Kritik: Eine-Welt-Gedanke leidet unter Spendenaktionen für regionale Projekte

dzMit Umfrage

Immer weniger Menschen sind bereit, ihr Geld für andere zu geben – aber immer mehr wollen ein Stück vom Spendenkuchen. Ein Dilemma für Menschen wie Klaus Dahl, der vor allem in einem Punkt Kritik übt.

Holzwickede

, 30.10.2019, 11:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es klingt fast ein wenig resigniert, als Klaus Dahl das Wort ergreift. Der Mann, der sich gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth schon länger für den Eine-Welt-Gedanken einsetzt, als ihre Ehe alt ist; nämlich über 50 Jahre. Über 500.000 Euro haben die beiden in dieser Zeit gesammelt. Stets bestimmt für Projekte von Kolping International in sogenannten Entwicklungsländern.

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Allein im vergangenen Jahr habe er 21.000 Euro überwiesen, berichtet Dahl im Ausschuss für Jugend, Familie, Senioren und Gleichstellung, der in dieser Sitzung über einen Zuschuss für seine Arbeit entscheidet. An sich kein schlechter Wert. Und doch sagt Dahl mit unüberhörbarem Bedauern in seiner Stimme: „Irgendwie ist es traurig, dass das Engagement für die Eine Welt immer weiter zurückgeht.“

„Immer mehr Gruppierungen machen sich hier stark für Kinder und alte Leute.“
Klaus Dahl

Dahl spielt auf das zunehmende Engagement von Benefizaktionen für Projekte in der Region und Deutschland an. „Immer mehr Gruppierungen machen sich hier stark für Kinder und alte Leute, dabei ist Deutschland mit das reichste Land“, betont Dahl, dass er diese Form der Unterstützung gar nicht verurteilen will. Und doch ist es die logische Konsequenz daraus, die ihm zusetzt: „Es setzen sich immer weniger Menschen für die Eine Welt ein. Aber die Eine Welt ist wichtig!“

Immer weniger Deutsche spenden für Hilfe im Ausland

Mehr und mehr Vereine und Institutionen buhlen um die Gunst von Spendern. Gleichzeitig war die Zahl der Spender in Deutschland nach Erkenntnissen großer Organisationen zuletzt tendenziell rückläufig. Und auch das hat eine bundesweite Umfrage ergeben: Einerseits sind über zwei Drittel der Bundesbürger der Meinung, dass Entwicklungshilfe die Verhältnisse in armen Länden verbessert werden muss; andererseits spenden immer weniger Deutsche für Hilfe im Ausland.

3000 Euro für Entwicklungsländer

Diese Projekte unterstützt die Gemeinde

  • Die Gemeinde Holzwickede stellt seit 1986 Gelder zur Förderung von Projekten in Entwicklungsländern zur Verfügung.
  • Das Budget in Höhe von zunächst 5000 DM (ca. 2650 Euro) wurde 2003 infolge der Haushaltssicherung zunächst auf 1700 Euro gekürzt, 2004 auf 2500 und in den Folgejahren bis 2010 auf 3000 Euro aufgestockt.
  • Der Sparzwang infolge des Haushaltssicherungskonzeptes drückte das Budget ab 2011 wieder auf 1500 Euro. Seit 2018 stehen wieder 3000 Euro zur Verfügung.
  • Mit den Geldern wurde in der Zeit seit 1986 eine Vielzahl an Projekten unterstützt. In diesem Jahr gingen jeweils 1000 Euro an die Eheleute Dahl für die Unterstützung des Projektes zur ländlichen Entwicklung in Afrika, an die Kolpingsfamilie Holzwickede für die Unterstützung des Kolping-Berufsbildungszentrums in Muramba und an Pater Beda für die Unterstützung des Projektes „Turma Do Flau“.

Jeder dritte Deutsche spendet grundsätzlich nicht

So hat eine Umfrage der Meinungsforscher von YouGov im Auftrag der SOS-Kinderdörfer im vergangenen Jahr ergeben: Nur acht Prozent der Befragten spenden für internationale Entwicklungshilfe, gut jeder Dritte (37 Prozent) spendet dagegen grundsätzlich nicht, mit zunehmender Tendenz. Als Gründe gaben die Nicht-Spender demnach an, Deutschland habe selbst genug Probleme, um die es sich kümmern müsse. Zahlen, die den subjektiven Eindruck von Dahl untermauern.

Eheleute Dahl haben ein „großes Standbein verloren“

Der freut sich über einen Zuschuss in Höhe von 1000 Euro, den der Ausschuss an diesem Abend für seine Arbeit freigibt. Dazu je 1000 Euro für zwei weitere Förderprojekte in Entwicklungsländern. Nur wettmachen kann auch die Unterstützung der Gemeinde den jüngsten Rückschlag für die Eheleute Dahl nicht. Der Holzwickeder Schrotthändler, mit dem die Eheleute Dahl seit Jahr und Tag im Rahmen ihrer Schrottsammelaktion zusammengearbeitet haben, ist nicht mehr. „Damit haben wir ein großes Standbein verloren“, bedauert Dahl. Sieben Jahre lang hat er ehrenamtlich den Schrott der Holzwickeder gesammelt, verkauft und den Erlös gespendet. „Den Schrott nach Dortmund oder Königsborn zu bringen, lohnt sich nicht“, sagt Dahl. Er müsste mehrfach hin und her fahren, die Aktion wäre damit unwirtschaftlich.

Kritik: Eine-Welt-Gedanke leidet unter Spendenaktionen für regionale Projekte

Die letzte Schrottsammlung von Klaus Dahl liegt noch gar nicht so lange zurück: Im August sammelte er das letzte Mal den Schrott der Holzwickeder, verkaufte ihn und spendete die Erlöse. © Christian Greis

Entmutigen lassen will Klaus Dahl sich dadurch freilich nicht. Er sammelt trotzdem weiter – vielleicht keinen Schrott mehr, aber über andere Aktionen Geld für die Eine Welt. Die 1000 Euro der Gemeinde sind dafür ein umso wichtigerer Beitrag.

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