Verschraubt und zusätzlich verschweißt ist dieser Schachtdeckel im Krummen Weg, weil bei Regen mitunter so viel Wasser durch den Kanal darunter rauscht, dass es in der Vergangenheit mehrfach den Deckel aus der Straße drückte. © Greis
Fehler im Abwassersystem

Krummer Weg: Mit Schrauben im Kanaldeckel gegen die Wassermassen

Dass der Krumme Weg kürzlich geflutet wurde, liegt auch an einem überforderten Schmutzwasserkanal, dessen Kanaldeckel aus der Straße gedrückt werden. Die Lösung der Gemeinde sorgt vor Ort für Kopfschütteln.

Fünf Kanaldeckel an tiefster Stelle im Krummen Weg sind verschraubt, einer davon zusätzlich verschweißt. So wird gewährleistet, dass die Schachtabdeckungen an Ort und Stelle bleiben, wenn mal wieder das Wasser von unten nach oben drückt. Eine Maßnahme, nach dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht? Es sorgt jedenfalls für Kopfschütteln bei den Anwohnern.

Die Problematik war dabei lange vor dem Unwetter-Ereignis vom 14. Juli bekannt, als Holzwickede an vielen Stellen überflutet wurde. „Nach einem langen Regen kamen die Deckel im Vorjahr das erste Mal hoch“, sagt Daniela Mütze, die das zugeschweißte Exemplar vor ihrer Haustüre in der Straße liegen hat.

„Das haben wir der Gemeinde gemeldet. Dann kam jemand. Deckel auf, hat in den Schacht geblickt. Deckel zu. Das war‘s.“ Im Frühsommer dieses Jahres wiederholte sich das Spiel. „Das war eine Fontäne aus undefinierbarem Schlamm, gelbem Schaum, Resten von Toilettenpapier und sonstigem Unrat“, schildert Mütze, die selbst nach der Überschwemmung vom Juli noch heute einen miefigen Fettfleck auf der Straße vor dem Haus habe.

Wieder informierte man die Gemeinde und jetzt passierte auch etwas: Kanaldeckel wurden kurzerhand verschraubt. Nach einem weiteren Regen wurde einer wie erwähnt gar zusätzlich verschweißt. Für die Anwohner ein Unding, löse man so ein grundsätzliches Entwässerungsproblem nicht, sondern verschließe vielmehr die Augen davor.

Nicht nur die Häuser an der tiefsten Stelle am Krummen Weg sind sanierungsbedürftig. Auch die Autos der Anwohner hatten nach der plötzlichen Überschwemmung mitunter nur noch Schrottwert. © privat © privat

„Alle Grundstücke hier haben Rückstauklappen, damit im Notfall das Wasser nicht aufs Gelände drückt“, sagt Daniela Mütze. Die Klappen würden aber schon bei normalen Regenfällen zum Tragen kommen. Das könne nicht Sinn der Sache sein. „Wir wohnen hier nicht am reißenden Fluss, bezahlen nicht wenig an Grundbesitzabgaben und haben jetzt den Schaden für Versäumnisse in der Vergangenheit. Jetzt muss etwas passieren“, sagt die Holzwickederin.

Verwaltungskräfte suchen den Austausch mit Anwohnern vor Ort

Unter der Woche ist dann auch etwas passiert: Holzwickedes Erster Beigeordneter suchte mit zwei Vertretern des Bauamtes den Austausch mit den betroffenen Familien vor Ort. Auf Anfrage erläutert er dieser Redaktion, was man nun zu tun gedenkt. „Wir müssen das Kanalnetz an der Stelle langfristig entlasten. Wir werden uns in der neuen Woche zunächst mit Feuerwehr und Baubetriebshof den Durchlauf unter der Natorper Straße anschauen“, so Kasischke.

So blickte Daniela Mütze am 14. Juli aus dem Fenster in ihren Garten. Die braune Brühe füllte das Grundstück wie eine Wanne.

„Wenn es regnet, schaltet keiner die Waschmaschine an oder wagt es, zu duschen.“

Anwohnerin Daniela Mütze

Kanalnetz und Durchlauf beschreiben dabei zwei verschiedene Probleme: Anwohner kritisieren seit langem, dass das Durchlaufrohr unter der Natorper Straße unterdimensioniert sei, sich Niederschlagswasser deshalb hier staue. Und im Kanal unter dem Krummen Weg sollte eigentlich nur Schmutzwasser abfließen. „Der Druck wird aber durch Regenwasser aufgebaut und wir können uns noch nicht erschließen, wie das in ein eigentlich getrenntes System fließt“, sagt Kasischke.

Was das Regenwasser bewirkt, schildert Daniela Mütze: „Wenn es regnet, schaltet keiner die Waschmaschine an oder wagt es, zu duschen.“ Fotos und Videos der Anwohner von den Überschwemmungen des 14. Juli sowie die Schäden an den Gebäuden haben jedenfalls bleibenden Eindruck bei den Verwaltungskräften hinterlassen.

Bei verschraubten Kanaldeckel fehlte die Kommunikation

Man wolle sich nun auf drei Punkte fokussieren, kündigt der Erste Beigeordnete an: Erstellung einer Starkregengefahrenkarte wie im gemeindlichen Klimaschutzkonzept gefordert, mögliche Erweiterung der Auenlandschaft und die Abflussproblematik Natorper Bach.

Und die verschraubten und verschweißten Kanaldeckel? „Das wurde gemacht, um ein akutes Problem zunächst kurzfristig zu lösen“, sagt Kasischke. Dass dies wie die Anwohner schildern, mitunter klammheimlich im Morgengrauen geschah und entsprechend für Irritationen sorgte, sieht der Beigeordnete ein. „Das hätten wir kommunizieren müssen.“

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
Zur Autorenseite
Christian Greis

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.