Kaspar, Melchior und Balthasar bringen den Segen

dzMit Sternsingern unterwegs

Nieselregen, grauer Himmel, Schmuddelwetter: Das hält rund 20 Kinder nicht davon ab, den Segen an die Haustüren zu bringen und Spenden für andere Kinder zu sammeln.

von Lena Zschirpe

Holzwickede

, 05.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Aktion Dreikönigssingen ist die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder weltweit. Seit Beginn im Jahr 1959 haben die Sternsinger insgesamt rund eine Milliarde Euro gesammelt. Auch 2019 beteiligen sich Kinder in der Emschergemeinde an der Aktion: Vom 4. bis 6. Januar ziehen die Sternsinger in Liebfrauen von Haus zu Haus.

Dabei ist es nicht wichtig, welcher Religion die Jungen und Mädchen angehören, das Dreikönigssingen ist eine katholische Aktion mit ökumenischer Offenheit. Auch das Alter spielt keine Rolle. „Bei uns sind immer einige Erwachsene dabei, die sich verkleiden, losziehen und singen“, sagt Silke Klute, Gemeindereferentin der Liebfrauengemeinde. „Ab einem gewissen Alter in der Pubertät möchte man vielleicht eher nicht mehr als König um die Häuser zu ziehen, zum Glück haben wir in Holzwickede aber viele engagierte Jugendliche, die dann als Begleiter agieren.“ Mit Kronen und bunten Kostümen ziehen die Kinder als die berühmten Könige Kaspar, Melchior und Balthasar in kleineren Gruppen durch Holzwickede. Die Kleidung wird von der Gemeinde gestellt. „Da gab es letztes Jahr eine großartige Aktion von vielen Helfern und Helferinnen, die die Gewänder genäht haben. Unsere alten Kostüme hatten nämlich langsam aber sicher ausgedient“, so Klute.

Sie leitet die Aktion vor Ort seit neun Jahren. Im Vorfeld Materialien wie Aufkleber und Kreide organisieren, die Gewänder überprüfen und den Gottesdienst im Rahmen des Dreikönigssingens inhaltlich vorbereiten, zählen zu ihren Aufgaben. Unterstützung bekommt sie dabei von der Katholischen jungen Gemeinde (KjG).

Kaspar, Melchior und Balthasar bringen den Segen

Ist jemand nicht zu Hause, hinterlässt Finja eine Notiz. © Zschirpe

„Man sollte sich auch mit den Inhalten des Dreikönigssingens auseinandersetzen“, erklärt Klute. „In diesem Jahr ist unser Beispielland Peru, dazu wird auch ein Film bereitgestellt. Den schaue ich mit den Kindern an und übe anschließend die Lieder mit ihnen.“

Die Spenden sammeln die Kinder in Holzwickede immer an drei Tagen, diesmal von Freitag bis Sonntag. „Am Sonntag erzählen die Kinder im Gottesdienst dann von ihren Erfahrungen, die können nämlich von netten Begegnungen mit warmem Kakao bis zu einem unfreundlichen Türe-zu-knallen reichen“, so Klute. Das kann auch Helene Menne bestätigen. Sie begleitet in diesem Jahr eine Gruppe von Kindern, bei der auch ihre Tochter mitmacht: „Wenn niemand aufmacht oder gar unfreundlich wird, ist das natürlich enttäuschend für die Kinder. Andersherum ist es aber auch motivierend, wenn die Leute sich freuen und etwas für die Spendenbüchse geben.“

Offene Türen

Am Freitag empfangen die meisten Bewohner die Kinder im wahrsten Sinne mit offenen Türen und geben sogar dann eine Kleinigkeit für die Spendendose, wenn gar kein Segen an Haus- oder Wohnungstür gewünscht ist.

Auch Kathrin Hünninghausen freut sich über den Besuch der Sternsinger. „Ich habe früher selbst immer mitgemacht und finde es toll, wenn die Kinder sich für etwas einsetzen und aktiv werden.“ Veronica Murati wartet jedes Jahr auf die musikalische Botschaft. „Die Sternsinger gehören zum Jahresanfang dazu, mit einem Segen an der Haustür fühlt man sich einfach besser.“ Der Segensspruch beinhaltet die Kürzel C, M und B. Das steht für die lateinischen Worte Christus Mansionem Benedicat – Christus segne dieses Haus.

Kaspar, Melchior und Balthasar bringen den Segen

Helene Menne klebt den Segensspruch fest.Fotos: Zschirpe © Zschirpe

Auch Süßigkeiten und andere Lebensmittelspenden nehmen die Sternsinger gerne entgegen. „Davon dürfen sich die Kinder natürlich etwas aussuchen, die andere Hälfte geht an die Tafel“, erklärt Menne. Für die engagierten Kinder steht diese Form der Belohnung aber nicht im Vordergrund. Stattdessen ist es auch die Zeit mit Freunden und der Gedanke, etwas Gutes zu tun, die sie trotz kühlem Nieselregel motivieren. „Mir macht es Spaß und ich finde es auch gut, Spenden für Kinder zu sammeln, denen es nicht so gut geht“, erzählt Finja. Sie trägt die Aufkleber und Kreide für die Neujahrssegen in einer kleinen Tasche mit sich. Wer bei dem Rundgang der Sternsinger nicht zuhause ist und trotzdem einen Segen erhalten oder spenden möchte, dem wirft sie einen Zettel mit den nötigen Infos in den Briefkasten. Die anderen Mädchen aus ihrer Gruppe tragen einen großen Holzstern und eine goldene Dose für die Spenden.

Mit dem Geld, das die Sternsinger sammeln, unterstützt die Aktion Dreikönigssingen jährlich mehr als 1.600 Projekte für Kinder in Not. In diesem Jahr steht das Zentrum „Yancana Huasy“ in Peru im Vordergrund. Hier erhalten Kinder mit Behinderungen aus den armen Regionen des Landes Unterstützung, Förderung und Zuwendung. „Der Grundgedanke der Sternsinger-Aktion ist es, den Menschen den Segen für das neue Jahr nach Hause zu bringen und ihnen alles gute zu wünschen“, erklärt Silke Klute. „Ich habe den Kindern erklärt, dass wir als Christen immer auf der Suche nach Gott sind und den finden wir ganz oft in den Begegnungen mit Menschen. Und was gibt es schöneres, als zu den Menschen nach Hause zu gehen und ihnen Freude und Segen zu bringen?“

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