Kreis Unna fordert dicke Nachzahlung aus Holzwickede für Kinder- und Jugendhilfe

dzMinus im Jahresabschluss

Dem Kreis Unna fehlen für das Jahr 2019 satte 3,4 Millionen Euro für die Arbeit des Kreisjugendamtes. Für Holzwickede bedeutet das eine millionenschwere Nachzahlung. Die Gemeinde fordert einen Sparkurs.

Holzwickede

, 21.05.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war eine kurze aber prägnante Mitteilung von Dezernent Torsten Göpfert am Ende des Jugendhilfeausschusses am Dienstagabend: „Der Jahresabschluss 2019 sieht ein Defizit von 3,4 Millionen Euro vor. Das ist eine Summe, die in der Höhe nicht zu erwarten war“, sagte Göpfert.

Die Summe müssen sich nun Holzwickede, Fröndenberg und Bönen teilen, die als einzige Kommunen ohne eigene Jugendämter diesbezüglich über den Kreis Unna betreut werden. Die Leistungen werden über die differenzierte Kreisumlage berechnet, die die drei Kommunen zusätzlich zur Kreisumlage zahlen.

Rechnung über 1,1 Millionen Euro für Holzwickede

Holzwickedes Erster Beigeordneter Bernd Kasischke hat auf dem Schreibtisch liegen, was an Nachzahlung auf die Gemeinde zukommen wird: 1,1 Millionen Euro. Fröndenberg und Bönen wiederum müssen je 1,15 Millionen Euro beisteuern.
Aus dem Millionen-Defizit ergeben sich Fragen. Zwar weiß Kasischke, dass sich die Mehrausgaben vor allem aus den Posten Kindertagesbetreuung und Hilfen zur Erziehung ergeben.

Was Kasischke und seine Kollegen in Bönen und Fröndenberg nicht wissen: Wie kann es sein, dass der Kinder- und Jugendhilfe plötzlich 3,4 Millionen Euro fehlen?

Antworten darauf gab Göpfert im Ausschuss zunächst nicht. Er verwies auf eine Sondersitzung am 24. Juni. „Dann werden wir im Detail informieren und diskutieren“, kündigte er an.

„Der Kreis wird sich erklären müssen“, sagt Bernd Kasischke. Diese Mehrbelastung für die Gemeindekasse schmerze. Zumal die Umlagen an den Kreis seit Jahren steigen. Und die aktuelle Mehrbelastung nicht die erste ist, die Göpfert in der jüngeren Vergangenheit verkünden musste.

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Kostenanstieg

Differenzierte Kreisumlage

  • Berechnet war ein Holzwickeder Anteil in Höhe von 6,6 Millionen Euro für das Jahr 2019. Durch die Nachzahlung steigt der Betrag auf 7,7 Millionen Euro.
  • Damit liegt man fast auf dem Ansatz für 2020, der die anteilige Umlage für die Gemeinde auf rund 7,9 Millionen Euro beziffert.
  • Zusätzlich zur differenzierten Kreisumlage steuert Holzwickede in 2020 auch gut 12,5 Millionen Euro zur „normalen“ Kreisumlage bei.

„Wir würden uns freuen, wenn der Kreis künftig einen kritischen Blick auf die Aufwendungen für Erziehung, Kita-Betreuung und Personal wirft und uns einbezieht“, sagt Kasischke. Plötzliche Mehrkosten dieser Dimension würden in Zeiten des Coronavirus die Handlungsfähigkeit der Kommunen bedrohen.

Der Gemeinde drohen enorme Verluste auf der Einnahmenseite. Einem eigenen Plus von rund 2,6 Millionen Euro nach Jahresabschluss 2019 steht nun die Forderung des Kreises über 1,1 Millionen Euro gegenüber.

„Letztlich sitzen wir alle in einem Boot. Aber die Holzwickeder Bürger zahlen am Ende. Und da erwarten wir Einblick und eine wirkungsorientierte Steuerung der Leistungen“, so Kasischke. Das müsse man forcieren, ohne dass die Arbeit des Jugendamtes leide.

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