Josef Reding (90) verstorben: Holzwickeder Hauptschule trauert um ihren Namensgeber

dzTodesfall

Mit dem Tod von Josef Reding verliert die Hauptschule in Holzwickede ihren Namensgeber. Die Schule trauert, und will aus den von Reding vertretenen Werten Kraft schöpfen.

Holzwickede

, 13.01.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Josef Reding im vergangenen Jahr zur Feier des 50. Jubiläums der Holzwickeder Hauptschule angereist war, stand es um die Gesundheit des Literaten schon nicht mehr allzu gut. Schulleiter Klaus Helmig erinnert sich noch sehr gut an seine Ansprache, in der er aus seinem Gedicht „Frieden“ vorlas.

Im Rollstuhl sitzend habe er es den Besuchern „mit lauter Stimme“ vorgetragen, erzählt Helmig. Schülern und Lehrern habe sein Auftritt ebenso imponiert wie alle anderen Begegnungen zuvor auch. Solche Gelegenheiten wird es an der Josef-Reding-Schule künftig nicht mehr geben. Ihr Namensgeber ist am vergangenen Freitag verstorben.

Josef Reding (90) verstorben: Holzwickeder Hauptschule trauert um ihren Namensgeber

Nicht nur die Gemeinde, sondern auch die Josef-Reding-Schule feierte 2018 Jubiläum. Ein gern gesehener Gast bei offiziellen Veranstaltungen dieser Art war stets der Literat Josef Reding (rechts). © Archiv

Die Nachricht über den Tod des 90-Jährigen habe ihn schockiert, sagt Helmig. Auch wenn sie ihn mit Blick auf sein hohes Alter nicht ganz unvorbereitet traf: „Er war ja zuletzt schon ziemlich bettlägerig“, erklärt er. Dennoch ist der JRS-Schulleiter in diesen Tagen bestürzt.

Gemeinsame Trauerveranstaltung mit der Gemeinde denkbar

Für Helmig stehen jetzt zumindest arbeitsreiche Tage an: „Ich weiß ehrlich gesagt selbst noch nicht, was wir tun werden, um von ihm Abschied zu nehmen“, sagt Helmig. Denkbar sei etwa eine gemeinsame Trauerveranstaltung mit der Gemeinde oder der Stadt Dortmund, wo Reding lebte. In dieser Sache müsse er sich aber erst mit den Verantwortlichen absprechen.

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In der Schule, so plant Helmig, sei unabhängig davon eine eigene Trauerecke realisierbar. In der Eingangshalle steht seit Montag ein Erinnerungsbaum. Am Dienstag, so viel steht fest, wird es für die ganze Schule eine Schweigeminute geben. Anschließend können sich Schüler und Lehrer in einem Trauerbuch eintragen. Um all anderen Dinge wolle er sich kurzfristig kümmern.

Todesfall

Das Leben des Literaten Josef Reding

  • Als Sohn eines Filmvorführers wurde Reding am 20. März 1929 in Castrop-Rauxel geboren, wo er 1951 Abitur machte. Da war er aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt; seine Bewacher überließen ihm Zeitschriften und Taschenbücher – so lernte er Kurzgeschichten kennen und lieben.
  • Ab 1953 hat Reding in Münster Germanistik, Psychologie, Publizistik, Kunstgeschichte und Anglistik studiert und dieses Studium 1957 in den USA fortgesetzt. „Nennt mich nicht Nigger“ heißt eines der bekanntesten Bücher dieses großartigen Erzählers, in dem in Geschichten aus zwei Jahrzehnten auch seine Erlebnisse in den USA verarbeitet sind.
  • 1957 gelang ihm mit diesem Buch der literarische Durchbruch. Mit vielen Preisen wurde sein Werk ausgezeichnet, unter anderem 1989 mit dem Literaturpreis Ruhr.

Der Trauerfall ist für die Holzwickeder Schule in doppelter Hinsicht nicht ganz einfach: Denn die meisten Schulen sind nach Menschen benannt, die bereits mehr oder weniger lange verstorben sind. An der Josef-Reding-Schule war das bis zum Wochenende nicht der Fall.

Schule in Herne als besonderes Trauer-Beispiel

Wie man mit solchen besonderen Fällen angemessen umgeht, ist für Helmig daher schwieriger zu beurteilen. Mindestens ein Beispiel in der Region findet die Josef-Reding-Schule an der Hans-Tilkowski-Schule in Herne, die erst vor wenigen Tagen vom gleichnamigen Ex-Fußballer Abschied nahm.

Josef Reding war ein bedeutender Literat, der unter anderem 1969 mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis ausgezeichnet wurde. In seinen Werken griff er vor allem das Thema Frieden auf und setzte sich gegen Gewalt ein. Auch in umstrittenen Themen legte er stets seinen Finger in die Wunde, wenn er die Notwendigkeit dafür sah. Wegbegleiter beschrieben ihn als ruhigen und besonnenen Menschen. Bei Dingen, die er als Ungerechtigkeiten empfand, konnte seine Stimme aber auch mal laut werden.

Josef Reding (90) verstorben: Holzwickeder Hauptschule trauert um ihren Namensgeber

Unter seinen Literatur-Kollegen hat Josef Reding (rechts) nach Auskunft von Schulleiter Klaus Helmig gerne mal ein wenig mit der gleichnamigen Schule in Holzwickede geprahlt. Bei der Feier zur Namensgebung im Jahr 2013 nahm er persönlich teil. © Udo Hennes

Diese Stimme wird der Literaturwelt nun fehlen. Für die Josef-Reding-Schule in Holzwickede ist der Tod Redings aber keineswegs das Ende einer Geschichte, sondern vielmehr der Beginn eines neuen Kapitels. Denn bei aller Trauer über den Todesfall des Namensgebers, so bleiben nach Auffassung ihres Schulleiters neben dem Namen vor allem auch die Werte, für die er stets eintrat.

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Den Schülern sollen seine Bemühungen für mehr Toleranz und Frieden in der Welt im Gedächtnis bleiben und zudem als gutes Vorbild dienen. Diese Werte will die Schule jedenfalls auch in Zukunft vermitteln. In Gedenken ihres Namensgebers, aber auch in der Hoffnung auf eine bessere Welt im Sinne Josef Redings.

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