreiche´ machen und man sie darauf hinweist, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung ist, werden die manchmal sogar noch frech.“

„Wenn die ihre ‚Klingelstreiche‘ machen und man sie darauf hinweist, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung ist, werden die manchmal sogar noch frech.“
Anwohner beim SPD-Bürgerdialog über das Verhalten der Lkw-Fahrer

Das sei mehrfach vorgekommen. Mehrere Anwohner bestätigten derartige Fälle, auch wenn die Anwesenden betonten, dass man nicht auf die LKW-Fahrer draufhauen wolle, sondern man vielmehr die Probleme aufzeigen müsse: „Viele Lkw-Fahrer fahren vermutlich nicht mit Absicht in die Wohngebiete, sondern sind eher desorientiert“, betonte SPD-Bürgermeisterkandidat Peter Wehlack, der gemeinsam mit Thomas Bergermann, Geschäftsführer des SPD-Ortsvereins, den Abend moderierte.

Keine einfache Aufgabe für die beiden Genossen, denn das Mitteilungsbedürfnis einiger Bürger war groß, das Thema emotionsgeladen. Von frustriert bis verärgert waren alle Gefühlslagen dabei. Die Diskussion wurde teilweise hitzig geführt, blieb aber stets sachlich. Immerhin stand die Suche nach einer Lösung im Vordergrund. Der Abend war gewissermaßen ergebnisoffen.

„Können den Verkehr nicht wegmachen“

Ziel der Veranstaltung war es, das von der SPD kürzlich entwickelte Verkehrskonzept vorzustellen und mit Vorschlägen von Anwohnern abzurunden. Eines wurde sehr schnell deutlich: Das Thema ist kompliziert. „Wir können den Verkehr nicht wegmachen. Wir müssen ihn vielmehr sinnvoll verlegen“, befand Bergermann.

Das Grundgerüst der Diskussion ergab sich aus den Vorschlägen der SPD: Die Sozialdemokraten haben jüngst ein Konzept entwickelt, mit dessen Hilfe ein Teil des Verkehrsaufkommens aus den Wohngebieten fern bleiben soll. Der Vorschlag: Die Schubertstraße wird zur Natorper Straße hin geschlossen und endet in einer Sackgasse. Zudem soll die Zufahrt von der Nordstraße zur Mozartstraße gesperrt werden.

Lkw-Lärm aus Wohnviertel verbannen: SPD und Anwohner einigen sich auf eine Lösung

Wo an der Schubertstraße die Hecke endet (rechter Bildrand), soll nach Auffassung der SPD eine Sackgasse entstehen. Dieser Punkt stieß beim Bürgerdialog in der Nordschule auf große Zustimmung bei den Anwohnern. © Marcel Drawe

Über beide Maßnahmen wurde rund zwei Stunden lang debattiert. Laut Bergermanns Beurteilung mit Erfolg, denn zumindest die Sackgassen-Lösung an der Schubertstraße stieß dem Vernehmen nach auf große Zustimmung bei den Anwohnern. Dieser Vorschlag werde das Kernstück des entsprechenden Antrags der SPD sein, „ob auch das Einfahrtsverbot an der Mozartstraße mit aufgenommen wird, darauf wollen wir uns noch nicht festlegen“, erklärte Bergermann.

„Für uns war das ein rundum gelungener Abend. Wir haben uns ein Votum der Anwohner erhofft. Und das haben wir bekommen“
Thomas Bergermann, Geschäftsführer des SPD-Ortsvereins über den Bürgerdialog

Genauso wichtig wie die Zustimmung für das grundsätzliche Vorhaben der Sozialdemokraten seien aber auch Anreize der Bürger gewesen. Bei der Mozartstraße schlugen einige Anwohner vor, dass man zumindest das Lkw-Problem mit einer Höhenbegrenzung lösen könnte. Der Vorschlag, die Einbahnstraßenregelung an der Schubertstraße aufzuheben, wurde auf Drängen der Anwohner teilweise verworfen. Die Aufhebung soll von der Sackgasse bis zur Ecke Friedrichstraße greifen.

„Wir haben uns ein Votum der Anwohner erhofft. Und das haben wir bekommen“, erklärte Bergermann einen Tag nach der Versammlung. Für ihn ist die Veranstaltung ein gutes Beispiel für eine gelungene Bürgerbeteiligung in einem komplexen Thema. Ein Anwohner brachte die Schwierigkeit der Problemlösung auf den Punkt: „Jeder spricht hier für seine Straße, sein eigenes Haus. Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden, mit der am Ende alle leben können.“

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