Kritik an Umweltkonzept: Politik tut sich bei bezahltem Parken schwer

dzVerkehr

Zusammen mit einem externen Büro wird momentan ein Umweltkonzept für die Gemeinde erarbeitet. Einer der bislang bekannten Punkte sorgt in der Politik für Bauchschmerzen.

Holzwickede

, 17.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Parken in Holzwickede ist bisher kostenlos. Für viele Bürger, aber auch aus Sicht einiger Lokalpolitiker ist das im Vergleich zu den meist größeren Nachbarkommunen ein bequemes und vor allem günstiges Alleinstellungsmerkmal, auf das man in der Emscherquellgemeinde durchaus stolz ist.

Von dieser Regelung profitieren auch die Berufspendler, die eben mit dem Auto zur Arbeit fahren. Das ist aber auch ein Problem: Die Gemeinde hat das Ziel, langfristig Emissionen zu senken.

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Zusammen mit dem Essener Planungsbüro Gertec arbeiten Verwaltung und ein Arbeitskreis mit Vertretern der Politik seit Mitte 2019 ein Umweltkonzept aus. Speziell für das Handlungsfeld Mobilität wurden zuletzt im Umweltausschuss vier Punkte vorgestellt. Einzig hier sieht man anscheinend Ansatzpunkte: Privathaushalte, Industrie und anderes Gewerbe sollen unangetastet bleiben.

40 Prozent der Treibhausgase stammen aus dem Verkehr

Der Grund dafür: Der Anteil der durch den Verkehr ausgestoßenen Treibhausgase an den gesamten Emissionen in Holzwickede (beruhend auf Messungen aus dem Jahr 2017) liegt, ohne Autobahnverkehr, im Bereich Mobilität bei etwa 40 Prozent. Haushalte und Industrie liegen mit 24 und 19 Prozent dahinter.

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Da etwa durch die Entstehung der Ortsumgehung in Holzwickede ohnehin eine verkehrliche Neuordnung auf dem Plan steht, eröffnen sich Möglichkeiten für einige weitere Veränderungen, die man in einem Abwasch umsetzen könnte.

Ein wesentlicher Aspekt ist die Bewirtschaftung von gemeindeeigenen Parkflächen: Für eine effektive Verkehrswende könnte nach Auffassung der Gemeindeverwaltung die Einführung kostenpflichtiger Parkplätze ein zukunftsorientierter Ansatz sein.

„Die Umstellung sollte sukzessiv und behutsam erfolgen“, schilderte die Umweltbeauftragte Tanja Flormann in einem ersten Bericht, den sie in der vergangenen Woche dem Umweltausschuss vorstellte.

Bezahltes Parken soll Schritt für Schritt eingeführt werden

Demzufolge könnten zunächst die öffentlichen Stellplatzanlagen, zum Beispiel an der Kirchstraße und An der Feme in Augenschein genommen werden. In einem weiteren Schritt wären die Haupterschließungsstraßen wie beispielsweise Nord- und Hauptstraße als auch die Wilhelmstraße näher zu betrachten.

Das Parkraumangebot am Park-and-Ride Parkplatz Wilhelmstraße ist mit einer Parkscheibe für zwölf Stunden ebenfalls kostenfrei. Am Holzwickeder Bahnhof gibt es bereits eine Park-and-Ride-Anlage mit eine Parkautomaten. Bislang wird dieser allerdings lediglich zur ordnungsbehördlichen Überwachung der Parkdauer genutzt.

„In Anbetracht von Kosten und Nutzen eines entsprechenden Ticketautomaten sollte die Refinanzierung durch Parkscheine berücksichtigt werden. Schließlich sind Parkgebühren in den angrenzenden Kommunen gängige Praxis, sodass nicht von Kaufkraftverlusten auszugehen ist“, heißt es im zugehörigen Zwischenbericht weiter.

Die Politik signalisierte für das Umweltkonzept ihre grundsätzliche Zustimmung. Aus mehreren Fraktionen gab es aber Kritik, die vor allem das bezahlte Parken betraf. Im vergangenen Umweltausschuss diskutierten die Parteien nur am Rande über dieses Thema. Beschlossen werden soll das Umweltkonzept aber voraussichtlich erst im Juni.

Bis dahin wird die Verwaltung noch weiter am Konzept arbeiten und sich mit der Politik beraten. Zudem ist ein Dialog mit den Holzwickedern in einem Bürgercafé geplant. Ein Termin hierfür ist auch vor dem Hintergrund der Corona-Epidemie derzeit offen.

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