Eine statt zwei bis drei Mahden über den Sommer: Mehr war 2018 für die meisten Landwirte nicht drin. Der trockene Sommer sorgt im Winter für steigende Heupreise und Engpässe beim Tierfutter.

Holzwickede

, 08.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Wer die Nadel im Heuhaufen sucht, sollte sein Glück in diesem Winter versuchen: All zu groß sind die Vorräte der hiesigen Landwirte nicht. Wer Heu als Futter für seine Tiere zukaufen muss, braucht gute Kontakte, um nicht tiefer als üblich in die Tasche greifen zu müssen.

Normalerweise verfüttert Tatjana Janke um diese Jahreszeit einen Heuballen pro Woche. In diesem Winter muss sie sparsam mit dem gekauften Heu umgehen, denn auch ihr Lieferant muss mit seinen Vorräten haushalten. „Ich habe Glück, dass mir ein Bauer das Futter liefert. Zwei Ballen habe ich noch in Reserve, mit sechs weiteren kann ich rechnen“, sagt Tatjana Janke, die somit für vier Monate gesichert Futter hat. Sie hält am Luftschachtweg in Richtung Emscherquellhof zwei Pferde, einen Bullen, fünf Schafe und mehrere Hühner. Zwei Hütehunde bewachen zudem Stallanlagen und Weide. Janke streckt wie viele in diesen Zeiten das Heu mit Stroh. „Normalerweise muss ich im Sommer kaum zufüttern. Im vergangenen Jahr musste ich aber schon im Juli damit anfangen“, sagt sie. Die Weide in Holzwickede und auch eine weitere in Billmerich gaben aufgrund der Hitze und Trockenheit nicht mehr her.

Heu und Stroh

Nicht jeder Halm ist gleich

Mähen Landwirte ihr Grünland und lassen den Schnitt trocknen, entsteht Heu. In der Regel können Landwirte ihre Flächen zwei bis drei Mal im Jahr mähen. Die erste Mahd im Frühsommer ist die Heumahd. Weitere Schnitte werden als Grummet bezeichnet. Heu besteht neben Gräsern auch aus Kräutern und anderen Wiesenpflanzen. Stroh hingegen bleibt übrig, wenn Weizen-, Roggen- oder Gersten ausgedroschen sind. Es trocknet auf den Feldern und wird anschließend zu Ballen gepresst. Stroh wird zum Einstreuen und als Futter genutzt.

Janke bekommt ihr Heu aus Hengsen von Landwirt Wilhelm Eickel geliefert. „Darauf bin ich angewiesen, weil ich keinen Lagerplatz habe.“ Zudem hat sie das Glück, Stammkundin zu sein. Wer aktuell spontan einen Landwirt anfragt, holt sich sehr wahrscheinlich eine Abfuhr. Eickels fester Kundenstamm fasst rund ein halbes Dutzend Abnehmer. „Ich liefere frei Haus, aber nur noch für die Stammkundschaft“, sagt der Landwirt. Gut 100 Heuballen hat er noch vorrätig. Normal wäre die doppelte Menge. „Es kommt derzeit öfter vor, dass ich nach Heu gefragt werde. Ich muss dann absagen“, sagt Eickel. Neben der Heumahd hat er im Sommer noch ein zweites Mal gemäht. „Das war aber eine sehr kurze Mahd. Eigentlich hatte ich nur gut die Hälfte der gewohnten Erträge. Das habe ich so noch nicht erlebt.“

Heu ist auch bei Maik Middelschulte derzeit Mangelware. Eigentlich ist der Verkauf von Heu für ihn ein Nebengeschäft. Auf Schweinemast und Ackerbau liegt der eigentliche Fokus. In diesem Winter fällt der Heuverkauf weg. „Ich habe nichts mehr. Ein bisschen bekommt noch die Stammkundschaft – meine Schwiegereltern. Aber auch die kaufen schon aus Bayern und Frankreich zu“, sagt Middelschulte. Aus Bayern oder dem Ausland kaufen, das sei mitunter noch günstiger, als es bei lokalen Anbietern zu versuchen. Liegen die Preise für einen Ballen Heu normalerweise zwischen 40 und 50 Euro, sind Preise ab 100 Euro aktuell keine Seltenheit. „Da reicht ein Blick in die Kleinanzeigen im Internet“, um das zu sehen“, sagt Tatjana Janke. Von einer exorbitanten Preiserhöhung bleibt sie zumindest verschont. Bauer Eickel habe die Preise sehr human erhöht. Man bewegt sich hier noch immer in einem mittleren zweistelligen Bereich.

Knappes Gut: Heu wird zur teuren Mangelware

Tatjana Jankes Tiere bekommen ihr Heu von Landwirt Wilhelm Eickel. Der liefert quasi frei Haus.

Wer das Futter noch anbieten kann, bekommt deswegen nicht automatisch Geld wie Heu. „Ich kann das gegenüber meinen Kunden auch nicht plötzlich so viel teurer anbieten“, sagt Wilhelm Eickel. Wer nicht darauf angewiesen ist, hält seine Vorräte sowieso beisammen. „Ich verkaufe nichts“, sagt Wilhelm Riedel. Auf seinem Hof hat er rund 30 Pferde eingestallt, die sich frei zwischen Weide und einem Offenstall bewegen. Die Besitzer der Tiere kommen größtenteils aus Holzwickede und den umliegenden Gemeinden. Stroh, Heu, Silage – auf dem Hof Riedel haben die Tiere die freie Auswahl. „Ich komme aus, habe noch Vorräte aus 2017. Der erste Schnitt in 2018 war bei mir auch noch ziemlich gut“, sagt der 81-Jährige. Weil es an Futter nicht mangelt, wird die Stallmiete bei ihm auch nicht teurer. „Das sieht auf vielen Reiterhöfen mittlerweile anders aus“, sagt er. Wer sein Pferd in einer Box einstallt, zahlt inklusive Futter. Wird das teurer, steigt auch die Stallmiete.

Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe, spricht schon gar nicht mehr von Futterverkauf sondern von Futterzuteilung. „Ob Pferde oder Milchvieh. Futter ist aktuell das Thema. Untereinander wird sich ausgetauscht, wo man noch was bekommt. Ich höre von Landwirten, die Grundfutter aus Österreich und der Schweiz einkaufen“, sagt Wortmann. Noch schlimmer sei die Situation in Norddeutschland. Aber auch im Hochsauerland und im Märkischen Kreis hätten die Kreisverbände mittlerweile Futterbörsen für die Landwirte eingerichtet.

Die Preise für Heu und Stroh werden auch weiterhin hoch bleiben. „Die Vorräte sind weg. Im Mai wird alles leer sein und dann denke ich, dass auch früher geschnitten und sofort verfüttert wird“, sagt Maik Middelschulte. Sollte auch 2019 über einen langen Zeitraum wenig Niederschlag fallen, könnten viele Landwirte und Tierbesitzer Probleme bekommen. „Ich habe Bekannte in Düsseldorf und Wuppertal, die Schafe haben. Die müssten dann Tiere verkaufen oder schlachten“, sagt Tatjana Janke.

Lesen Sie jetzt

Hellweger Anzeiger Ausbau zur Kleinkunstbühne

Die Rausinger Halle soll nach den Ferien in neuem Licht erstrahlen

Hellweger Anzeiger Eröffnung des Cafés

„Die Gäste sollen zum Emscherquellhof kommen, weil Kaffee und Kuchen schmecken“

Meistgelesen