Lesung im Vivo aus Vor-Corona-Zeiten: Autor Thomas Matiszik wäre einer der Künstler gewesen, die gerne bei „Kleinkunst statt Böllern“ mitgemacht hätten. Das Ordnungsamt hat einen organisierten Kultur-Spaziergang nun untersagt. © Marcel Drawe
„Kleinkunst statt Böllern“

Keine organisierten Veranstaltungen: Absage an Kultur-Spaziergang zu Silvester

Einen organisierten Kultur-Spaziergang unter dem Motto „Kleinkunst statt Böllern“ wird es an Silvester nicht geben. So gut die Idee auch sei, will das Ordnungsamt aktuelle Corona-Entwicklungen nicht ausblenden.

Privat hätte Ordnungsamtsleiterin Stefanie Heinrich wohl auch ihre Freude an der Idee von Friedhelm Klemp gehabt. Der wollte einen Kultur-Spaziergang an Silvester organisieren. Unter dem Motto „Kleinkunst statt Böllern“ sollten lokale Künstler an verschiedenen Orten in der Gemeinde ihr Können zeigen, die Holzwickeder so auf Abstand zum Jahreswechsel in den Genuss von Live-Unterhaltung kommen.

Dienstlich jedoch kann Stefanie Heinrich dem Vorhaben nicht zustimmen. „Die Corona-Schutzverordnung gibt organisierte Veranstaltungen in der Form einfach nicht her“, sagt sie. Das Problem: Zieht ein einzelner Künstler spontan mit Instrument durch die Gemeinde, richtet sich das eben nicht an ein geladenes Publikum. Ein organisierter Spaziergang mit angekündigten Orten und Zeiten, die vorab veröffentlicht werden, könnte hingegen zu viele Menschen anlocken.

Nicht auf eine Auflösung der Veranstaltung ankommen lassen

„Im Zweifel wird man nicht Herr darüber. Und was hätten wir gekonnt, wenn wir die Veranstaltung am Ende tatsächlich auflösen müssten?“, fragt Heinrich. Das wäre letztlich auch für die Künstler selbst enttäuschend.

Das Konzept von Friedhelm Klemp sah mittlerweile ein Programm in der Zeit zwischen 12 und 15 Uhr an Silvester vor. Ob Sänger Kim Friehs, Saxophonist Peter Sagurna oder Autor Thomas Matiszik – bei lokalen Künstlern kam seine Idee an. Zwischenzeitlich hatte er auch Kontakt zu den Kirchen als mögliche Programmorte aufgenommen. Auch Vivo-Wirt Jens Reckermann hätte laut Klemp seine Terrasse zur Verfügung gestellt. Zunächst positive Signale aus dem Verwaltungsvorstand, aus dem Fachbereich Kultur und von Michael Klimziak als Vorsitzender im Ausschuss für Schule, Sport, Kultur muss Stefanie Heinrich allerdings nun im Keim unterdrücken.

„Ich finde die Idee des Spaziergangs ja selbst total super. Und ich finde es furchtbar, aber wer mit seinen Tätigkeiten momentan Menschen zu Versammlungen lockt, dem müssen wir das untersagen“, so Heinrich. Dafür würde auch neue Detail-Anweisungen seitens des Landes sprechen, die etwa explizit solche Veranstaltungen an Seniorenheimen untersagen.

Mit Blick auf neue Ausgangsbeschränkungen in Bayern und den weiterhin hohen Corona-Fallzahlen im Land, sei es momentan das Gebot der Stunde, Situationen zu vermeiden, in denen viele Menschen zusammenkommen. Zuletzt hatte auch Holzwickedes Bürgermeisterin Ulrike Drossel nochmals an die Menschen appelliert und einen „massiven Kontaktverzicht“ angemahnt.

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis
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