Die Gemeinde war interessiert. Ein Investor ebenfalls – und machte das Rennen. Das einstige Künstler-Gelände ist verkauft. Nun rücken eine benachbarte Fläche und die Pläne des Investors in den Fokus.

Holzwickede

, 05.03.2020, 15:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

An der Schäferkampstraße liegen rund 2,75 Hektar brach. Bis vor knapp einem Jahr war mehr als ein Jahrhundert lang Künstler Bahntechnik hier verortet. Dann zog das Unternehmen nach Hamm und die Frage stand im Raum: Was passiert nun auf der Fläche?

Die Frage lässt sich noch nicht beantworten. Wohl aber, dass etwas passiert: Mittlerweile wurde das Grundstück mitsamt Gebäuden verkauft. Eigentümer Christian Thiemann, einst selbst Teil der Künstler-Geschäftsführung trennt sich von dem Areal.

Sicher ist auch: Der Käufer ist nicht die Gemeinde Holzwickede. Die Gemeinde stand zusammen mit der Wirtschaftsförderung im Kreis Unna (WFG) zwar in Verhandlungen mit Thiemann, der hat sich anscheinend aber für ein lukrativeres Angebot entschieden. Die Gemeinde hätte zusammen mit der WFG das Areal gerne genutzt, um hier lokales Kleingewerbe anzusiedeln.

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Pläne des Investors für das einstige Bahnwerk sind unbekannt

Das ist vom Tisch. Was der Käufer auf dem Gelände plant: ungewiss. Gewiss ist aber: Der Investor hätte gerne noch eine benachbarte Fläche, die westlich gen Sölde liegt. Hier finden sich 1,5 Hektar Land in Gemeindebesitz – ausgewiesen als Industriegebiet aber nicht entwickelt.

Daran schließen weitere gut 1,5 Hektar gemeindlicher Ausgleichsfläche an. Weil die Verwaltung im Zuge einer Flächenneuordnung im Eco Port nun 0,3 Hektar Ausgleichsfläche benötigt, lautet der Plan: Die zur industriellen Nutzung vorgesehenen 1,5 Hektar werden geteilt. 0,75 Hektar davon werden als Ausgleichsfläche für den aktuellen und künftigen Bedarf vorgesehen.

Die verbliebenen 0,75 Hektar nicht entwickelter Industriefläche würde man gerne an den besagten Investor veräußern. Der Plan war bereits Anfang Februar Gegenstand der Diskussionen im Planungs- und Bauausschuss und musste nun auch im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Demografie auf die Tagesordnung. Das Vorhaben tangiert zudem auch den Umweltausschuss am 9. März.

Das einstige Künstler-Gelände ist verlassen. Was der Käufer des Areals hier plant – ist derzeit zumindest öffentlich noch nicht bekannt.

Das einstige Künstler-Gelände ist verlassen. Was der Käufer des Areals hier plant – ist derzeit zumindest öffentlich noch nicht bekannt. © Marcel Drawe

Investor wird sich vor einer Entscheidung äußern müssen

Eine politische Entscheidung wurde bereits Anfang Februar ausgesetzt. Im Ausschuss am Dienstag und auch am 9. März kommt es ebenfalls nicht zu mehr als einer Kenntnisnahme. Dennoch ist der Umgang mit den gemeindlichen Flächen interessant.

Einer ersten Sorge der Fraktionen widmete sich die Verwaltung in den gut vier Wochen zwischen den beiden letzten Fachausschüssen: Die Fraktionen monierten unisono, dass man sich bei einem Verkauf der Fläche jeglicher Optionen beraube, falls das Thema einer westlichen Umgehungsstraße nochmals akut werde.

Zur Erinnerung: Mitte der 1990er-Jahre fiel die Entscheidung für die Ostumgehung L677n. Deren Bau steht bis heute aus. Momentan sind gegen den Ausbau noch immer Klagen anhänglich, die vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen zu klären sind.

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Falls eine Umgehung West je nochmals Thema wird, merkte der Ausschussvorsitzende Jochen Hake (FDP) unter der Woche im Fachausschuss an, werde es ein Großteil der Anwesenden nicht mehr erleben.

Auf eine große Lösung, wie sie von Verwaltungsseite rudimentär in einer Skizze dargestellt wurde, sei man dabei nicht zwingend aus, hieß es von mehreren Seiten. Neben der Kritik an deren „dilettantischer“ Skizze, wie Wilfried Brinkmann (BBL) anmerkte, würden auch Eigentumsverhältnisse, ein Naturschutzgebiet und die Kosten eine Umsetzung unrealistisch machen. Umstände, auf die die Verwaltung in ihrer Vorlage durchaus einging.

"Da hätte ich auch ein Lineal anlegen und einen Strich ziehen können", monierte Wilfried Brinkmann für den Bürgerblock die Skizze der Verwaltung zu einer möglichen Umgehungsstraße West.

"Da hätte ich auch ein Lineal anlegen und einen Strich ziehen können", monierte Wilfried Brinkmann für den Bürgerblock die Skizze der Verwaltung zu einer möglichen Umgehungsstraße West. © Gemeinde Holzwickede

Essenz für die Fraktionen und für eine langfristige Planung war aber: Man möchte sich Optionen offenhalten, um die Verkehrsführung entlang der Schäferkampstraße zu verbessern. Und bevor man vorschnell eine gemeindeeigene Fläche verkauft, „braucht es mehr Futter, um zu entscheiden“, sagte Michael Klimziak (SPD).

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Noch ist nicht klar, was der Investor auf der einstigen Künstler-Fläche plant und wofür er die besagten 0,75 Hektar braucht, die der Gemeinde gehören. „Wir wissen, wer gekauft hat und erwarten auch eine gute Entwicklung, die Arbeitsplätze bringt“, sagt Bernd Kasischke.

Die Verwaltung muss akzeptieren, dass sich die Fraktionen ohne weitere Kenntnisse zu den Plänen des Investors nicht entscheiden werden. Das ist im Sinne der Bürger. Holzwickede hat allgemein wenig Fläche. Dann gemeindeeigenen Boden abzugeben, will wohlüberlegt sein.

Der unbekannte Investor wird nicht umhin kommen, sich und sein Vorhaben den örtlichen Politikern zumindest im nicht öffentlichen Teil vorzustellen. Gelegenheit hätte er im Juni. Dann tagt der nächste Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Demografie.

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