Am Dienstag feiert die Bigband des Clara-Schumann-Gymnasiums zehnten Geburtstag. Was aus dem Engagement in einer Schulband werden kann, zeigt der Werdegang eines Gründungsmitgliedes.

Holzwickede

, 08.10.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jonathan Böbel ist erst 20 Jahre jung und gehörte vor knapp zehn Jahren dennoch zu den ersten Bandmitgliedern der Green Onions. Als Sechstklässler stieg er ein und blieb der Band bis zum Abitur treu. Heute studiert er an der Folkwang Universität der Künste in Essen und strebt eine Karriere als Berufsmusiker an. Warum die Green Onions für ihn gerade zur rechten Zeit gegründet wurden, verrät der Posaunist im Interview.

Jonathan, wie beliebt sind Sie bei ihren Nachbarn?

Laut Mietvertrag dürfte ich zwar einige Stunden täglich in der Wohnung üben, aber das tue ich meinen Nachbarn nicht an. Ich probe in den Übungsräumen an der Uni.

Wie viele Stunden täglich spielen Sie Posaune?

Ich übe vier bis fünf Stunden. Zusätzlich zu den verschiedenen Kursen an der Uni.

Jonathan Böbel hat es von der Schulband ins Bundesjugendjazzorchester geschafft

Jonathan Böbel (2.v.l.) im Kreise seiner Posaunen-Kollegen vom BuJazzO. Böbel spielt im Ensemble Tenorposaune. © BuJazzO

Ist das durch das Studium vorgegeben?

Im Studium habe ich nur eine Stunde Posaune in der Woche. Es gibt die Pflichtkurse und ansonsten muss man mit sich selbst ausmachen, was man aus dem Studium macht.

Was gehört zum Pflichtprogramm?

In den anderen Kursen geht es um gemeinsames Spielen mit anderen Instrumentalisten, Gehörbildung, Notation, Produktion, Musikgeschichte oder Klavierunterricht.

Warum Klavierunterricht?

Weil das super für das harmonische Verständnis ist. An der Posaune spielt man immer nur einen Ton, am Klavier aber Akkorde, also mehrere Töne gleichzeitig.

Bleibt es mit der Posaune nur beim täglichen Üben?

Ich spiele im Bundesjugendjazzorchester und in mehreren Bigbands. Pro Woche spiele ich im Schnitt drei Auftritte.

Das Bundesjugendjazzorchester (BuJazzO) fördert die Nachwuchs-Elite, wie kommt man da rein?

Wie bei der Folkwang-Uni auch bewirbt man sich und wenn der musikalische Hintergrund passt, wird man zum Vorspielen eingeladen.

Ist man da nicht unfassbar aufgeregt?

Beim Vorspielen ist das tatsächlich so, weil Fachleute vor dir sitzen, die auf jede Bewegung achten. Bei Konzerten fällt die Aufregung irgendwann ab.

Jonathan Böbel im Einsatz mit der Pascal Klewer Bigband:

Muss man sich einen Band- oder Orchesterleiter als harten Hund vorstellen?

Da ist jeder anders. Bei manchen ist alles schlecht, schlecht, schlecht und die Band klingt am Ende gut. Manche loben viel und es klingt auch gut. Es gibt Leiter, da klappern einem die Zähne und man will nicht derjenige sein, der einen Fehler macht. Wenn man weiß, dass man ein bisschen spielen kann, lernt man, damit umzugehen.

Wie war Ihr früherer Lehrer Jochen Weichert so als Bandleader der Green Onions?

Jochen ist als Bandleader mega gut, hat mir immer gute Tipps gegeben. Ich war anfangs der Jüngste in der Band, war total aufgeregt. Ich habe vorher meist alleine gespielt – man weiß dann nicht, wie gut die anderen spielen und ob man reinpasst.

Anscheinend haben Sie sehr gut reingepasst und bis zum Abitur 2016 weitergespielt...

Mein Vater spielt auch Posaune, durch ihn habe ich mit fünf Jahren angefangen zu spielen. Nach dem Wechsel aufs Gymnasium hatte ich keine Lust mehr auf Posaune, es wurde uncool. Dann kamen die Green Onions genau zur rechten Zeit.

Dann wäre Ihr Wunsch, Berufsmusiker zu werden, ohne die Schulband keiner geworden?

Damals konnte ich mir das nicht vorstellen. Ich wusste aber auch nicht, was musikalisch alles geht. Ich spiele seit Anfang des Jahres im BuJazzO und wir waren schon auf Tour in den USA und Kanada. Ich habe in den Niederlanden, Russland, Argentinien, Paraguay gespielt. Man kommt viel rum, lernt andere Musiker kennen. So entstehen auch neue Projekte.

Sie kommen jetzt ins 5. Semester, wie stellen Sie sich ihre berufliche Zukunft vor?

Ich würde später gerne als freiberuflicher Musiker arbeiten, spiele am liebsten Traditional Jazz, ganz oldschool. Feste Stellen für Posaunisten in Bigbands gibt es nur beim Rundfunk. Da rein zu kommen, wäre natürlich ein Traum. Wer es schafft, spielt aber meist bis zur Rente. Entsprechend schwierig ist das.

Vor zehn Jahren hat die Bigband des Clara-Schumann-Gymnasiums erstmals das Stück „Green Onions“ von Booker T. & the M.G.‘s gespielt und den Namen des Titels dann auch als Bandnamen übernommen. Am heutigen Dienstagabend feiert die Band sich und das zehnjährige Bestehen mit einem kostenlosen Konzert im Schulforum an der Opherdicker Straße 44. Beginn ist um 19 Uhr, die Green Onions werden unterstützt von der Bläserklasse der 6b und einigen ehemaligen Wegbegleitern. Jonathan Böbel hat mit Bandleiter Jochen Weichert vorab bereits die eine oder andere musikalische Idee ausgetauscht. Um den kleinen Hunger und Durst kümmert sich die Q2-Stufe.
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