Kita-Neubau im Park: Entsiegelte Flächen sollen die gefällten Bäume ausgleichen

dzUmweltausschuss muss entscheiden

Mitte September kommt der Umweltausschuss zusammen, um darüber zu entscheiden, ob für die neue Kindertagesstätte Bäume gefällt werden. Die Verwaltung wirbt mit Ausgleichsmaßnahmen.

Holzwickede

, 29.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Glücklicherweise gibt es in der Baumschutzsatzung der Gemeinde den Paragrafen 6, Absatz 2, Buchstabe b: Der besagt nämlich, dass durch die Satzung geschützte Bäume aus Gründen des allgemeinen Wohls gefällt werden dürfen. Nur diese Begründung macht es möglich, dass der Umweltausschuss am Montag, 17. September, darüber entscheiden muss, ob zehn durch die Baumschutzsatzung geschützte Bäume für den Bau der Kita im Emscherpark gefällt werden dürfen.

Unter den Bäumen befindet sich eine Eiche mit einem stattlichen Durchmesser von 4,36 Metern. Hinzu kommen Pappel, Linde, Ahorn, Platane und Weide. Um die Bäume zu fällen, würde man eigentlich einen anderen Absatz in Paragraf 6 der Satzung für eine Ausnahme bemühen: Der Schutz der Bäume kann auch umgangen werden, wenn „eine nach den baurechtlichen Vorschriften zulässige Nutzung sonst nicht oder nur unter wesentlichen Beschränkungen verwirklicht werden kann.“ Aktuell herrscht auf der Fläche aber kein Baurecht für eine Kita vor.

Ersatzpflanzungen theoretisch nicht nötig

Hierfür muss erst der Bebauungsplan geändert werden. Die Unterlagen hierzu liegen bekanntermaßen aktuell bei der Gemeinde zur Einsicht aus. „Der B-Plan gibt das aktuell nicht her, weshalb wir auf diesen Ausnahmetatbestand verweisen“, sagt die Umweltbeauftrage Tanja Flormann. Dass das so ist, brächte bei einer Abstimmung im Ausschuss pro Fällen den Nebeneffekt mit sich, dass die Gemeinde keine Ersatzpflanzungen vornehmen müsste. Das wäre nämlich nur der Fall, wenn sich das Entfernen der Bäume aus baurechtlichen Vorschriften begründen lässt. Werden die Pflanzen für das Allgemeinwohl geopfert, ist eine Ersatzpflanzung laut Baumschutzsatzung nicht erforderlich.

Darauf will es die Gemeinde aber nicht ankommen lassen. Vielmehr wirbt man in der Vorlage für die Ausschusssitzung bereits mit Alternativen, die Schäden an der Natur ausgleichen und den Park um eine künftige Kita aufwerten sollen. „Wir vernichten Grünflächen im Zentrum der Gemeinde. Das ist der Stand der Dinge. Im Gegenzug wollen wir Ausgleichsmaßnahmen anbieten“, sagt Flormann. Hierzu habe man sich entsprechend Gedanken gemacht und möchte die Bodenversiegelung im Rahmen eines Neubaus kompensieren.

Kita-Neubau im Park: Entsiegelte Flächen sollen die gefällten Bäume ausgleichen

Die hellgrüne Fläche soll als Ausgleich für gefällte Bäume aufgewertet werden. © Gemeinde Holzwickede

Entlang des Kita-Geländes verläuft ein Fußweg, der auch als Schulweg dient. Aus Richtung Norden (Kirchstraße) und Westen (Hauptstraße/ Brücke Emscher) ist dieser klar definiert und führt über die Allee zur Opherdicker Straße. Das asphaltierte Teilstück dazwischen am Rande des Platzes von Louviers soll als Ausgleich entsprechend entsiegelt werden. Anschließend soll ein Weg mit wassergebundener Decke angelegt werden. Neues Grün, neue Bäume und Sitzgelegenheiten sollen die Aufenthaltsqualität erhöhen. Aktuell finden sich vor Ort lediglich eine angeflemmte Bank und meist zahlreiche Kippenstummel auf dem Asphaltstück.

Die Verwaltung orientiert sich für ihren Vorschlag an bereits vorhandenen Plänen aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) und dabei ausgerechnet auf den angedachten Neubau eines „Alleeplatzes“. Noch in der Vorwoche hatte der Historische Verein protestiert, dass durch den Neubau einer Kita endgültig die Chance verschwinden würde, an das in den 1970er-Jahren abgerissene Haus Dudenroth zu erinnern. Das stand einst nahezu an identischer Stelle zur geplanten Kita. Inwiefern Haus Dudenroth sich in der künftigen Gestaltung wiederfinden könnte, vermochte Flormann nicht zu sagen. „Das ist erstmal ein Vorschlag der Verwaltung, den wir schon vor dem Protest des Vereins in Betracht gezogen haben. Über weitere Details nachzudenken, wäre ein Vorgriff“, so Flormann.

Der Umweltbeauftragten ist daran gelegen, einen Ausgleich zu schaffen und den restlichen Baumbestand zu schützen. „Ich denke da vor allem an die Kastanie, die dann neben der Kita stehen würde. Wenn die Fläche an den Bauträger übergeht, muss im Bebauungsplan festgesetzt sein, dass ein späteres Fällen erhaltenswerter Bäume nicht möglich ist“, sagt Flormann.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Neugründung

Nick Engelhardt wird zum ersten Vorsitzenden der Schüler-Union Holzwickede gewählt

Hellweger Anzeiger Radtouristik und Volksradfahren

Rund um Haus Opherdicke: Nur hartgesottene Fahrer trauten sich im Regen auf ihre Räder

Hellweger Anzeiger Politik

Junger Experte in Umweltfragen: Das hat Arwin Rahimi (24) als Sachkundiger Bürger vor

Hellweger Anzeiger Ehrenamtliches Engagement

Was man während einer Fahrt mit Schrottsammler Klaus Dahl über unsere Gesellschaft lernt

Meistgelesen