Eigentlich ist er Schulleiter: und trotzdem wird Klaus Helmig an der Josef-Reding-Schule häufiger bei digitalen Fragen zum Ansprechpartner. Wie er erzählt, geht es aber inzwischen fast allen Lehrern so. © Udo Hennes
Digitalisierung an Schulen

Lehrer-Beruf im Corona-Wandel: Für digitale Fragen braucht es schnelle Antworten

In der Josef-Reding-Schule steht seine Tür immer offen: Seit Monaten packt Schulleiter Klaus Helmig aber auch bei digitalen Fragen mit an. Er berichtet von den Tücken aus dem neuen Unterrichtsalltag.

Früher war die Stellenbeschreibung für Lehrer ziemlich eindeutig: Neben fachlichen und pädagogischen Fähigkeiten haben sie sich an der Tafel förmlich auch die Hände schmutzig gemacht und den Schülern mit Kreide ein Tafelbild präsentiert, das sie abschreiben und als Grundlage fürs Lernen nutzen konnten.

Das ist heute alles anders: Tafel und Kreide wurden inzwischen größtenteils durch Whiteboards und Tablets ersetzt. Den Umgang mit den technischen Mitteln lernten Schüler und Lehrer mit der Zeit. Zeitlichen Druck hatten sie dabei eher weniger. Die Corona-Pandemie hat im vergangenen Jahr den Druck allerdings schlagartig erhöht, hinzu kam der Distanzunterricht, der viele Schulen vor völlig neue Herausforderungen gestellt hat.

Eine nicht repräsentative Umfrage des Hellweger Anzeigers, an der Schüler und Eltern, aber auch Lehrer teilnehmen konnten, hat ergeben, dass an allen weiterführenden Schulen in Holzwickede die Wartung der Geräte zu 50 Prozent vom Schulpersonal übernommen wird, zum Teil während, aber auch außerhalb der Arbeitszeit.

Alltägliche Tücken im Umgang mit digitalen Medien

Am Beispiel der Josef-Reding-Hauptschule in Holzwickede will unsere Redaktion erfahren, welche Tücken der digitale Unterrichtsalltag mit den Geräten mit sich bringt. Schulleiter Klaus Helmig, aber auch viele seiner Kollegen, finden sich seit Monaten in der Rolle eines IT-Fachmannes wieder.

40 Tablets hat die Josef-Reding-Schule bereits von der Gemeinde zur Verfügung gestellt bekommen. Eingerichtet werden sie laut Schulleiter Klaus Helmig (noch) vom externen Dienstleister der Gemeinde. Bald soll eine Fortbildung stattfinden, bei der zwei seiner Lehrkräfte für diese Arbeit ausgebildet werden sollen. © Udo Hennes © Udo Hennes

Alle digitalen Endgeräte, mit Ausnahme der privat angeschafften, werden immerhin vom externen Partner der Gemeinde, der Firma SIT aus Hemer, eingerichtet. Danach sind die Schulen gewissermaßen auf sich gestellt. Was viele nicht auf dem Schirm haben, aber durchaus aus privaten Erfahrungen kennen dürften: In der Praxis gibt es mit Tablets und Smartphones einige Tücken.

Ein riesiger Zeitfresser, so berichtet Helmig, kann zum Beispiel allein die Anmeldung in der schuleigenen Software sein, die nicht jedem Schüler auf Anhieb gelingt. In solchen Fällen sind Helmig und die übrigen Lehrer aus dem JRS-Kollegium gefragt. Schon in der ersten Woche des wieder angelaufenen Präsenzunterrichts hat der Schulleiter diverse Anfragen von Schülern bekommen, die an der Anmeldung gescheitert sind.

Trotz großer Herausforderungen ist der Trend positiv

Die Zugangsdaten sind individuell, werden aber nach einem einheitlichen Verfahren erstellt. „Der Benutzername lautet bei jedem Vorname, Punkt, Nachname“, sagte Helmig. Allein das stelle manche Schüler vor eine Herausforderung. Fehler bei der Groß- und Kleinschreibung, ein falsches Sonderzeichen im Passwort sind häufige Fehler, die zu einer missglückten Anmeldung führen.

Die Schüler wenden sich dann an Helmig oder den Klassenlehrer. „Allein gestern habe ich zehn Schüler in Logineo gebracht“, berichtete Helmig am Donnerstag. Logineo beinhaltet unter anderem eine Software für die schulinterne Kommunikation.

Die allgemeine Rückmeldung aus dem Kollegium bestätigt das, was Helmig am eigenen Leib erfährt: Die meisten Lehrer investieren derzeit wöchentlich sehr viel Zeit in Erklärungen, die im Zusammenhang mit digitalem Unterricht stehen. Helmig möchte nach eigenen Angaben aber nicht, dass der Eindruck entsteht, als würden Schulen mit Blick auf die neuen Herausforderungen nur meckern. Insgesamt sieht er an seiner Schule einen positiven Trend: „Was digitaler Unterricht leisten kann, bieten wir an. Noch nicht für alle, aber es werden immer mehr.“

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski
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