Das Jahr 2018 war kein gutes Jahr für Bäume: Erst fegte das Sturmtief Friederike übers Land, dann kam die Trockenheit - und für manch einen Baum auch die Säge.

Holzwickede

, 27.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Und nicht nur das: Schädlinge machten sich breit, Krankheiten breiteten sich aus. Nicht zuletzt steht oder stand manch ein Baum Bauvorhaben im Weg. So wie beispielsweise sechs Bäume im Emscherpark, die für den Kita-Neubau fallen müssen. Oder aber auch zehn Bäume, die gefällt werden müssen, um den Anbau an das historische Rathaus realisieren zu können.

Der Umweltausschuss wird in seiner nächsten Sitzung wieder über so manch einen Fällantrag zu entscheiden haben. Die Verwaltung, hier der stellvertretende Leiter des Baubetriebshofes und Fachmann Armin Nedomansky, hat entsprechende Empfehlungen ausgesprochen. Entscheiden muss die Politik.

Baumkastaster listet alle Bäume der Gemeinde auf

Armin Nedomansky steht sozusagen mit den gemeindeeigenen Bäumen auf Du und Du. Die Zahl der Bäume hat er genau im Kopf: „Es sind 3748 Bäume“, sagt er und fügt an, dass es in real sogar über 4000 sind, denn Baumgruppen, die aus bis zu zehn Bäumen bestehen, würden in der Statistik als lediglich ein Baum geführt. Seit 2007 führt Nedomansky ein Baumkataster. Und zurzeit erarbeitet er auch wieder eine Liste, auf der alle Ersatzpflanzungen für gefällt Bäume stehen. Die Liste stimmt er dann noch mit der Umweltbeauftragten Tanja Flormann ab. Ersatzpflanzungen würden immer im Herbst oder Frühjahr vorgenommen, erklärt Nedomansky. Die Baumart sucht er aus. Nicht immer sei es ratsam, die gleiche Baumart neu zu setzen, wenn die alte beispielsweise von einer Krankheit befallen war. Deshalb wechselt der Fachmann dann zu einer anderen Baumart. Kleinkronige Bäume würden aber immer durch kleinkronige Bäume ersetzt. Bei großkronigen Bäumen verfährt der Baubetriebshof ebenso. Jetzt stehen rund 20 Bäume auf der Ersatzliste, die all jene Bäume ersetzen, die der Sturm am Anfang des Jahres niedermachte. Etwa 30 weitere Bäume mussten gefällt werden, weil sie krank waren, nicht mehr standsicher waren und somit eine Gefahr darstellten.

„Ich achte sehr auf die Bäume“, ärgert sich Nedomansky, dass ihm seitens einiger Naturschützer das Fällen von Baumen vorgeworfen wird. „Kein Baum wird einfach so weggeholzt“, versichert Nedomansky. Dass da bei Facebook beispielsweise schon des Öfteren das Wort „Abholzwickede“ gefallen ist, tut ihm weh.

Regelmäßige Baumkontrollen

Die Gärtner des Baubetriebshofes kümmern sich um die Bäume, kontrollieren sie in regelmäßigen Abständen und fassen die Ergebnisse im Baumkataster zusammen. Diese Datenbank bildet die Grundlage für die regelmäßigen Baumpflegearbeiten zur Sicherstellung der Verkehrssicherheit.

Nedomansky weiß, dass das Verhältnis manch eines Bürgers zu Bäumen ein gespaltenes ist. Spendet ein Baum zu viel Schatten, zerstört er mit seinemWurzelwerk Gehwege oder Einfahrten – dann werden Fällanträge gestellt. Die betroffenen Bäume sollen weg. Müssen sie fallen, weil sie sonst, beispielsweise einem Neubau wie einer Kita im Wege stehen oder zum Beispiel für das neue Rathaus fallen müssen, ist der Aufschrei oft laut.

Kein Baum wird einfach so weggeholzt
Armin Nedomansky
Baubetriebshof

Im Umweltausschuss geht es jetzt wieder konkret um die Bäume, die für den Bau der Kita fallen müssen, Das Baufenster wurde mittlerweile verschoben, so dass, wie die Verwaltung in der Sitzungsvorlage darlegt „der Eingriff in Natur und Landschaft allerdings auf das geringstmögliche Ausmaß reduziert werden“ konnte. Wichtig zu wissen: Erst im nachgelagerten Baugenehmigungsverfahren wird der konkrete Standort des Kita-Gebäudes und somit der tatsächlich von der Planung betroffene Gehölzbestand ersichtlich. Deshalb wird nun sämtlicher, im Baufenster vorhandene Baumbestand für die Erteilung einer Fällgenehmigung beantragt. Eine Genehmigung braucht es für drei Einzelbäume und eine Baumgruppe, bestehend aus drei Birken.

Auch der Rathausbau braucht Platz

Insgesamt zehn Bäume sind von dem Bau des neuen Rathauses betroffen. Drei Bäume sind wegen ihres Stammumfanges unterhalb von 120 Zentimern sowie zwei Nadelgehölze nicht im Sinne der Baumschutzsatzung geschützt. Somit braucht es für insgesamt fünf Bestandsbäume eine durch den Umweltausschuss erteilte Fällgenehmigung. Gefällt werden müssen eine Linde, vier Robinien, zwei Ahornbäume, eine Eberesche und zwei Fichten.

Termin

Entscheidung im Umweltausschuss

Der Umweltausschuss entscheidet am 10. Dezember über das Fällen gemeindeeigener Bäume im Emscherpark und für den Neubau des Rat- und Bürgerhauses, über Baumbestand an der Lessingstraße und Buchen auf dem Spielplatz am Saarbrücker Weg. Die Sitzung beginnt um 17.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.

Bürger stellten Fällanträge für Buchen auf dem Spielplatz am Saarbrücker Weg. Anwohner beklagen, dass die Bäume zu nah an den Wohnhäusern stehen und Schäden an der Wegeinfassung und Versorgungsleitungen anrichten. Das sieht der Bauhof anders und empfiehlt, den Antrag abzulehnen. Von Anwohnern der Lessingstraße liegt ein Antrag auf umfangreichen Kronenrückschnitt an den gemeindeeigenen Bäumen an der Lessingstraße vor. Es geht um Schatten, um durch Baumwurzeln angehobene Gehwegsteine und verminderte Straßenbeleuchtung. Auch könne das abfallende Laub nicht gut beseitigt werden, da Flughafenparker die Gehwegsreinigung blockierten. Bei den Bäumen handelt es sich um etwa 100 Kugelahorne. Sie säumen die Lessingstraße alleenartig. Die Empfehlung an die Politik: die Bäume nicht fällen.

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