Der Bushaltestelle schräg gegenüber der Nordschule fehlen eine Seiten- und eine Dachscheibe. Für die PARTEI das geeignete Objekt, um hier eine neue Variante samt Dachbegrünung zu installieren. © Greis

Kritik an Heroin-Praxis: Patienten betteln und verschrecken Kinder

Die Diamorphinambulanz im Holzwickeder Norden war von Beginn an umstritten. Es hat sich herausgestellt: Die Bedenken einiger Bürger sind keine Vorurteile mehr. Aber das Problem bleibt komplex.

Die Eröffnung der Diamorphinambulanz an der Wilhelmstraße, in der seit November 2020 schwerstabhängige Heroin-Patienten behandelt werden, hat von vornherein polarisiert. Die Gegner der Praxis äußerten die Sorge vor unangenehmen Zwischenfällen, die durch Substanzkonsum entstehen könnten.

Die Befürworter setzten sich stattdessen gegen eine Stigmatisierung von Drogenabhängigen ein, begrüßten die Praxis als einen Ort, an dem schwache Mitglieder der Gesellschaft eine faire Behandlung bekommen. Ihnen sollte mit medizinischem Heroin ein möglichst ungefährlicher Konsum ermöglicht werden. Phänomenen wie Beschaffungskriminalität sollte diese Praxis eben vorbeugen.

Die Beschwerde über den möglichen Drogenkonsum von zwei Frauen in einer Garage kam von Anwohnern in der östlichen Wilhelmstraße. Die Diamorphinambulanz findet sich rund 400 Meter westlich am Anfang der Straße. © Czichowski © Czichowski

Jetzt, ein knappes halbes Jahr nach der Eröffnung der umstrittenen Praxis, fällt das Fazit der Gemeindeverwaltung alles andere als rosig aus: „Wir stellen tatsächlich fest, dass es einige Probleme gibt. Ich will das nicht verheimlichen“, sagte der Erste Beigeordnete der Gemeinde, Bernd Kasischke, am Donnerstagabend in einer Sitzung des Haupt-, Finanz- und Personalausschusses in der Rausinger Halle.

Mehrere Vorwürfe gegen die Patienten der Heroin-Praxis

Bezüglich des Umfelds der Praxis, konkret sind die Patienten gemeint, würden sich die Meldungen von „Störungen der öffentlichen Ordnung“ häufen. Gemeint sind unter anderem Bettel-Vorwürfe, das Hinterlassen von Müll an Bushaltestellen. Auch von Diebstahl ist die Rede und davon, dass rund um die Nordstraße teilweise Kinder verschreckt worden seien.

Die Gemeindeverwaltung sei jüngst erneut auf die Praxis zugegangen und habe die Leitung mit den Vorwürfen konfrontiert. „Wir haben sehr eindringlich gefordert, dass sich daran etwas ändert. Wir wollen keinen Müll, kein Anbetteln, keine Diebstähle und es sollen keine Kinder erschreckt werden“, sagte Kasischke.

Das Team um Dr. Christian Plattner habe der Gemeinde daraufhin zugesichert, „nicht nur darauf zu achten, sondern auch zu handeln“, so der Beigeordnete. So sollen etwa die Patienten demnächst länger in der Praxis verweilen, zusätzliches Personal soll sich um die Patienten laut Kasischke noch mehr kümmern, sie auf ihr Fehlverhalten in der jeweiligen Situation sofort hinweisen.

Kasischke ordnete am Donnerstagabend aber grundsätzlich ein: „Ein Stück weit muss man so etwas ertragen. Es gibt schwächere und stärkere Mitglieder der Gesellschaft“. Insgesamt sei die Praxis „eine gute Sache“.

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski

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