Der McDonald’s-Parkplatz in Holzwickede ist intelligent. Sensoren messen die Stellzeit; wessen Auto zu lange steht, der zahlt 30 Euro Strafe. Schummeln geht aber immer noch. Ganz analog.

Holzwickede

, 03.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die kleinen, schwarzen Sensoren in den Parkbuchten vor dem McDonald’s-Restaurant in Holzwickede sind unscheinbar. Deutlicher ins Auge fällt das blau-weiße Hinweisschild von „Park & Control“. Ein Dienstleister mit Sitz in Stuttgart, der bundesweit private Parkplätze bewirtschaftet.

Intelligenter Parkplatz: Bei McDonald‘s in Holzwickede ersetzen Sensoren die Parkscheibe

Klein und unscheinbar sehen die Sensoren im Boden aus: Sie messen die Parkzeit und informieren bei Überschreitung einen Mitarbeiter von „Park & Control“, der dann eine Vertragsstrafe von „mindestens 30 Euro“ ausstellt. © Alexander Heine

„Sensorüberwacht“, ist auf dem Schild zu lesen. Und dass eine Überschreitung der maximalen Parkdauer von 90 Minuten mindestens 30 Euro kostet; verbunden mit dem Hinweis auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Zum Vergleich: Wer in der Gemeinde Holzwickede auf einem öffentlichen Parkplatz zu lange steht, zahlt je nach Dauer der Zeitüberschreitung zwischen 10 (bis 30 Minuten) und maximal 30 Euro (über drei Stunden). Zu lange auf dem Privatparkplatz stehen – das kann für Kunden des Schnellrestaurants also teuer werden und schnell das Vielfache vom Burger kosten.

Flughafen: Dauerparker wurden für McDonald‘s zum Problem

Schon seit Anfang 2018 gibt‘s für das Parken bei McDonald‘s in Holzwickede ein Zeitlimit. Dauerparker wurden hier wie auch anderswo rund um den Flughafen zum Problem. Urlauber stellten ihre Fahrzeuge für Tage und sogar Wochen ab, statt die kostenpflichtigen Parkplätze des Flughafens zu nutzen. Dem schob die Fastfood-Kette einen Riegel vor. Zunächst mit der Pflicht, eine Parkscheibe auszulegen; seit einiger Zeit nun mit der Sensortechnologie.

Bundesweit tätig

Das ist „Park & Control“

  • „Park & Control“ bewirtschaftet Parkplätze im Auftrag seiner Vertragspartner. Das Unternehmen fungiert nach eigenen Angaben nicht als Pächter, wird demnach aber auch nicht für seine Dienstleistung bezahlt. Demnach dürfte die Vertragsstrafe für zu langes Parken vollumfänglich dem Stuttgarter Unternehmen zukommen.
  • Das betreibt nach eigenen Angaben bundesweit 12.000 einzelne Stellplätze. Manche mit der smarten Sensortechnologie, andere mit Parkscheinautomaten oder Parkscheiben. Zur Angabe der bewirtschafteten Parkplätze im Kreis Unna macht „Park & Control“ keine Angaben.
  • Zu den Kunden von „Park & Control“ zählen unter anderem Gewerbebetriebe aus dem Einzelhandel, der Systemgastronomie und aus dem Finanz- und Versicherungsbereich.

Nach Auskunft von „Park & Control“ wird ausschließlich die Parkzeit erfasst. Demnach registriert der Sensor, wenn ein Fahrzeug auf einem Stellplatz abgestellt wird, und misst, ob und wann die maximal erlaubte Parkzeit überschritten wird. Ist das der Fall, wird ein sogenannter Parkraumbetreuer alarmiert: Der rückt aus und stellt nach einer Karenzzeit von zehn Minuten die Vertragsstrafe aus. Ausgedruckt, wie ein „Knöllchen“ an der Windschutzscheibe. Verstöße gegen den Datenschutz gibt es demnach nicht.

ADAC: Gerichte sehen 30 Euro nicht als unangemessen an

Nach Einschätzung von Verbraucherschützern haben Nutzer des Parkplatzes schlechte Chancen, wenn sie die Vertragsstrafe trotz Überschreitung der Höchstparkdauer nicht zahlen wollen. Alleine durch das Parken kann nämlich ein Vertrag entstehen. Und weil das Schild wie das vor dem Schnellrestaurant in Holzwickede auf die AGB hinweist, scheint das juristisch sauber zu sein. „Meist gehen die Gerichte davon aus, dass Vertragsstrafen wirksam vereinbart werden können, wenn man sich in Kenntnis – oder bei zumutbarer Möglichkeit der Kenntnisnahme – der AGB unberechtigt beziehungsweise gegen die Nutzungsbedingungen verstoßend auf Privatparkplätze stellt“, schreibt etwa der ADAC auf seiner Internetseite. Demnach sehen die Gerichte eine Vertragsstrafe von 30 Euro „in der Regel nicht als unangemessen an“, heißt es weiter. Und das heißt im Umkehrschluss dann eben auch: Wer zu lange parkt, zahlt mindestens 30 Euro.

„Das steigert auch die Akzeptanz der Kunden und Besucher.“
Park & Control

Nach Angaben von „Park & Control“ ist der Handel insgesamt „sehr interessiert“. Die moderne Parkraumbewirtschaftung steigere die Kundenzufriedenheit und senke die Beschwerdequote um ein Vielfaches, teilt die PR-Agentur des Unternehmens auf Nachfrage mit. „Durch die Sensortechnologie wird die Parkraumbewirtschaftung objektiviert und Falschparker können direkt nachvollziehen, warum sie einen entsprechenden Vermerk erhalten“, heißt es. „Das steigert auch die Akzeptanz der Kunden und Besucher.“ Demnach wurde die Sensortechnologie im Herbst 2018 zunächst auf zwei Parkplätzen in Stuttgart und Dresden getestet und anschließend auf weitere Städte ausgeweitet.

Vor Schummlern ist aber auch der intelligente Parkplatz nicht gefeit. Hier kann man zwar keine Parkscheibe weiterdrehen, aber sein Fahrzeug gegebenenfalls umstellen oder zurück- und wieder vorrollen. Laut „Park & Control“ sind allerdings regelmäßig Mitarbeiter vor Ort und überprüfen die parkenden Autos. „So fallen Dauerparker, die übermäßig lang auf der Fläche stehen, trotz allem auf.“ Die Vertragsstrafe wird dann also trotzdem fällig...

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