Mit Kabarette und Rockband eröffnete am Freitagabend die Kleinkunstbühne Rausingen. Die Halle war zwar voll, aber der Funke zwischen Künstlern und Publikum wollte nicht überspringen.

von Lena Zschirpe, Christian Greis

Holzwickede

, 21.09.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dem Kabarettisten Len Mette und der Bremer Rockband „Eyevory“ war am Freitagabend ein mehr oder weniger öffentlicher Teil für Vertreter der Politik und geladene Bürger vorgeschaltet. Einleitenden Worten von Bürgermeisterin Ulrike Drossel und Michael Klimziak als Vorsitzendem des Kulturausschusses folgten das feierliche Durchschneiden eines roten Bandes sowie eine Lichtshow, die die Potenziale der eingebauten Technik zeigte.

Warum dabei der verantwortliche Veranstaltungstechniker sich zusammen mit der Kulturbeauftragten Kristina Cikes überdimensionierte Bälle zuwarf - darüber durfte jeder Besucher für sich selbst nachdenken. Die Einlage war insofern obsolet, als das die Licht- und Tontechnik spätestens beim Auftritt der Bremer Rockband „"Eyevory"“ zeigte, was in ihr steckt.

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Eröffnung Kleinkunstbühne Rausingen

Das war zuvor bei Len Mette nicht nötig. Unterstützt von zwei Begleitmusikern brachte Mette einen Mix aus Gesang, Lesung und Anekdoten über seine Zeit in der „Klapsmühle“ auf die Bühne. Mit dem Outing, hier aufgrund von Depressionen gut zehn Wochen verbracht zu haben, eröffnete er sein Programm und bezog auch gleich das Publikum mit ein.

Was hoffnungsvoll startete, verflachte zunehmend. Im Saal reichte es nur vereinzelt zu Lachern, wenn Len Mette seine Erfahrungen mit Vertretungspsychiatern und Mit-Erkrankten teilte, die auf ihrem Teller partout kein Gesicht aus Gemüse zerschneiden konnten, bei Fisch damit aber kein Problem hatten. Es war eben am Freitag auch ein eher gesetzteres Publikum, das anscheinend eher aus Neugier ob der Veränderungen in der Rausinger Halle denn aus Interesse an den Künstlern zugegen war.

Künstler und Publikum finden zur Eröffnung der Kleinkunstbühne nicht recht zusammen

Len Mette mühte sich seine Erfahrungen mit Depression und Aufenthalt in der „Klapse“, wie er es nannte, humorvoll rüberzubringen - klappte jedoch nur vereinzelt. © Greis

Auch für tanzbare Rockmusik könnte die Kleinkunstbühne der richtige Ort sein - in der Theorie. Mit „Eyevory" führte eine progressive Folk-Rock-Band den Abend an, die sich nicht vor Experimenten scheute. Schlagzeug und E-Gitarre trafen auf eine klassische Querflöte und dynamische Rockparts auf zweistimmigen Frauengesang.

Bestuhlte Halle passte nicht zum Auftritt von „Eyevory“

Wo die Saiten und Trommeln mal etwas deftiger wurden, fügte sich die Flöte überraschend raffiniert ins Klangbild. Es schien fast, als würde Rockmusik gar nicht anders funktionieren. Auch die Sängerinnen Kaja Fischer und Jana Frank ließen sich während der Performance zum Tanzen und Headbangen hinreißen.

Nur beim Publikum kam die Ausstrahlung der Band nicht an: Statt mit offenen Tanzflächen glänzte die Rausinger Halle nach dem Part von Len Mette weiter mit gerade gerückten Stuhlreihen. Im hinteren Teil luden Stehtische eher zum Plausch als zum Bewegen ein.

Beim Blick über die Sitzreihen hätte gar der Eindruck entstehen können, dass alljährliche Weihnachtssingen der Seniorenbegegnungsstätte sei vorverlegt worden und versehentlich hätte wer ein paar zünftige Rocker geladen. Zumindest outeten sich nach den Songs auch einige Fans mit Jubelrufen, die anscheinend tatsächlich für die Band gekommen waren.

Künstler und Publikum finden zur Eröffnung der Kleinkunstbühne nicht recht zusammen

Handwerklich war der Auftritt von „Eyevory“ um die Frontfrauen Jana Frank und Kaja Fischer am Freitagabend top. Allein die richtige Zielgruppe war nicht zugegen. © Udo Hennes

Zwei Welten treffen aufeinander

„Ich bin auf eine interessante Geschichte über ein Geistermädchen gestoßen“, als Jana Frank eine Anekdote über den nächsten Song erzählen will, machten sich bereits einige Zuschauer auf den Heimweg. Auf die Bremse drückte die Band deswegen nicht, das Stück „Follow Me“ überraschte mit weiteren Stilbrüchen.

„Eyevory" blieben bei diesem Auftritt, der auch für sie in gewisser Weise überraschend gewesen sein dürfte, professionell und leidenschaftlich.

Die Band musste hinnehmen, dass sie am richtigen Ort zur falschen Veranstaltung gebucht wurde. Denn eigentlich sprechen sowohl Akustik als auch Größe der Halle für ein Rockkonzert. Da der Sound spätestens an der Rausinger Straße selbst kaum noch zu hören ist, bleiben auch die Nachbarn weitestgehend vor lauter Musik verschont.

Trotzdem entstand am Freitagabend für den neutralen Beobachter ein irritierender Eindruck, der zwei Welten aufeinander prallen ließ. Auf der einen Seite das Publikum, das vergebens zu Gitarrensoli im Takt zu klatschen versuchte, als sei es die Carmen-Nebel-Show, auf der anderen die passionierten Musiker, die die Situation zu retten versuchten. „Eyevory" haben jedenfalls ihr Bestes getan, um auf die andere Seite zuzugehen.

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