Einen zähen Vogel galt es am Montag beim Kaiserschießen auf dem Marktplatz von der Stange zu holen. Dramatisch wurde es auch an der Ausgabe für die Erbsensuppe, die nur bekam, wer schnell war.

Holzwickede

, 08.07.2019, 20:01 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der 527. Versuch brachte den Holzwickeder Schützen ihr neues Kaiserpaar: Mit Karl-Heinz Pakusch übernimmt der ehemalige Vorsitzende des BSV Holzwickede die Kaiserwürde zusammen mit seiner Frau Karin. Das neue Kaiserpaar entstammt der ältesten Kompanie der Gemeinde: Altes Dorf.

Zwei Schuss zuvor sah gegen 17.45 Uhr noch Andreas Weidlich von den Wildschützen wie der sichere Sieger aus. Nachdem zwischenzeitlich aus Mangel an Munition das großkalibrige Gewehr nochmals getauscht werden musste, holte der König von 2018 das letzte dicke Stück des Vogels von der Stange. Der Jubel seiner Kompanie hielt nur kurz, die Schießleitung um Detlef Lügger und Frank Haumann intervenierte. An der Halteschraube hing noch ein letzter Holzspan. Die Regeln sind klar: Die Schraube muss blank geschossen werden.

Mobile Vogelstange

Spezialanhänger sorgt für Sicherheit

Auf die Stange gesetzt wurde der Holzwickeder Vogel mit einem mobilen Spezialanhänger des Vereins Kugelfang Hellweg. Der vereint Vertreter von den Schützenvereinen Lünern, Stockum-Siddinghausen-Westhemmerde und Hemmerde. Gemeinsam hat man hier eine Vorrichtung konstruiert, die den Vogel in 10,50 Meter Höhe hievt, wo dieser in einem Kugelfang sitzt. Dadurch ist gewährleistet, dass Munition oder Splitter nicht ins Publikum splittern. Sieben bis acht Schützenfeste in der Saison besuchen die Hellweger Kugelfänger mit ihrem Anhänger.

Damit hatte zunächst der scheidende König Andreas II. aus der Hohenleuchte-Kompanie die Chance, sich zum eigenen Nachfolger und Kaiser zu schießen. Andreas Gawlowski verfehlte den Span aber, der im Anschluss nach Pakuschs Schuss zu Boden flatterte.

Bis dahin dauerte es fast sieben Stunden: „Es darf die Königsfahne gehisst werden. Der Vogel geht auf seine letzte Reise“, eröffnete BSV-Vorsitzende Frank Weber pünktlich um 11 Uhr das Kaiserschießen. Nach den Ehrenschüssen, der erste Schuss gehörte dabei Bürgermeisterin Ulrike Drossel, durfte zunächst mit dem Kleinkalibergewehr frei auf den Vogel gezielt werden. Nachdem Rolf Bühler im neunten und Anke Harbig im 31. Versuch zunächst Zepter und Apfel für die Kompanie Hohenleuchte sicherten, dauerte es im Anschluss bis zum 128. Schuss, ehe Marvin Schlüter von den Hubertus-Schützen die Krone abschoss.

Bis dahin deutete sich schon an, dass der 34. Vogel von Heinz Gössmann dieses Jahr ein besonders zähes Exemplar aus Kiefernholz sein würde, das seine Insignien nur mit viel Widerstand preisgeben würde. Harbigs zerschossener Apfel taugte jedenfalls nicht mehr als Erinnerungsstück: „Wir hoffen, du hast Leim und Geduld zu Hause“, kam der Rat aus dem Kommandowagen.

Karl-Heinz und Karin Pakusch bilden das neue Holzwickeder Kaiserpaar

Vor dem Schießen stellten sich die Anwärter auf den Kaisertitel mit Kurt Erdmann (2.v.r.), Vorsitzender des Schützenkreises Unna-Kamen, auf: Markus Eckel, Jürgen Fritz, Ralf Willinzig, Andreas Gawlowski, Karl-Heinz Pakusch und Andreas Weidlich (v.l.). © Greis

Nach 300 Versuchen wurde vom kleinen aufs große Kaliber gewechselt. Da flatterte der Vogel noch mit beiden Flügeln, wenn auch der rechte schon hing. Der erste Schuss mit lauter Munition würde der Kompanie die Insignie bringen, die zuvor beim Auslosen den 301. Schuss zugesichert bekam – da waren sich die meisten Schützen einig.

Doch nichts da: Erst Hubertus-Vertreter Dennis Gerundt holte sich mit dem 304. Schuss den rechten Flügel, der linke ging im 328. Versuch an Marco Homberg (Hohenleuchte). Die restlichen 22 Schüsse wurden genutzt, um den Korpus weichzuschießen. Dann machten sich die Kaiseraspiranten bereit: Neben dem späteren Sieger Pakusch, der 2006 und 2010 König war, traten für Hohenleuchte eben Andreas Gawlowski sowie Jürgen Fritz (König 2015) und Markus Eckel (König 2002) an. Andreas Weidlich (König 2018) vertrat die Wildschützen.

Karl-Heinz und Karin Pakusch bilden das neue Holzwickeder Kaiserpaar

Die lautesten Fans stellte die Kompanie Hubertus, die ihren Kandidaten Ralf Willinzig mit Pauke, Megafon und Gesängen anfeuerten. © Greis

Die lautesten Anhänger vereinte aber Ralf Willinzig (König 2011) hinter sich: In jeder Schießrunde lärmten die Hubertus-Schützen mit Pauke und Megafon für ihr Kompanie-Mitglied und skandierten: „Hubertus wird Kaiser-Kompanie!“. Am Ende eines langen Nachmittags kam es anders: Karl-Heinz Pakusch beerbt Carsten Becker und vertritt den BSV in den kommenden fünf Jahren als Kaiser. Einen neuen König schießen die Holzwickeder erst im kommenden Jahr wieder aus.

Nur 100 Portionen: Erbsensuppen-Gau im Festzelt

Viele enttäuschte Gesichter gab es am Montag zur Mittagszeit im Festzelt, denn die traditionelle Erbsensuppe war in Minuten aus. Anscheinend ist in der Kommunikation zwischen Schützen und der Dortmunder Gulaschkanone, die schon im Vorjahr erstmals Suppe zum Schützenfest ausschenkte, etwas schiefgelaufen. Am Montag konnte man es sich vor Ort nicht recht erklären, klar war nur: Aus Dortmund kommt keine Suppe.

„Tut mir leid, aber der Verein hat es verpeilt, bei uns zu bestellen. Es gab zwar mal ein Gespräch – aber wir brauchen schon eine schriftliche Bestellung per Email mit Menge, Datum, Uhrzeit. Ich bin mein Postfach bis auf ein Jahr zurückgegangen. Da war nichts“, sagt Adrian Pichura, Geschäftsführer der Gulaschkanone. „Wir kochen frisch, haben nichts auf Vorrat. Mal eben 500 Liter Erbsensuppe liefern, geht nicht“, so Pichura. In ihrer Not fragten die Schützen bei der Fleischerei Weljehausen an. Die konnte spontan zumindest so viel Suppe liefern, dass es für rund 100 Portionen reichte.

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