Dieser Winter steuert auf einen Rekord zu: Er ist bislang zu warm. Das wirkt sich auch auf die Natur aus. Für Bienenstämme kann es dramatisch werden, wenn ein bestimmtes Szenario eintritt.

Holzwickede

, 21.02.2020, 17:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Aus Sicht der Meteorologen endet der Winter am 1. März. Es ist absehbar, dass nach dem Januar auch der Februar im statistischen Vergleich der vergangenen Jahrzehnte im Durchschnitt zu warm ist. Den Januar zählte der Deutsche Wetterdienst (DWD) bereits zu den zehn wärmsten seit Beginn der Messungen im Jahr 1881.

Schneeglöckchen, Krokus, Haselnuss – die milden Temperaturen führen dazu, dass es in Wald und Flur längst blüht. Ende November veröffentlichte der DWD einen Klimabericht, der unter anderem vermerkte, dass die Vegetationsperiode mittlerweile drei Wochen früher beginne als noch 1961. Den Beginn des Vorfrühlings datiert der DWD dieses Jahr bereits auf Ende Januar. Im vieljährigen Mittel würde er in diesen Tagen beginnen.

monitoringbericht DWD

monitoringbericht DWD © DWD

Honigernte

Gläser sind streng rationiert

  • Magnus Krämer kontrolliert momentan vor allem die Beuten und achtet darauf, dass die Fluglöcher frei sind. Die Bienen tragen ihre toten Artgenossen nach draußen – mitunter bleiben tote Biene stecken.
  • Im Frühling begleitet Krämer dann Exkursionen der Kindergärten zum Schulbienenstand.
  • Die Paul-Gerhardt-Schüler werden dann im April/Mai einbezogen, wenn die Honigräume auf die Beuten gesetzt werden. In der Regel kann über die Frühlings- und Sommermonate zwei Mal geerntet werden.
  • Auch beim Honigschleudern sind die Kinder dabei. Der gewonnene Honig wird unter den Eltern verkauft. Rund 30 Kilogramm an Honig sind pro Saison drin – macht in der Regel ein bis zwei Gäser pro Familie.
  • Im Herbst ziehen die Kinder dann beispielsweise Kerzen aus dem Bienenwachs.
  • Die PGS darf sich nach der Teilnahme an einem Wettbewerb seit Juli 2019 offiziell „Bienenfreundliche Schule“ nennen.

Wie wirkt es sich nun auf Bienen aus, wenn die ersten Nahrungsquellen des Jahres schon so früh dran sind? Fehlen den Insekten nach der Winterruhe die Grundlagen? „Im Idealfall ist der Winter kalt und die Bienen haben ihre Winterpause“, sagt Magnus Krämer. Der Leiter der Paul-Gerhardt-Schule in Hengsen ist Imker und bindet einen schuleigenen Lehrbienenstand auch in den Unterricht ein.

Um den Jahreswechsel würde sich ein Bienenstamm gut vier bis sechs Wochen Brutpause gönnen. „Außer minimaler Futteraufnahme findet dann nur Warmhalten statt“, sagt Krämer. Die Insekten rücken in einer Wintertraube zusammen und halten die Temperatur im Bienenstock durch Muskelzittern bei rund 20 Grad. „Egal, ob es draußen Minusgrade hat“, weiß Krämer.

Ihr Brutgeschäft würden die Tiere gegen März langsam wieder aufnehmen – witterungsunabhängig. „Tageslichtdauer, Sonnenstand, Außentemperatur bestimmen dabei das Ausmaß der Aktivität“, so der Schulleiter. Und hier werden anhaltende Warmphasen durchaus ein Thema: „Ab zweistelligen Temperaturen fliegen die Bienen.“ Das Volk fährt quasi hoch, füttert die Königin an, die wiederum die Eiablage steigert. Legt sie nach der Brutpause zunächst um die 100 Eier, sind es zu Hochzeiten um die 2000.

Magnus Krämer wirft einen Blick in eine der Bienenbeuten: In dieser sind die Insekten schon recht munter unterwegs.

Magnus Krämer wirft einen Blick in eine der Bienenbeuten: In dieser sind die Insekten schon recht munter unterwegs. © Greis

Die Larven schlüpfen innerhalb von 21 Tagen. Häufen sich die warmen Tage früh im Jahr, wächst ein Volk entsprechend schnell. Dabei besteht immer die Gefahr, dass es über einen längeren Zeitraum nochmals kalt werden kann. „Eine lange Kälteperiode wäre dann der Super-GAU“, sagt Magnus Krämer.

Bienen geben notfalls ihre Brut auf – und fressen die Larven

Einige frostige Nächte würden die Tiere dabei überstehen. Aber in einem aktiven Brutnest halten die Bienen eine Temperatur um die 35 Grad. Ist das sehr früh im Jahr bereits sehr groß, kostet es die Tiere viel Energie und damit Nahrung, um ihr Nest durch die eigene Körperwärme zu heizen. „Wobei ich sagen würde: Geht das Futter aus, hat der Imker schlecht gearbeitet“, so Krämer.

BIENENFUTTER

NICHT JEDEN TAG NUTELLA

  • Die Schulbienen in Hengsen dürfen über die Wintermonate von ihrem eigens gesammelten Honig zehren. „Sie haben ihn auch gesammelt und sich das verdient“, sagt Magnus Krämer.
  • Zugefüttert wird mit Sirup auf Weizen- oder Zuckerrübenbasis zu überbrücken. „Wenn Sie jeden Tag nur Nutella essen müssten, fänden Sie das aber auch eintönig“, sagt Krämer.
  • Dass die Bienen etwas vom eigenen Honig behalten dürfen, hält er für wichtig: „Da steckt die ganze Vielfalt der Natur drin und das kann für die Bienen nur gut sein.“

Im übertragenen Sinne steht das Volk irgendwann aber vor der Frage: Geben wir eine Brut auf oder heizen wir weiter in der Hoffnung, dass es wärmer wird? Im ersten Fall würden die Bienen auch ihre Larven fressen – schließlich eine Energiequelle. Muss sich das Volk aufgrund eines Kälteeinbruchs verkleinern, ist das für den Imker ärgerlich. Die Brutphase würde später quasi einen Neustart erfahren. „Die Regeneration des Volkes dauert dann natürlich länger“, so Krämer und das wirke sich wiederum auf die Honigproduktion aus.

Bei genügend Nahrungsvorrat im Stock verweist der Imker aber darauf, dass eine Kälteperiode schon ein bis zwei Wochen anhalten müsste, bevor es für ein Volk kritisch würde. Kürzere Kälteperioden sind aber dennoch nicht ganz unproblematisch, wenn sie beispielsweise im April die Apfel- oder Kirschblüte treffen.

„Im Frühling ist es aber so, dass im Wochenrhythmus immer was Neues blüht“, so Krämer. Falle eine Nahrungsquelle aus, so sorge die Natur dadurch vor. „Deshalb ist Vielfalt wichtig. In Monokulturen funktioniert das nicht“, so der Schulleiter. Sorgen macht sich Krämer aber nicht: „Das Insekt ist Millionen von Jahren alt und hat sich schon immer angepasst.“ Überrascht war er beispielsweise während der vergangenen trockenen Sommer: „Alles knochentrocken. Man denkt, da blüht doch nichts und dann schaut man in die Kästen und die sind knüppelvoll.“

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