Wenn Krebs diagnostiziert wird, bleiben Patienten oft hilflos zurück. Bei vielen führt die Diagnose auch zu finanziellen Engpässen. Eine Holzwickederin freut sich nun über ein bisschen Erholung.

Holzwickede

, 06.09.2019, 15:43 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich hat Tanja Raupach alles, was man sich in ihrem Alter nur wünschen kann. Die 38-Jährige ist in einer glücklichen Beziehung mit ihrem Mann Benjamin. Mit ihren vier Töchtern leben sie gemeinsam in einem Reihenhaus in Holzwickede.

Das Familienglück wurde aber in diesem Jahr vor eine Belastungsprobe gestellt. Im März plagten sie schreckliche Schmerzen im Beckenbereich. Die Untersuchungen ergaben nichts Gutes: Die Diagnose lautete Krebs.

Die zweite Hiobsbotschaft

Ganz so sehr habe es ihr den Boden unter den Füßen dieses Mal aber nicht weggerissen, wie sie verrät: Denn es ist die zweite Hiobsbotschaft, die sie in wenigen Jahren übermittelt bekam. 2016 hatte sie schon einmal mit der Krankheit zu kämpfen.

Damals wurde ein Tumor im Gaumenbereich festgestellt. „Dann ging alles sehr schnell“, sagt sie. „Wenig später wurde ich stundenlang operiert.“ Es folgten drei weitere Operationen mit anschließender Bestrahlung. Gerade als sie dabei war mit dem Thema abzuschließen, erwischte es sie dann noch einmal.

Von Krankenhaus zu Krankenhaus

Wie Benjamin und Tanja Raupach erklären, hat die Krankheit weitreichende Folgen. In erster Linie in physischer und psychischer Hinsicht. Hinzu kommt viel Stress: Nach Ausbruch der Krankheit stand in beiden Fällen nämlich eine regelrechte Krankenhaus-Odyssee auf dem Plan. In verschiedenen Kliniken fühlten sie sich nicht optimal behandelt. Oft wurden sie weiterverwiesen.

Der Austausch mit dem Westdeutschen Tumorzentrum in Essen steht dabei besipsielhaft für ihre Zwangslage, aber auch für ihre Courage. Mehrere Telefonate und auch Schriftverkehr blieben ohne Ergebnis. Dann fuhr sie selbst nach Essen. „Ich wollte dem Namen ein Gesicht geben. Ich bin dann da rein gegangen und habe gesagt: Hier bin ich, ich will leben.“

Ein gewisses Funkeln in den Augen

Alles andere als wehleidig kommt sie daher. Im Gespräch lacht sie mehrmals. Wenn sie über ihre Kinder spricht, hat sie ein gewisses Funkeln in den Augen. „Nicht alle von ihnen verstehen das Ausmaß meiner Krankheit. Wir sprechen das Wort Krebs aber untereinander auch nicht aus“, erzählte Raupach. Nach außen hin geht sie mit ihrer Krankheit durchaus selbstbewusst um. Man muss zweimal hinschauen, um zu merken, dass es ihr derzeit nicht gut geht.

Keine Zeit für einen Job

Die Situation in ihrer Familie ist nämlich alles andere als einfach. Beide Raupachs sind momentan nicht in der Lage, einen Job auszuüben. Die Zahnarzthelferin eben aus Krankheitsgründen und der gelernte Speditionskaufmann Benjamin, weil er sich neben der Pflege seiner Frau auch um den Haushalt und die vier Kinder kümmern muss. Sein Alltag besteht unter anderem aus Fahrten zur Schule und zu Ärzten.

Es ist eine schwere Last, die der 37-Jährige seit einiger Zeit trägt. Zwar bekommen die Raupachs momentan noch finanzielle Hilfe von der Krankenkasse. Diese droht aber in den kommenden Wochen wegzufallen. Finanziell könnte es in Zukunft dadurch etwas enger werden.

Die Alltags-Sorgen links liegen lassen

Nicht nur körperlich und organisatorisch, sondern auch psychisch sind die Raupachs ziemlich stark belastet. Quasi durch Zufall bietet sich nun aber eine Möglichkeit, die Alltags-Sorgen für eine Woche links liegen zu lassen. Der Holzwickeder Frank Brockbals erfuhr vom Schicksal der Raupachs. Brockbals wurde aktiv.

Er ist nämlich Mitglied im Verein „Auszeit für die Seele“ in Bönen. Der Verein veranstaltet Touren, bei denen Geld gesammelt wird. Mit diesem Geld unterstützen sie dann krebskranke Menschen, die finanziell nicht gut aufgestellt sind.

„Auszeit für die Seele“

Hilfe für bedürftige Krebskranke

  • Der Verein „Auszeit für die Seele“ aus Bönen zählt momentan 40 Mitglieder. Er vermittelt und bezahlt Ferienunterkünfte für bedürftige Krebskranke.
  • Anemarie Hunecke und Reinhard Göddemeyer haben den Verein ins Leben gerufen, nachdem sie auf ein ähnliches Konzept in Israel aufmerksam geworden waren. Zuvor waren sie in einer anderen Organisation in der Krebshilfe aktiv
  • Viele der Mitglieder sind in Sachen Krebs gewissermaßen vorbelastet: In ihrem Umfeld gab oder gibt es einige Patienten.
  • Der Verein sucht dringend weitere Partner in allen Bereichen, um künftig noch mehr Menschen eine Auszeit ermöglichen zu können.

Eine Woche an der Nordsee

So nun auch jüngst Tanja Raupach. Am Freitagmorgen waren Brockbals, die Vereinsvorsitzende Annemarie Hunecke und der zweite Vorsitzende Reinhard Göddemeyer zu Besuch bei der Familie in Holzwickede und überreichten ihr einen Gutschein für einen einwöchigen Urlaub. In den Herbstferien beziehen sie in Wangerland an der Nordsee eine Ferienwohnung. Die Kosten trägt der Verein in Kooperation mit dem Vermieter. Der verzichtet nämlich in der Regel auf einen Teil der anfallenden Kosten.

„Wir haben Kooperationen mit zahlreichen Vermietern von Ferienwohnungen in Deutschland und dem Ausland. Und wir sind auf der Suche nach noch mehr Partnern“, erzählte Göddemeyer. Ihre Aktivitäten sprechen sich allerdings ziemlich gut herum. Auch durch Internet-Präsenz werden immer mehr Immobilienbesitzer auf die Aktion aufmerksam.

Sichtlich gerührt nahmen die Raupachs den Gutschein entgegen, auch wenn es ihnen schwer fiel: „Man möchte ja eigentlich auf eigenen Beinen stehen und sich nicht helfen lassen“, erklärt sie. Eine Auszeit haben sie und ihr Mann aber bitter nötig. Nach allem was sie durchgemacht haben, so möchte man meinen, haben sie eine kurze Pause vom Alltag defintiv auch verdient.

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