Weihnachtsmärkte fallen weg und damit auch Auftrittsmöglichkeiten für Kim Friehs und seine Band Max im Parkhaus. © Jan Schulze
Kultur in Holzwickede

Kleinkunst statt Böllern: Künstler sollen Silvester für Holzwickeder auftreten

Ein komplettes Böller-Verbot wird es Silvester wohl nicht geben. Ein Holzwickeder nimmt die Diskussionen darum aber zum Anlass, eine Alternative zu bieten: Ein Kulturprogramm, das heimische Künstler unterstützt.

Nicht erst seit Corona wird das jährliche Abfeuern von Raketen und Böllern an Silvester kontrovers diskutiert. Für die einen ist es festes Ritual zum Jahreswechsel, für andere umweltschädlich und Geldverschwendung. Als Grünen-Ratsmitglied ist Friedhelm Klemp kein Fan der Böllerei, verbieten will er es den Menschen aber nicht. Vielmehr denkt er in diesem besonderen Jahr über eine Alternative nach: Kleinkunst statt Böllern.

Große Silvesterpartys sind nicht drin, organisierte Veranstaltungen in entsprechenden Räumlichkeiten mit gebuchten Künstlern sowieso nicht. Für Klemp heißt das aber nicht, dass man am letzten Tag des Jahres nicht dennoch ein Kulturprogramm bieten könnte. Warum Auftritte von Künstlern nicht mit dem verbinden, was aktuell erlaubt ist und die Holzwickeder zu einem Spaziergang durch die Gemeinde einladen, der von Musik, Tanz, Literatur oder Akrobatik begleitet wird?

Spaziergang mit Musik, Literatur und Akrobatik

„Wegen der Beschränkungen werden dieses Jahr sehr viele Holzwickeder den Jahreswechsel im Ort verbringen. Warum den Menschen also nicht Kleinkunst aus Holzwickede für Holzwickede bieten“, sagt Klemp. Heimische Künstler aber auch Vereine könnten entlang der Straßen, an Plätzen oder vor Seniorenheimen auftreten. Bürger könnten entlang einer Route den Darbietungen auf Abstand und mit Mund-Nasen-Schutz beiwohnen und weiterziehen.

Kommt es zu Kleinkunst statt Böllern, dann würde Kim Friehs gerne für die Holzwickeder auftreten. Zuletzt war er oft auf Unnas Straßen unterwegs. © Vivien Nogaj © Vivien Nogaj
Kleinkunst statt Böllern

Kontakt für Künstler und Helfer

Wer Friedhelm Klemp bei seinem Vorhaben unterstützen möchte, erreicht ihn unter Tel. (02301) 43 28 oder per Email: friedhelmklemp@gmx.de

Nach ganz ähnlichem Prinzip fanden in den vergangenen Tagen bereits Glühwein-Spaziergänge in Köln statt. „Das wäre auch eine schöne Sache und könnte man einbinden. Vereine könnten sich präsentieren, der Historische Verein zum Beispiel sein aktuelles Kneipenbuch verkaufen“, denkt Klemp an mögliche Akteure. Kleinkunst an der frischen Luft könnte Abwechslung in den mitunter monotonen Alltag bringen.

Einhaltung der Corona-Regeln müsste vorab geprüft werden

„Ich denke, das wäre für einige Stunden am frühen Nachmittag umsetzbar. Natürlich ist ein Sicherheitsbereich mit strengen Vorschriften einzuhalten, bräuchte es auch freiwillige Ordner“, so Klemp. Bei der Verwaltung habe er sich bereits im Fachbereich Kultur erkundigt, ob seitens der Gemeinde auch Unterstützung möglich sei.

Bürgermeisterin Ulrike Drossel sagte im Gespräch mit dieser Redaktion auf Anfrage zur Idee: „Das ist grundsätzlich begrüßenswert. Man müsste das auch mit unseren Ordnungsamtsmitarbeitern absprechen, aber es spricht erstmal nichts dagegen, wenn Künstler an verschiedenen Stellen im Ort auftreten, wenn dabei die geltenden Corona-Regeln eingehalten werden.“

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Im Frühjahr spielte Saxophonist Peter Sagurna für seine Nachbarn vom Balkon. Am letzten Tag des Jahres würde auch er für die Holzwickeder spielen. © Carlo Czichowski © Carlo Czichowski

„Natürlich könnten die Künstler einen Hut aufstellen“, sagt Klemp, der aber auch schon Kontakt zur Sparkasse Unna-Kamen gesucht hat, die sich laut Klemp vorstellen könne über die Stiftung „Gutes Tun“ die teilnehmenden Akteure per Spendenkonto zu unterstützen. „Geld, das durch Böllerverzicht gespart wird, könnte dann der Kleinkunst gespendet werden“, sagt der Holzwickeder.

Bei heimischen Künstlern kommt seine Idee an: „Normalerweise würde ich Silvester in der Kölner Lanxess-Arena beim 50-Jährigen der Bläck Fööss spielen“, sagt etwa Saxophonist Peter Sagurna. Während des ersten Lockdowns hat er bereits regelmäßig für die Nachbarn vom Balkon aus aufgespielt. „Ich hätte Zeit und Interesse“, sagt er.

Kim Friehs war zuletzt als Straßenmusiker unterwegs

Kim Friehs geht es nicht anders. Er ist in den vergangenen Wochen in Unnas Innenstadt als Straßenmusiker unterwegs gewesen. „Ich habe eine akkubetriebene Anlage, kann mit Gitarre überall spielen und singen“, sagt er. Auch für den Musicalverein „Vorhang auf, Holzwickede“ wäre so ein Kleinkunstspaziergang eine Möglichkeit, sich zu zeigen. Der Vereinsvorsitzende Friehs sagt aber auch: „Wir konnten ja kaum proben zuletzt. Da was auf die Beine zu stellen, wäre nicht einfach.“

Auch Krimiautor Thomas Matiszik hätte Lust, den Holzwickedern einige Leseproben zu geben, wenn er denn da ist: „Noch haben wir Urlaub gebucht. Wenn der nicht stattfindet und man kurzfristig dabei sein kann, wäre das eine tolle Sache.“

Als schwarzer oder rot-blauer Spiderman verkleidet, filmt Ioannis Kipreos regelmäßig kurze Videos seiner Turneinlagen und stellt sie ins Internet. © Udo Hennes © Udo Hennes

Für Unterhaltung könnte auch Holzwickedes Spiderman Ioannis Kipreos sorgen. „So ein Programm würde Abwechslung in die langweilige Corona-Zeit bringen. Ich könnte mir einen Auftritt durchaus vorstellen“, sagt der Akrobat, der auf diversen Plattformen in den Sozialen Medien mehr als 800.000 Fans hat, die seine in kurzen Videos gezeigten Kunststücke regelmäßig verfolgen.

Friedhelm Klemp sucht Unterstützer für „Kleinkunst statt Böllern“

„Ich denke, so ein Angebot könnte auch für die Sportvereine eine gute Möglichkeit sein, sich zu präsentieren“, ist Friedhelm Klemp offen für Teilnehmer und Hilfe aus allen Richtungen. Auch vorproduzierte Videos mit Holzwickeder Beteiligten könnte er sich vorstellen, die dann über die Kanäle der Gemeinde im Internet verbreitet würden.

Bestenfalls möchte er mit entsprechenden Kontakten in den nächsten Tagen auf die Verwaltung zugehen und hat die Hoffnung, das seine Idee dann auch ein Thema im kommenden Kulturausschuss am Mittwoch, 9. Dezember, sein wird.

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis
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